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Wandlungen einer Ehe Roman von Márai, Sándor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.12.2012
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Wandlungen einer Ehe

Lüge und Leidenschaft, Sehnsucht und Vergänglichkeit - das neue Meisterwerk von Sándor Márai: ein Herr, eine Dame, ein Dienstmädchen. Das ist das Personal dieses großen Romans um Liebe und Betrug, um wahre und ersehnte Gefühle, um Aufrichtigkeit und Befangenheit in gesellschaftlicher Konvention. Zugleich ist es ein Abgesang auf die großbürgerliche mitteleuropäische Welt. Sándor Márai, 1900 bis 1989, gehörte zu den gefeierten Autoren Europas, bis er 1948 mit seiner Emigration nach Italien und in die USA in Vergessenheit geriet. Mit der Wiederentdeckung des Romans "Die Glut" wurde er 1998 weltweit gelesen und als einer der bedeutendsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts erkannt. Der Niedergang des europäischen Bürgertums zählt zu seinen wichtigsten Motiven.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 10.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492960090
    Verlag: Piper
    Originaltitel: Csutora
    Größe: 2466 kBytes
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Wandlungen einer Ehe

D u, schau dir mal die Frau dort an. Jetzt ist sie an der Drehtür. Die Blonde mit dem runden Hut? ... Nein, die Große mit dem Nerzmantel – ja, die schwarzhaarige große Frau ohne Hut. Jetzt steigt sie in den Wagen. Der untersetzte Mann hält ihr die Tür auf, stimmt's? Vorhin saß sie mit ihm am Ecktisch. Ich habe sie schon beim Hereinkommen gesehen, aber ich wollte nichts sagen. Sie haben uns wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Jetzt, wo sie gegangen sind, kann ich dir ja verraten, daß das der Mann ist, mit dem ich mein peinliches, dummes Duell hatte.

Wegen der Frau?... Ja, natürlich wegen der Frau.

Und doch ist auch das nicht ganz sicher. Ich hatte das Gefühl, ich müsse jemanden umbringen. Vielleicht gar nicht diesen kleinen Untersetzten. Der ging mich nichts an. Aber er war gerade zur Hand.

Ob ich sagen darf, wer die Frau ist? ... Aber sicher, alter Freund. Sie ist meine Frau gewesen. Nicht die erste, sondern die zweite. Wir sind seit drei Jahren geschieden. Seit dem Duell.

Laß uns noch eine Flasche trinken, ja? ... Nach Mitternacht wird dieses Kaffeehaus auf einmal so leer und kalt. Zuletzt war ich als Student hier, zur Karnevalszeit. Damals kamen auch Frauen in diese berühmten Säle, bunte Nachtvögel, schillernd und amüsant. Dann bin ich jahrzehntelang nicht mehr hergekommen. Die Zeit verging, das Lokal ist aufgeputzt worden, auch das Publikum ist heute ein anderes. Jetzt kommt nachts die große Welt hierher ... du weißt ja, die Leute, die man so nennt. Ich ahnte natürlich nicht, daß auch meine Exfrau in diesem Lokal verkehrt.

Das ist ein schöner Wein. So hellgrün wie der Plattensee vor dem Sturm. Prosit.

Ich soll erzählen? ... Wenn du darauf bestehst.

Es ist vielleicht gar nicht schlecht, wenn ich es einmal jemandem erzähle.

Du hast meine erste Frau nicht gekannt? Nein, stimmt, du warst ja damals in Peru, beim Eisenbahnbauen. Du hast Glück gehabt, daß du gleich im ersten Jahr nach dem Diplom in die große wilde Welt hinausgeraten bist. Ich muß gestehen, daß ich dich manchmal beneidet habe. Wenn mich damals die Welt ebenfalls gerufen hätte, wäre ich heute vielleicht ein glücklicherer Mensch. So bin ich dageblieben und habe etwas gehütet ... Eines Tages bin ich müde geworden, und jetzt hüte ich nichts mehr. Was habe ich gehütet? Die Fabrik? Eine Lebensform? Ich weiß nicht recht. Ich hatte einen Freund, Lázár, den Schriftsteller, du kennst ihn nicht? Hast nie von ihm gehört? Glückliches Land, Peru! Ich habe ihn gut gekannt. Eine Zeitlang glaubte ich, er sei mein Freund. Er behauptete immer, ich sei ein Wächter, der Wahrer einer verschwindenden Lebensform, ein Bürger. Deshalb bin ich zu Hause geblieben, meinte er. Aber auch das ist nicht ganz sicher.

Nur die Tatsachen sind sicher, die Wirklichkeit ... unsere Erklärung für die Tatsachen ist hingegen hoffnungslos literarisch. Weißt du, ich bin nicht länger ein großer Freund der Literatur. Eine Zeitlang habe ich viel gelesen, alles, was mir in die Hände kam. Ich fürchte, die schlechte Literatur lügt den Frauen und Männern den Kopf voll mit Pseudogefühlen. Die künstlichen Tragödien der Welt verdanken wir zu einem großen Teil den verlogenen Lehren, wie sie sich in fragwürdigen Büchern finden. Das Selbstmitleid, die sentimentalen Lügen, die künstlichen Verwicklungen sind weitgehend Folgen einer verzerrten, undurchdachten oder einfach dummen Literatur. In der Zeitung wird unter dem Strich der verlogene Roman abgedruckt, auf der zweiten Seite kannst du in den vermischten Nachrichten gleich von den Folgen des Romans lesen,

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