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Wege durch die Finsternis von Binder, Siegfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Wege durch die Finsternis

Man sieht nicht Angst, Verzweiflung, Hass, aber auch nicht Glaube, Treue, Liebe. Und doch wird unser Leben davon bestimmt. Das Unglück individuellen und schicksalhaften Scheiterns durch islamistische, sexistische und neurotische Lebensorientierung, aber auch gelungene Selbstfindung, wird in acht Erzählungen dem Leser rational und emotional aufrüttelnd nahegebracht. Siegfried Binder studierte in Leipzig Jura, in Tübingen und Freiburg i.Br. Psychologie und Philosophie. Vor seiner Pensionierung war er als Bereichsleiter für Psychotherapie in der LWL-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lippstadt tätig. Seit 1968 ist er bei Gerichten in Strafprozessen als psychologischer Sachverständiger tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 168
    Erscheinungsdatum: 30.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741246708
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 364 kBytes
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Wege durch die Finsternis

Der Sprung ins Leben

Alla legt das Buch auf das Nachttischchen und klopft sich das Kopfkissen zurecht. Sie streckt sich rücklings ins Bett, zieht die Bettdecke über sich und schaut Gedanken verloren auf die weiß getünchte Decke. Eine Spinne mit riesigem Vorder- und Hinterleib, acht Laufbeinen, zwei Giftklauen und gefräßigem Maul fixiert sie mit ihren Punkteaugen. Alla will aus dem Bett springen, doch der starre Blick des Ungeheuers lähmt sie. Sie ist keiner Bewegung und keines Gedanken fähig, sie ist wehrlos und durchflutet von Todesfurcht. Sie sieht, wie das Monstrum an Stricken sich langsam zu ihr niederläßt, den Todesrüssel nach vorne schiebt und das mörderische Gebiss bereits halb geöffnet hat. Es beginnt, Fäden zu ziehen und einen Zauberkreis um sie zu knüpfen, der ihr ein Entkommen unmöglich macht. Die Bestie kommt näher, behutsam und umsichtig, wächst zu einer unnatürlichen Größe an und fährt ihren Giftstachel aus. Alla will in ihrer Todesnot schreien, aber der Schrei erstickt in ihrer Brust. Sie spürt, wie der Dorn des Monstrums ihre Haut durchdringt. Sie hält den Atem an. Ein warmer Strom breitet sich in ihrem Körper aus. Ihr letzter Gedanke ist, das ist mein Ende. Sie wundert sich, wie wohlig doch das Sterben ist. Dann verliert sie das Bewusstsein.

Der neue Tag begrüßt sie mit Sonnenlicht und sommerlicher Frische. Sie nimmt es nicht wahr und kann mit dem farbigen Morgen nichts beginnen. Ihr scheint, dass die Szene vor ein paar Stunden sich nie ereignet hat. Was war in der Nacht geschehen? War es ein Traum, eine Fiktion, ein Nachtgespinst? Im Spiegel entdeckt sie bei sich keine Einstichstellen und ist sich doch sicher, überwältigt worden zu sein. Verstört nimmt sie das Frühstück ein und hastet zum Institut für Raumfahrttechnik, in dem sie als Forschungsingenieurin tätig ist. Hier in Samara ist die Sojus- Rakete entwickelt worden. Das Institut gilt als führend in der Entwicklung von Weltraum Trägerraketen.

Alla ist deutschstämmig. Ihr Vater wurde nach dem Ende des zweiten Weltkriegs von der Roten Armee von Peenemünde nach Samara verschleppt, um hier als Spezialist für Trägerraketen die Raketentechnik der Sowjetunion voran zu treiben. In Peenemünde hatte er an der Entwicklung der V-Raketen mitgewirkt. Ihm und seiner Frau mangelte es in der Sowjetunion an nichts. Dem Ehepaar war ein kleines Wohnhaus zugewiesen worden und sie genossen alle Privilegien der sowjetischen Führungskaste. Alla, liebevoll Aljoscha gerufen, wurde hier geboren, besuchte hier den Kindergarten und die Schule und beendete ihr Studium an der Technischen Universität. Ihre Eltern wohnten am rechten, hügeligen Ufer der Wolga. Sie hatte sich nach dem Studium eine kleine Zweizimmerwohnung in der Altstadt von Samara gemietet, um ihren eigenen Lebensstil leben zu können.

Die Eltern, konservativ und in Treue sich ergeben, waren über die Jahre zusammen gewachsen und glauben, auch nach dem Tode auf ewig vereint zu sein. Aljoscha versteht sich dagegen als frei geboren und will Liebe nur für kurze Zeit. Die Familie Bergner hofft, eines Tages nach Deutschland ausreisen zu dürfen. Die Ausreisegenehmigung ist ihnen wiederholt abgelehnt worden, weil sowohl Vater als auch Tochter als Geheimnisträger gelten. Im Schatten ihrer Wirklichkeit stehend, überhöhen und idealisieren sie das ferne deutsche Vaterland.

Voll von Wirrnis und Beklommenheit hastet Alla in eine abgelegene Straße von Samara. Dort gibt es eine Alte, die Träume deutet, die Zukunft prophezeit und das Schicksal sogar wenden kann, wie die Leute glauben. Alla hat sie schon öfter aufgesucht. Obwohl Physikerin und wissenschaftlich ausgebildet, glaubt sie an Kräfte, die unser Weltgeschehen bestimmen und doch so unbekannt sind, wie einst die Elektrizität. Die Enge der offiziellen Wissenschaft bedrückt sie, die Parawissenschaften faszinieren sie, Religion interpretiert sie als Morphium für das Volk.

Die Fee, so nennt man die Hellseherin au

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