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Wellenglitzern Ein Ostsee-Roman von Merburg, Marie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Wellenglitzern

EIN ZWEIWÖCHIGER SEGELKURS, EIN ATTRAKTIVER SEGELLEHRER UND EINE HELDIN MIT SO VIEL TALENT FÜRS SEGELN WIE EINE MÖWE FÜRS WALKEN ...

Frisch getrennt kommt Sophie nach Rügen, um sich einen Traum zu erfüllen: Segeln lernen. Doch mit dem ruhigen Inselleben ist es nicht weit her. Zum einen verlangt ihr Noch-Ehemann telefonisch Erklärungen, wo er seine Lieblingsleberwurst herbekommt, zum anderen geht es im Familienleben ihrer Pensionswirte drunter und drüber. Und dann ist da ja auch noch der Segelkurs, der unter dem Motto 'Allein unter Männern' stehen könnte. So beginnt ein turbulenter Urlaub, der schließlich alles verändern wird ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 430
    Erscheinungsdatum: 16.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732530946
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 1400kBytes
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Wellenglitzern

1. Kapitel

Es war schrecklich, einfach schrecklich.

Vor mir lag die pure Idylle: Ein romantisches Bauernhaus mit Reetdach und weißen Sprossenfenstern, die Vögel zwitscherten, Rosensträucher und Sanddorn rahmten den Garten ein. In Kübeln neben dem Kiesweg zur Haustür blühten Margeriten und Hortensien, ein Windspiel gab glöckchenartige Töne von sich, und im Licht der Abendsonne lud ein blau-weiß gestreifter Strandkorb zum Ausruhen ein. Eine geschnitzte Holztafel neben dem Gartenzaun hieß mich herzlich willkommen in der Pension 'Meeresruh'.

Ich fuhr über meine geschwollenen Augenlider, putzte mir die Nase und zupfte meine widerspenstigen Haare zurecht. Es änderte nichts - ich war hier so fehl am Platz wie ein Furunkel an Heidi Klums Hintern. Ein verheulter Trauerkloß inmitten dieses wundervollen Paradieses. Irgendwie fühlte ich mich durch die schöne Umgebung nur noch schlechter. Ich schniefte.

Der Taxifahrer, der mich vom Bahnhof zur Pension gefahren hatte, warf mir einen mitleidigen Blick zu und tätschelte meine Schulter.

"Wird schon wieder!", murmelte er.

Da ihm während der Fahrt kein einziges Wort über die Lippen gekommen war, wandte ich mich überrascht zu ihm um. Es musste schlimm um mich stehen, wenn selbst ein zurückhaltender Inselbewohner sich zu einer Äußerung des Mitgefühls hinreißen ließ.

"Danke!", erwiderte ich hastig, doch er war schon wieder eingestiegen und fuhr davon.

Da stand ich nun mutterseelenallein mit meinem Koffer im hübschen Vorgarten einer Pension in Glowe, einem Dorf im nordöstlichen Zipfel der Insel Rügen. Mein Leben lag zerstört hinter mir, und meinen Kater Prinz Charles hatte ich in der Obhut meines Mannes dem sicheren Tod überlassen. Ich war ein schreckliches Frauchen, ach was, ein schrecklicher Mensch, durch und durch egoistisch, herzlos, unberechenbar und ...

Mein Handy klingelte, und ich zuckte erschrocken zusammen. Eigentlich hatte ich gehofft, die Errungenschaften der modernen Technik wären noch nicht bis in dieses entlegene Dörfchen vorgedrungen, aber mein Handy zeigte einwandfreien Netzkontakt an. Das hatte zwar den Vorteil, dass ich meine depressive Stimmung notfalls mit wahllosem Internetshopping verbessern konnte, doch wenn ich für alle erreichbar war, würde mein Versuch, vor allen Problemen zu fliehen, sehr viel schwieriger werden.

Meine beste Freundin Annika hielt sich gar nicht erst mit einer Begrüßung auf. "Sophie, ich wette, dass du dich gerade im Selbsthass suhlst und dir einredest, du wärst der schlechteste Mensch, den die Welt je gesehen hat, stimmt's?", fragte sie in besserwisserischem Tonfall. "Und als wäre das noch nicht schlimm genug, bist du vermutlich immer noch gänzlich ungeschminkt und hast zwei verschiedene Paar Socken an."

Ich kontrollierte schnell meine Socken. Verflixt, Annika hatte tatsächlich recht!

"Lässt du mich etwa durch einen Privatdetektiv überwachen?"

Ich blickte mich unwillkürlich nach allen Seiten um. Annika traute ich alles zu. Was Verrücktheiten anbelangte, konnte ihr keiner das Wasser reichen.

"Ich weiß, wie du in sämtlichen Lebenslagen aussiehst, Schatz! Schließlich kennen wir uns seit fast vierzig Jahren", erinnerte sie mich. "Außerdem warst du heute Morgen, als ich dich zum Bahnhof gefahren habe, schon völlig durch den Wind."

Stimmt, das hatte ich ganz vergessen. Das erklärte immerhin ihr Wissen über meine missglückte Socken-Auswahl.

"Im Moment bist du ein Bild des Jammers mit fahlem Teint, rotgeweinten Glubschaugen, und deine Haare stehen vor lauter Schock über deine mutige Tat in alle Richtungen ab."

Ich seufzte gequält auf und stapfte mit dem Handy am Ohr auf die Eingangstür der Pension zu, wobei ich meinen Rollkoffer über den Kiesweg zerrte, was die beschauliche Ruhe rund um die Pension 'Meeresruh' unangenehm störte.

"Du findest das, was ich getan habe, mutig? Momentan halte ich es eher für überstürzt, total verr

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