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Wechselbad und Scherbenhaufen von Buchheim, Sonja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.07.2020
  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Wechselbad und Scherbenhaufen

Vier Freundinnen in den Vierzigern erleben ein Wechselbad der Gefühle: Friseurin Ruth ist entsetzt, was sie im Computer ihres scheinbar doch nicht so treuen Ehemannes Jens findet. Ihre Freundin Maren hadert mit ihrer eingeschlafenen Ehe, Salatgurken und der Anziehung eines Fahrlehrers. Lisa wird von ihrer großen Liebe geghostet und rächt sich. Und die übergewichtige Influencerin Silke verkraftet es nur schlecht, dass ihr Freund Florian ständig angebaggert wird. Leider passiert ihr auch noch ein lustiges Missgeschick nach dem anderen. Selbst im Urlaub in Dänemark wird ihr keine Ruhe gegönnt. Das bisher beschauliche Leben der Freundinnen droht, zu einem Scherbenhaufen zu zerfallen.

Sonja Buchheim schreibt unter verschiedenen Pseudonymen seit 2005 Romane in mehreren Genres.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 677
    Erscheinungsdatum: 17.07.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783752905472
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 1012 kBytes
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Wechselbad und Scherbenhaufen

Ruth: Schlank

"Guten Mor... Mein Gott, was ist denn mit Ihnen passiert?", rief Frau Hagebusch und schlug beide Hände über dem Kopf zusammen, auf dem es unordentlich in alle Richtungen spross. Deshalb war sie ja hier.

"Sie waren schon länger nicht mehr bei mir, oder?", entgegnete ich leicht ironisch, obwohl ich die Reaktionen noch immer genoss, wenn mich jemand in den letzten sechsunddreißig Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte.

"Fast vier Jahre", gab sie zu. "Was haben Sie bloß gemacht, Frau Eberharth?"

"Diät jedenfalls nicht", erwiderte ich und machte eine einladende Handbewegung zum Friseurstuhl hin. Frau Hagebusch setzte sich, wirkte aber noch immer stark verunsichert. Im Spiegel starrte sie erst sich selbst an, dann nur noch mich.

"Keine Diät? Dann verraten Sie mir bitte Ihr Geheimnis! Sie sehen so gut aus, so schlank ... und so schick mit den kurzen Haaren und die Farbe ... solche Strähnchen möchte ich bitte auch!"

Ich seufzte innerlich, als ich ihr den Umhang umlegte.

"Davon würde ich Ihnen abraten. Das Rot passt nicht zu Ihnen. Außerdem habe ich es zu den restlichen, schwarz gefärbten Haaren gewählt, das ist ein schöner Kontrast."

"Es ist aber ein schönes Rot, nicht zu knallig. Eher dunkel", murrte sie.

"Glauben Sie mir, zu Ihrem Teint passt es nicht. Aber ich mache Ihnen einen besseren Vorschlag. Ich schneide Ihnen die Haare ungefähr schulterlang." Ich zog ihren Dschungel ein wenig in die Höhe.

"Dann stufe alles schön durch und setze ein paar Highlights. Glauben Sie mir, Ihr Mann wird Augen machen!"

Rote Strähnen zu mittelblondem Haar? Manche kamen auf komische Ideen.

"Na gut, Sie kennen sich besser aus. Hat Ihr Mann denn auch Augen gemacht?", forschte sie.

"Wegen der Gewichtsabnahme?", fragte ich und zog den Stuhl zum Waschbecken herüber. Sie nickte und legte ihren Kopf in die Aussparung. Ich überprüfte die Wassertemperatur und befeuchtete ihr Haar.

"Na ja, es ging ja nicht von heute auf morgen. Ich habe mir Zeit gelassen, auch mal gesündigt und viel mit Bewegung erreicht. Ich halte nichts davon, sich ständig zu kasteien. Das vergrößert nur den Appetit und verschlechtert die Laune."

Ich massierte große Mengen Shampoo in ihr nasses Haar. Sie schloss genießerisch die Augen.

"Das schon, aber als Sie Ihr Gewicht erreicht hatten, und dann die Haare so toll gemacht ... er muss ja geglaubt haben, er hätte eine ganz neue Frau!"

Ich überlegte kurz, was ich ihr antworten konnte. Ich begnügte mich schließlich mit einem höflichen Lachen.

"Ja, da haben Sie recht".

Während ich ihr Haar schnitt und über meine Ernährungsumstellung schwatzte, gingen meine Gedanken auf Wanderschaft.


Als Jens und ich uns kennenlernten, war ich dick. Nicht nur dick; mein Hausarzt nahm kein Blatt vor den Mund. Er bemängelte meine Fettleibigkeit und dass ich nichts dagegen tat.

"Sie sind doch noch so jung. Sie muten Ihrem Körper viel zu viel zu." Da hatte er Recht. Ich war seit meiner Pubertät immer dicker geworden und ich hatte es zugelassen.

Meine Mutter kochte gut, und abends holte mein Vater die Pralinen aus dem Schrank oder eine Currywurst mit Pommes von der Imbissbude, wenn meine Mutter streikte. Gemeinerweise blieb er bis zu seinem Tod immer schlank.

Mit dem Essen kompensierte ich die Stille zu Hause.

Meine Eltern hatten außer der Adresse nicht mehr viel gemein. Manchmal stritten sie sich, nicht laut, aber verbittert. Es tat weh. Ich fraß alles in mich hinein, leider buchstäblich.

Auf der Kirmes lernte ich dann Jens kennen. Ich war schon siebzehn und vorsichtig; gerne kamen Jungs zu mir und meinen Freundinnen, um mich zu veräppeln. Andere ignorierten mich ganz betont und machten sich an meine Freundinnen heran. Sie konnten zu mir nicht einmal Hallo sagen, ich war es nicht wert.

Wieder andere behandelten mich verächtlich

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