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Was Liebe ist Roman von Woelk, Ulrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.01.2013
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Was Liebe ist

Eine Liebesgeschichte, eine Tragödie

Roland Ziegler ist 36 Jahre alt, Unternehmer und ein kluger, selbstbewusster Mann. Im Herbst 1999 lernt er in Berlin zufällig Zoë kennen, eine etwas jüngere Jazzsängerin. Überraschend begleitet sie ihn auf eine Reise nach Amsterdam, wo sie für Roland zu seiner großen Liebe wird. Die Geschichte seiner eigenen Familie und des Unternehmens aber holt ihn ein: Er wusste zwar, dass sein Unternehmen während des Kriegs Zwangsarbeiter beschäftigte, aber erst jetzt erfährt Roland, dass sich seine Eltern deshalb in den Sechzigerjahren getrennt hatten. Plötzlich steht infrage: Wer ist Zoës Mutter, und wer ist Zoë? Ein Roman, der mit viel Spannung auslotet, wie unsere Geschichte die Gegenwart prägt - und unsere Liebe.

Ulrich Woelk , 1960 geboren, in Köln aufgewachsen, studierte in Tübingen Physik und promovierte 1991 an der TU Berlin, wo er bis 1994 als Astrophysiker tätig war. Literarische Arbeiten seit den 1980er Jahren; "Aspekte"-Literaturpreis für das Debüt "Freigang" (1990). Seither erschienen Romane, Erzählungen, Theaterstücke. Der Roman "Die letzte Vorstellung" wurde mit Heino Ferch und Nadja Uhl für das ZDF verfilmt ("Mord am Meer"). Ulrich Woelk lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 21.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423416092
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 1395 kBytes
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Was Liebe ist

EINS

DAFÜR, DASS ER EPILEPTIKER IST , hat er seinen Weg gemacht. Er ist sechsunddreißig, promovierter Jurist und hält zehn Prozent der Anteile des elektrotechnischen Familienunternehmens, das sein Großvater in den dreißiger Jahren gegründet hat. Auf dem Markt für Großtransformatoren und Starkstrom-Umspannanlagen ist die Firma weltweit mit Erfolg aktiv. Anlagen der Ziegler Group stehen unter anderem in Kanada, Mexiko und Südafrika.

Das sind die Länder, in denen er vor Ort war, was mit seiner Krankheit nicht selbstverständlich ist. Manche Fluggesellschaften verlangen von Epileptikern, dass sie sich vor dem Abflug beim Kabinenpersonal melden. Man möchte während des Flugs keine unliebsamen Überraschungen erleben. Er gibt seine Epilepsie beim Check-in trotzdem nicht mehr an. Durch die Wahl des richtigen Medikaments ist er seit ungefähr zehn Jahren anfallsfrei. In dieser Hinsicht hat er Glück gehabt, denn Anfallsfreiheit wird medikamentös keineswegs bei allen Epileptikern erreicht.

Deswegen beunruhigt ihn das unheilvolle, schwer zu fassende Gefühl, das sich in ihm verdichtet, als er in Berlin vor einem Straßencafé aus dem Taxi steigt. Für Ende Oktober ist es ungewöhnlich warm und schwül. Der Luftzug eines Busses wirbelt ein paar Blätter über den Gehweg. Irgendetwas geschieht in diesem Moment in ihm. Er spürt einen Druck in der Magengegend und eine unbestimmte, in nichts wurzelnde Angst.

Er lockert den Knoten seiner Krawatte, aber diese Geste, mit deren Beiläufigkeit er sich selbst ein wenig beruhigen möchte, bringt keine Erleichterung. Das vage, vom Bauch aufsteigende Gefühl säuerlicher Wärme lässt nicht nach und auch die unbestimmte Angst nicht, so dass er schließlich denkt: Was, wenn es die Vorahnung eines kommenden Anfalls ist?

Die Tür des Cafés steht offen. Hinter dem Panoramafenster zur Straße lesen die Gäste Zeitung oder beschmieren kleine Brötchen mit Marmelade. Es ist Frühstückszeit. Dass in dem Café gelesen wird, wertet er als Beleg dafür, dass es sich bei den Gästen um besonnene, informierte und letztlich intelligente Mitmenschen handelt. Sollte er einen Anfall haben, wäre das sicher ein Vorteil. Von dem zufällig zusammengewürfelten Straßenpublikum in einer Großstadt wie Berlin lässt sich das wahrscheinlich nicht sagen.

Außerdem könnte der Fußboden dort ein Holz- oder Teppichboden sein und also federnd oder sogar weich im Vergleich zu den harten Betonplatten des Gehwegs. Das Café scheint den Schutz zu bieten, den er braucht, falls es wirklich zu einem Anfall kommen sollte. Ihm bleibt nicht viel Zeit, sich zu entscheiden. Oft vergehen nur Sekunden, bis sich aus der Vorahnung eines epileptischen Anfalls - einer Aura - ein Anfall entwickelt.

Er weiß, welche Optionen er hat und was in seinem Körper möglicherweise geschehen wird, aber dass es geschehen könnte, trifft ihn nach zehn Jahren ohne Anfall unvorbereitet und hart. Vielleicht irrt er sich ja. Vielleicht interpretiert er nur die Tatsache fälschlicherweise als Aura, dass der Himmel sich allmählich bewölkt und die Luft drückend wird, so wie es am Morgen in den Radionachrichten, die er im Hotel beim Rasieren gehört hat, angekündigt worden ist.

Das Sicherste wäre es ohne Zweifel, sich sofort hinzulegen, an Ort und Stelle, im Anzug und mit Aktentasche. Auf dem Gehweg liegend könnte er einen Anfall abwarten, ohne durch einen Sturz gefährdet zu sein. Manche Epileptiker, die eine Aura spüren, handeln so. Es ist vernünftig. Die irritierten, befremdeten und vielleicht auch ärgerlichen Blicke von Passanten stören sie nicht. Aber er möchte so nicht mehr angesehen werden. Nicht nach zehn Jahren ohne Anfall. Nicht nachdem er seinen Weg gemacht hat.

Er betritt das Café wie in Trance. Tische, Stühle und der Tresen, an dem Kaffee und Speisen ausgegeben werden, haben nüchterne, funktionelle Formen. Das Licht und die Farben sind warm und freundlich. Er setzt sich auf den erste

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