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Wendepunkte von Bischof, Katrin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Wendepunkte

"Wendepunkte": Jeder von uns hat sie schon erlebt - scheinbar ganz undramatische Situationen, in denen plötzlich nichts mehr so ist wie vorher. Die Beziehungen schlagartig und für immer verändern und den Beteiligten mehr über sich selbst und ihre Grenzen verraten, als ihnen vielleicht lieb ist. Die zehn in diesem Band enthaltenen Erzählungen handeln von eben diesen "Wendepunkten". Mit scharfem Blick eröffnet die Autorin Einblicke in das Innenleben ihrer Figuren und legt dabei so manche Untiefe bloß. Manchmal komisch bis skurril, dann wieder rührend und sogar tragisch - Freunde intelligenter Unterhaltung werden bei diesen Erzählungen voll auf ihre Kosten kommen.

Katrin Bischof, geboren 1971 in Stade, lebt heute in den Niederlanden. Sie studierte Germanistik und Slawistik an der Universität Kiel. Nach einigen Jahren als Fremdsprachensekretärin folgte ein weiteres Studium der "Internationalen Fachkommunikation" an der Universität Hildesheim. Seit Dezember 2008 ist Katrin Bischof als freiberufliche Fachübersetzerin tätig. Ihr erster Roman "Der Enklavenmann" erschien 2014.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 188
    Erscheinungsdatum: 12.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741235832
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 193 kBytes
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Wendepunkte

Das Leben ist einfach geil

"Das Leben ist einfach geil", stellt Ilona fest. "Findest du nicht auch?"

Ilona hat mich zum Essen beim Italiener eingeladen, aus Anlass meiner bestandenen Probezeit. Es ist ein lauer Maiabend, und wir haben uns nach draußen an den Tisch unter der breitgefächerten Topfpalme gesetzt. Eben gerade hat sie mir angeboten, ab jetzt Ilona und du zu ihr zu sagen.

Da sitzt sie, schmal, man sieht ihr die frühere Leichtathletin noch an, mit erdbeerblondem Haar, milchig-makelloser Haut und einigen wenigen, neckisch dahingetupften Sommersprossen auf dem spitzen, feinen Näschen. Sie lehnt sich mit genüsslichem Seufzen zurück und legt die Hand auf ihren Babybauch, der sich unter der silbergrauen, weich fließenden Bluse mit den Glockenärmeln und dem gerade eben nicht zu tiefen V-Ausschnitt dezent wölbt. Sie ist eine elegante Schwangere, selbst im siebten Monat noch.

Das Leben ist also einfach geil. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie diese fünf Worte dahinwirft, stürzt mich in eine kleine Betretenheitskrise. So etwas hätte ich nicht einmal als Siebzehnjährige gesagt, geschweige denn gedacht, als ich noch gar keine Ahnung davon hatte, wie sich Enttäuschung eigentlich anfühlt.

"Es hat so seine Momente ... in denen man zumindest das Gefühl hat, dass alles so, wie es ist, schon irgendwie seine Richtigkeit hat", sage ich zögernd und knete an meiner Papierserviette herum. Gerade jetzt kommt mir das erbärmlich wenig vor. Geil ist was anderes.

"Ach komm." Ilona prustet belustigt. "Mehr erwartest du nicht?"

"Wer so viel Glück hat wie du, hat gut reden", wende ich ein.

Bei Ilona scheint alles so einschüchternd perfekt. Sie ist erfolgreich als selbständige Grafikdesignerin, sie hat vor acht Jahren ihren Traummann kennengelernt - schon bei der ersten Begegnung wusste sie, dass er der Richtige war -, und nun ist das Wunschkind unterwegs, das gleich im ersten Anlauf per künstlicher Befruchtung gezeugt wurde. Dass es makellos sein wird, steht außer Zweifel. Ilona hat selbstverständlich alle Untersuchungen machen lassen, die bei Erstgebärenden über fünfunddreißig angeraten werden; sie nimmt nur noch Biokost zu sich und ruht regelmäßig; sie macht die empfohlene Gymnastik; sie liest alle Fachbücher, derer sie habhaft werden kann. Bisher verläuft die Schwangerschaft prächtig.

Und außerdem ist Ilona dazu auch noch die einzige gutaussehende Rothaarige, die ich kenne.

"Das hat nichts mit Glück zu tun." Sie lächelt triumphierend. "Das ist eine Einstellungssache. Man bekommt das, womit man sich zufrieden gibt."

"Also, ich wäre schon sehr zufrieden, wenn ich ein Kind hätte." Ich versuche, scherzhaft zu klingen. "Aber das allein reicht offensichtlich nicht, damit sich eines einstellt."

"Ach, hast ja noch Zeit", sagt sie und pickt sich den letzten Champignon von der Antipasti-Platte. "Bevor ich sechsunddreißig war, hatte ich überhaupt keinen Bock auf Kinder."

Martin und sie, erzählt sie, hätten nie zu denjenigen gehört, die nur deswegen ein Kind bekommen, weil man das nun mal so macht. Sie hätten sich rundum komplett gefühlt, auch zu zweit, nicht defizitär. Aber dann habe sie sich irgendwann gedacht, dass ein Kind das sei, was in ihrem erfüllten Leben noch fehlte, nach der beruflichen Selbstverwirklichung und der großen Liebe und all den Reisen nach Australien und Vietnam und Südafrika. Als Tüpfelchen auf dem i sozusagen. Das große, ultimative Abenteuer.

Mein Leben ist ebenfalls erfüllt, allerdings vor allem von dem Bewusstsein, dass es genau so, wie es ist, gerade nicht weitergehen darf, jedenfalls nicht mehr allzu lange. Ich bin nur drei Jahre jünger als Ilona, aber alles, was bei ihr perfekt ist, ist bei mir prekär. Ich bin Berufsanfängerin mit sehr wackligem Status, bisher nichts weiter als eine Schwangerschaftsvertretung mit Halbtagsstelle und auf ein Jahr befristetem Vertrag. Ein fester Partn

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