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Wahnwitzige Welt Ein Abenteuerroman von Arenas, Reinaldo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.06.2013
  • Verlag: Edition día
eBook (ePUB)
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Wahnwitzige Welt

Der erste Roman des 1980 emigrierten Kubaners Arenas, reich an schwarzem Humor und grotesk-fantastischen Halluzinationen, erzählt die Lebensgeschichte eines revolutionären Dominikaners gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Servando Teresa de Mier flieht vor den Nachstellungen seiner Mutter, seiner Schwester und seines Lehrers in ein Dominikanerkloster der Hauptstadt, in der Tag und Nacht die Scheiterhaufen der Inquisition brennen. Eine Festrede zu Ehren der Jungfrau von Guadelupe bringt ihn in Konflikt mit der geistlichen und der weltlichen Macht, die nächsten 35 Jahre seines Lebens verbringt er in den Gefängnissen von Mexiko, Spanien und Kuba oder auf der Flucht. Die Verzerrung der Realität ins Grotesk-Fantastische lässt Geschehen und Halluzination, Horror und Komik, Historie und Legende ineinander übergehen. Zugleich ist dieses 'neubarocke' Kaleidoskop ein philosophischer Schelmenroman, eine desillusionierende Aufklärungsschrift, ein Panorama der vorrevolutionären Hölle. Von Reinaldo Arenas außerdem in der Edition diá: Engelsberg. Roman Aus dem kubanischen Spanisch von Klaus Laabs ISBN 9-783-86034-528-3 Der Palast der blütenweißen Stinktiere. Roman Aus dem kubanischen Spanisch von Monika López ISBN 9-783-86034-529-0 Reise nach Havanna. Roman in drei Reisen Aus dem kubanischen Spanisch von Klaus Laabs ISBN 9-783-86034-519-1 Rosa. Roman in zwei Erzählungen Aus dem kubanischen Spanisch von Klaus Laabs ISBN 9-783-86034-520-7 Reinaldo Arenas, 'einer der ergreifendsten kubanischen Romanschriftsteller des 20. Jahrhunderts' (Jesús Díaz), 1943 im Osten Kubas geboren. Kind der Revolution, von ihr verfemt und verstoßen. 1980 Flucht in die USA, 1990 in New York gestorben. Seine furiosen Memoiren 'Bevor es Nacht wird' - Schelmenroman, éducation sexuelle und politisches Manifest zugleich - wurden zu einem weltweiten Bestseller, der von Julian Schnabel mit Javier Bardem in der Hauptrolle 2000 verfilmt wurde. Sie gehören zu den großen Konfessionen unserer Zeit: eine hymnische Schamlosigkeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 14.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783860345306
    Verlag: Edition día
    Größe: 533 kBytes
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Wahnwitzige Welt

Wir kommen aus dem Ölpalmenhain. Wir kommen nicht aus dem Ölpalmenhain. Ich und die beiden Josefas kommen aus dem Ölpalmenhain. Ich komme allein aus dem Ölpalmenhain, und es ist schon fast Nacht. Hier wird es noch vor Tagesanbruch Nacht. Das ist in ganz Monterrey so - man steht auf, und ehe man sich's versieht, ist es schon wieder dunkel. Da steht man am besten erst gar nicht auf.
Aber jetzt komme ich aus dem Ölpalmenhain, und es ist schon Tag. Und die Sonne brennt, dass die Steine zerbröckeln. Und wenn sie zerbröckelt sind, nehme ich sie und werfe sie meinen zwei gleichen Schwestern an den Kopf. Meinen Schwestern. Meinen Schwestern. Meinen Schwe.
Da lag ich und ruhte mich unter den großen Stacheln aus. Ruhte mich aus, weil ich mit dem Chichasäufer von meinem Lehrer Haschmich und Reißaus gespielt hatte. Der gottverdammte Kerl! Nahm der doch den Quittenholzstock und hieb ihn mir auf dem Buckel zu Bruch, bloß weil ich das "o" mit drei Häkchen schreibe und er meint, es gehört gar keins hin. Verprügelt mich und will hinterher noch, dass ich ihm nicht dasselbe tu, wenn ich seiner plötzlich habhaft werd. "Jetzt sind wir quitt", sagte ich und haute dem Spanierklotz mit dem Stock die Hucke voll. Da fuhr er blitzschnell herum und fiel über mich her. Und ich sauste über sämtliche Schulbänke davon, bis er mich schnappte und niederknien hieß. Aber das dauerte nur Sekunden, denn kaum nahm er mal die Hände von meiner Schulter, schnellte ich wie ein unter Wasser gedrückter Eimer hoch. Da fing die ganze Klasse lauthals zu lachen an. Allerdings hörte das keiner außer mir, der ich Dinge höre, die sonst keiner hört. Ich hörte das Lachen, das nicht zu hören war, weil der Lehrer sonst auch die andern eingesperrt hätte, wie er mich einsperrte. Und zwar auf dem Klo, wo es so stinkt!
Während ich da eingesperrt war, sprang ich hoch, um an das Fenster, das fast bis an die Wolken ging, ranzukommen. Aber nichts zu machen. Ich sprang noch einmal - wieder nichts. Da fing ich an zu brüllen. Und die Tür ging auf. Herein kam der Lehrer mit komischen Federn und krächzend wie ein dämonengesichtiger Geier und wollte mir seinen glühenden Quittenholzstock in den Rachen stoßen, damit ich endlich Ruhe gebe. Darum holte ich so tief Schwung, dass ich fast die Erde berührte, und sprang so hoch in die Luft, dass ich mit dem Kopf die Dachziegel durchstieß, übers Dach noch weiterflog und in der Krone einer Ölpalme, in der Turmfalken nisteten, landete und dort das Weibchen totdrückte, denn der andere, größere Turmfalke wollte mir die Augen aushacken. Und mit dem Turmfalken ringend, stürzte ich ab und ward nur wie durch ein Wunder nicht zerschmettert.

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