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Was davor geschah Roman. von Mosebach, Martin (eBook)

  • Verlag: Hanser
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Was davor geschah

Es ist eine gefährliche Frage, die bereits den Keim einer Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten? Die beiden sind seit Kurzem ein Paar, und sie stellt ihm jene Frage. Seine Antwort wird zu einem Gespinst aus Wahrheit und Dichtung, einem wahren Lügenpalast, errichtet aus soliden Bausteinen von Wirklichkeit. Auf der Bühne Frankfurts inszeniert Martin Mosebach, mit detektivischer Genauigkeit und meisterhafter Sprachkunst, ein böses Spiel von Liebe und Zufall.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446236257
    Verlag: Hanser
    Größe: 1213kBytes
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Was davor geschah

1.Musikalische Introduktion

"Wie war das...?""Wie war was?""Als es mich noch nicht gab?""Das war, als ich ein halbes Jahr allein in Frankfurt lebte...""Wie war das, als du allein in Frankfurt gelebt hast?""Ach, das war nichts Besonderes, das war so..." Eine Wohnung habe ich schnell gefunden, einfach weil ich die erste beste genommen habe. Nein, nicht die erste beste. Es war buchstäblich die erste, die man mir zeigte, und ich habe sofort zugegriffen, obwohl sie zu teuer für mich war. Das Licht in dem Zimmer, das zur Straße hinausging, hat mich verführt. Keine auffällig schöne Straße, nebenbei. Häuser, kurz vor dem Ersten Weltkrieg gebaut, erstaunlich, daß das billige Bauen, die dünnen Mauern, die mickrigen Proportionen da schon angefangen hatten, obwohl der große Paukenschlag, der die Verwüstung der Städte einleitete, noch gar nicht herniedergedonnert war, er schwebte noch in der Luft über dem Fell, und doch hatten die Bauherren und Architekten das Neue schon gerochen und zogen daraus ihre kapitalvermehrenden Schlüsse. Aber das Licht in dem großen Zimmer, das hatten sie nicht geplant. Das wurde von einer riesenhaften Kastanie hervorgebracht, die auf der anderen Straßenseite stand, so hoch wie die dreistöckigen Häuser, aber von den Lasten ihrer Laubmeere gebeugt, sie wölbte sich über der Fahrbahn und neigte sich meiner Wohnung entgegen, man glaubte, vor dem schmalen Balkon meines Zimmers geradezu in ihre gefächerten hellgrünen Blätter greifen zu können.

Die Kastanie war wie ein gigantischer Schwamm, der das flüssige Sonnenlicht in sich hineinsaugte und auf den sanften Druck des Sommerwindes hin wieder abgab, hellgrün gefärbt wie das Wasser in einem großen alten Glas. Das ganze Fenster war von der wäßrig wogenden Blättermasse ausgefüllt, das Kastanienlaub, unten breit und rund, am Stiel spitz zusammenlaufend und an einem einzigen Punkt aufgehängt, war in stiller Bewegung, das dem Atmen eines Körpers glich. Eines Körpers, der scheinbar voluminös und undurchdringlich war, in Wahrheit aber nur aus Luft bestand und aus den zarten Laubmembranen."Es ist hier allerdings recht dunkel", sagte der Hausmeister, der mir die Wohnung aufgeschlossen hatte. Nein, dunkel war es nicht, sondern dämmrig wie in einer von Sonnenpünktchen gesprenkelten Laube. Gegen Abend - vom geröteten Himmel war freilich nichts zu sehen - vertiefte sich für eine kostbare halbe Stunde das Grün, das frisch Grasige wurde satter, smaragdfarben, und enthielt noch genügend schweres Licht, als das Zimmer schon ganz in die Nacht versunken war. Dies Licht strahlte jetzt aber nicht mehr, sondern wurde körperlich, es blieb im Leib der Krone eingeschlossen, wie das Licht sehr früher Kirchenfenster nur die Glasstücke erglühen läßt, aber die Kapelle nicht ausleuchtet. An meinem ersten Abend in der Wohnung setzte ich mich auf einen Stuhl in der Mitte des Zimmers und sah auf das Fenster wie auf eine Filmleinwand. Ich glaubte, niemals in einem schöneren Zimmer gewesen zu sein.

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