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Waterloo liegt in Belgien Ein Reisebuch von Lewin, Waldtraut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2017
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Waterloo liegt in Belgien

Belgien? Ein paar Städtenamen, Brüssel, Bruxelles - Zweisprachigkeit. Hauptquartier der Nato, vielleicht noch Manneken Pis ... Wie ist dieses Land wirklich? Zwei Monate lang ist Waldtraut Lewin in Belgien gewesen. Sie wohnt in Brüssel, besucht die Städte Brügge und Leuven, Gent und Toumai, Ostende und Antwerpen, besichtigt die Burg Gottfrieds von Bouillon. Sie schildert ihre Eindrücke von berühmten Gemälden in reich ausgestatteten Museen und ist dem Ursprung des Jugendstils auf der Spur. Und sie lernt die Belgier kennen, Flamen und Wallonen, deren Auseinandersetzungen bis weit in die Historie reichen. Bei der Begegnung mit Künstlern und Studenten, mit Leuten verschiedener Schichten beeindruckt sie der Friedenswille in einem Land, das über Jahrhunderte Schlachtfeld Europas war. So macht sie sich auch auf den Weg nach Waterloo. Doch je näher sie dem Ziel kommt, desto enttäuschter ist sie: "... die Büste Napoleons in jedem Trödelladen an der Straße, in weißem Marmor, die Locke unterm Dreispitz hervorkriechend ... Ich stand kurz vor Waterloo. Ich bin umgekehrt." geboren in Wernigerode (Harz), Studium der Germanistik, Latein und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin (Ost) sowie der Freien Universität Berlin (West). 1961 bis 1973 Dramaturgin am Landestheater Halle im Team von Generalmusikdirektor Horst-Tanu Margraf, Regisseur Heinz Rückert und Bühnenbildner Rudolf Heinrich. In dieser Zeit Bühnenfassungen und Übersetzungen von 16 Händel-Opern aus dem Italienischen. 1973 bis 1977 Dramaturgin und Opernregisseurin am Volkstheater Rostock. Erster Roman "Herr Lucius und sein schwarzer Schwan", erschienen 1973 beim Verlag Neues Leben, Berlin. Seit 1977 freiberuflich. Seitdem ca. 60 veröffentlichte Buch-Titel, darunter 12 gemeinsam mit Tochter Miriam Margraf, über 20 Hörspiele für Kinder und Erwachsene, Reisebücher, Filmdrehbücher, Libretti für zwei Rockopern, Publikationen in Zeitschriften, Anthologien, Periodika, Rezensionen und Feuilletons in Tageszeitungen. Waldtraut Lewin ist am 20. Mai 2017 in Berlin verstorben. Auszeichnungen 1970 Händelpreis der Stadt Halle 1978 Lion-Feuchtwanger-Preis der Akademie der Künste der DDR 1988 Nationalpreis der DDR

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 156
    Erscheinungsdatum: 10.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956558221
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 388 kBytes
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Waterloo liegt in Belgien

Um mir anzusehen, was nun Gottfried eigentlich aufgegeben hat, fahre ich los. Die belgische Eisenbahn ist eine famose Institution. Was sie alles an Ermäßigungen und Vergünstigungen anbietet, ist kaum überschaubar - nun ja, man muss sich über Wasser halten. Ich jedenfalls bekomme aus einem Grund, an den ich mich nicht mehr erinnern kann, auf jede Fahrt fünfzig Prozent Ermäßigung und nutze das weidlich aus. Man kann mit seiner Fahrkarte alle Züge benutzen, gleich ob Expresszug oder sogenannten "Omnibus", was bedeutet, dass auf jeder Station gehalten wird. Im Zug gibt es einen Verkäufer von Getränken und Sandwiches, der mit seinem kleinen Wagen durch alle Abteile fährt. Das ist alles wunderschön, aber das aufregendste ist ja doch, wie oft man wohin fahren kann. Niemand in Belgien kommt auf die Idee, vorher auf dem Fahrplan einen Zug herauszusuchen. Man geht einfach auf den Bahnhof und fährt. Die durchschnittliche Zugdichte zwischen den großen Städten des Landes, etwa Gent, Antwerpen, Lüttich, Leuven, Brügge, Brüssel ist zwanzig Minuten. Allerdings gibt es auch ganz entfernt liegende Orte, zum Beispiel Tournai, wohin man relativ selten gelangt: Da verkehrt nur jede Stunde ein Zug! Das dichte Eisenbahnnetz verdankt Belgien dem wirtschaftlichen Aufschwung der Jahrhundertwende. Aber die Medaille hat natürlich auch ihre Kehrseite: die Société Nationale des Chemins de Feres Belges ist bis über die Ohren verschuldet. Einsparungen sind geplant, man will die Zugdichte verringern, und vor allem wird natürlich erst mal im Hinblick auf die Angestellten "gesundgeschrumpft" - was sich niemand gefallen lassen will. Während meiner Anwesenheit gab es mehrere Eisenbahnerstreiks, die dann allerdings nicht so rigoros ausfielen, wie ich das erwartet hatte. Internationale Züge wurden generell abgefertigt, und auch der Gesamtverkehr litt weit weniger, als man annehmen konnte. So alle halbe Stunde ging schon mal die Bahn in Richtungen, wo sie sonst alle zehn Minuten verkehrte. Das für die Belgier Unerträgliche war vor allem, dass die Verspätungen nicht angekündigt wurden (was sonst prompt erfolgte, und zwar bis auf die halbe Minute genau) und dass man im Zug nicht kontrolliert wurde. Das gab sonst immer Anlass zu einem Schwätzchen mit den Kontrolleuren. Je weiter mich die Bahn nach Süden trägt, desto heiterer wird die Landschaft. Hinter Namur lasse ich den flachen Norden zurück. Immer mehr Bereitschaft zur Caprice da draußen, Versteckspiel von Dörfern zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal, liebliche Hügel, erste Felsen, Tannen, noch mehr Tannen und andere Bäume in Ansammlung, ja, bald verdienen sie den Namen Wald in diesem waldarmen Land - ich atme auf. Der Tag ist wie Seide. Über Ciney und Jemelle bringt mich der Zug nach Libramont, und von da geht's mit dem Bus weiter ins Ardennenland hinein. Was das Auge des Touristen entzückt, hat den Herzog von Bouillon damals zur Ausreise getrieben: Wälder, die wenig hergeben außer ein bisschen Jagdbeute, karge Äcker, von denen man nicht satt wird. Kohle und Erz, die Voraussetzungen für die kunstreichen Waffenschmieden, gab's weiter östlich, und wehrhafte Nachbarn saßen da. Ein armes Land ist das, auf diese Weise allerdings geschützt vor Beutegierigen, ein stilles Refugium in Kriegen. Doch Sedan liegt nur ein paar Kilometer weit von hier ... Mit einem Ensemble ritterlicher Embleme, Schild, Helm und Harnisch, setzt die Werbung für Bouillon ein am Straßenrand - auch wieder kein Suppentopf dabei. Ach ja, also mit dieser Brühe soll das so gewesen sein: Bei der Belagerung von Jerusalem traten Versorgungsschwierigkeiten auf, so was kommt ja vor. Als man den letzten Ochsen geschlachtet hatte und rein gar nicht mehr wusste, was man außer dem Sattelzeug kochen sollte, ordnete Gottfried an, alle Knochen und Abfälle, die da noch rumlagen, in einen großen Kessel zu werfen und einen Tag lang durchzukochen. Der so entstandene Absud flößte den müden Gliedern der Streiter fü

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