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Wölfe Roman von Mantel, Hilary (eBook)

  • Verlag: DuMont Buchverlag
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Wölfe

England im Jahr 1520: Das Königreich ist nur einen Pulsschlag von der Katastrophe entfernt. Sollte der König ohne männlichen Erben sterben, würde das Land durch einen Bürgerkrieg verwüstet. Henry VIII. möchte seine Ehe annullieren lassen und Anne Boleyn heiraten. Der Papst und ganz Europa sind dagegen. Die Scheidungsabsichten des Königs schaffen ein Machtvakuum, in das Thomas Cromwell tritt: Die Werkzeuge dieses politischen Genies sind Bestechung, Einschüchterung und Charme. Aus der Asche persönlichen Unglücks steigt er auf und bahnt sich seinen Weg durch die Fallstricke des Hofes, an dem "der Mensch des Menschen Wolf" ist. Hilary Mantel hat mit Wölfe Wölfe Falken Jeder Tag ist Muttertag Im Vollbesitz des eigenen Wahns

Produktinformationen

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Wölfe

TEIL VIER (S. 269-270)

I Mach ein passendes Gesicht 1531

Es könnten Schmerzen sein oder Angst oder ein Fehler der Natur, die Sommerhitze oder der Klang von Jagdhörnern, die sich langsam entfernen, oder das Wirbeln glitzernden Staubs in leeren Räumen. Vielleicht hat das Mädchen auch zu wenig geschlafen, weil der abreisende Haushalt seines Vaters seit dem Morgengrauen zusammengepackt wurde – warum auch immer, es ist in sich zusammengesunken, und seine Augen sind von der Farbe abgestandenen Wassers.

Einmal, als er die einleitenden Höflichkeiten auf Lateinisch absolviert, sieht er, wie es sich fester an die Rückenlehne des Stuhls klammert, auf dem seine Mutter sitzt. "Madam, Ihre Tochter sollte sich hinsetzen." Falls ein Kräftemessen daraus werden sollte, nimmt er vorsorglich einen Hocker und stellt ihn mit einem entschlossenen kleinen Knall neben Katherines Röcke. Starr in ihrem mit Fischbein verstärkten Mieder, beugt sich die Königin zurück, um ihrer Tochter etwas zuzuflüstern.

Die Damen in Italien trugen scheinbar unbekümmert Konstruktionen aus Eisen unter ihren Seidenstoffen. Es bedurfte unendlicher Geduld – nicht nur beim Verhandeln –, um sie aus ihren Kleidern zu bekommen. Mary senkt den Kopf und antwortet flüsternd; auf Kastilisch deutet sie an, dass sie unter weiblichem Unwohlsein leide. Zwei Augenpaare heben sich, um ihn anzusehen. Der Blick des Mädchens ist unbestimmt; sie sieht ihn, vermutet er, als eine unförmige Masse aus Schatten in einem Raum, in dem der Kummer stetig ansteigt. Steh gerade, murmelt Katherine: wie eine Prinzessin von England.

Auf die Stuhllehne gestützt, atmet Mary tief ein. Sie wendet ihm ihr unattraktives, verkniffenes Gesicht zu: so hart wie Norfolks Fingernagel. Es ist früher Nachmittag, sehr heiß. Die Sonne wirft sich immer wieder verändernde Vierecke aus Lila und Gold an die Wand. Die verwelkten Felder von Windsor breiten sich unter ihnen aus. Die Themse weicht von ihren Ufern zurück. Die Königin spricht Englisch. "Weißt du, wer das ist? Das ist Master Cromwell. Der jetzt alle Gesetze schreibt." Unbequem zwischen den Sprachen eingeklemmt, sagt er: "Madam, sollen wir auf Englisch fortfahren oder auf Latein?"

"Ihr Kardinal hat das auch immer gefragt. Als wäre ich eine Fremde hier. Ich sage Ihnen jetzt, was ich auch immer zu ihm gesagt habe: dass ich schon als Prinzessin von Wales angeredet wurde, als ich drei Jahre alt war. Ich war sechzehn, als ich hierherkam, um Mylord Arthur zu heiraten. Ich war Jungfrau und siebzehn, als er starb.

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