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Wenn's weiter nichts ist Roman von Pearson, Allison (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2018
  • Verlag: Wunderraum
eBook (ePUB)
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Wenn's weiter nichts ist

Kate Reddy steht vor ihrem 50. Geburtstag und fragt sich, wo ihr Leben geblieben ist. Dabei ist das Alter längst nicht ihre einzige Sorge: Kate plagt sich mit zwei Teenagern, kümmert sich um kränkelnde Schwiegereltern und eine Mutter, die zunehmend auf Hilfe angewiesen ist. Und sie sucht den Wiedereinstieg ins Berufsleben, da ihr Mann beschlossen hat, dem Hamsterrad ade zu sagen und die Kunst der Achtsamkeit zu erlernen. Als sich dann auch noch eine verflossene Liebe bei Kate meldet, wird es kompliziert ... Weitere berührende Wunderraum-Geschichten finden Sie in unserem kostenlosen aktuellen Leseproben-E-Book "Einkuscheln und loslesen - Bücher für kurze Tage und lange Nächte" Allison Pearson ist Journalistin und Autorin. In ihrer Heimat England wurde sie durch Zeitungskolumnen bekannt, bevor ihr der internationale Durchbruch als Autorin mit dem Roman "Working Mum" gelang. Der Bestseller wurde mit Sarah Jessica Parker und Pierce Brosnan verfilmt. Aufgrund ihres scharfsinnigen Witzes wird Allison Pearson als "die neue Nora Ephron" gefeiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 16.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641184124
    Verlag: Wunderraum
    Originaltitel: How Hard Can It Be?
    Größe: 2059 kBytes
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Wenn's weiter nichts ist

2

Abgetakelt

An dem Morgen, nachdem ihr Hintern viral gegangen war, habe ich Emily zur Schule geschickt. Das mag man falsch finden. Möglicherweise bin ich sogar derselben Meinung. Sie wollte nicht, sie hat mich angefleht, brachte jeden erdenklichen Grund unter der Sonne vor, wieso es besser wäre, wenn sie zu Hause bei Lenny bliebe und "Hausaufgaben" nachholte (um eine Folge Girls nach der anderen zu gucken, ich bin doch nicht blöd). Sie bot sogar an, ihr Zimmer aufzuräumen - ein deutliches Zeichen von Verzweiflung -, aber es schien mir eine dieser Situationen zu sein, in denen man beharrlich bleiben und darauf bestehen muss, dass das Kind tut, was ihm am schwersten fällt. Steig wieder in den Sattel - ist das nicht der Spruch, den unsere Elterngeneration immer brachte, bevor es gesellschaftlich inakzeptabel wurde, sein Kind zu etwas zu zwingen, was es nicht wollte?

Ich sagte mir, es wäre besser für Em, den Spießrutenlauf derber Scherze und höhnischen Geflüsters in den Schulfluren zu ertragen, als krank zu spielen und ihre Ängste zu Hause unter der Bettdecke zu verstecken. Genau wie damals, als die siebenjährige Emily im Park vom Fahrrad fiel und in der blutigen Schürfung an ihrem Knie kleine, spitze Steinchen steckten, die ich aus der Wunde lutschte. Danach bestand ich darauf, dass sie wieder aufstieg, damit die instinktive Aversion, etwas zu versuchen, bei dem sie sich eben verletzt hatte, nicht zu einer unüberwindbaren Angst heranwuchs.

"NEIN, Daddy, NEIN!", schrie sie, flehte über meinen Kopf hinweg Richard an, der damals bereits die Rolle des weicheren, empathischeren Elternteils angenommen und mir den Part überlassen hatte, Manieren, Bettzeiten und grünes Gemüse durchzusetzen - langweiliges Zeug, mit dem nette, kitzlige Daddys nicht behelligt werden wollen. Ich hasste Richard dafür, dass er mich dazu nötigte, eine Art von Mensch zu werden, der ich nie sein wollte. Unter anderen Umständen hätte ich viel Geld dafür bezahlt, diese Lage zu meiden. Doch die elterlichen Rollen, die sich schon ausbilden, wenn die Kinder noch ganz klein sind, verfestigen sich, ohne dass man es merkt, bis man eines Tages aufwacht und die Maske der herrischen Nörglerin nicht länger nur trägt. Die Maske hat sich ins Gesicht gefressen.

Wenn ich es recht bedenke, lässt sich vermutlich alles, was mit der modernen Zivilisation falsch gelaufen ist, auf den Moment zurückführen, in dem Kindererziehung ein Vollzeitjob wurde, zusätzlich zu dem anderen Job, mit dem man Hypotheken und Rechnungen bezahlt. Manchmal denke ich, ich wäre gern zu einer Zeit Mutter gewesen, als Eltern noch Erwachsene waren, die egoistisch ihr eigenes Leben weiterführten und abends Cocktails tranken, während sich die Kinder bemühten, zu gefallen und sich einzufügen. Bis ich an der Reihe war, hatte sich die Situation umgekehrt. Hat diese unüberschaubare Armee von Männern und Frauen, die ihr Dasein der Rundum-Bespaßung und Stimulierung ihrer Sprösslinge widmet, der jüngeren Generation ungeahntes Glück beschert? Nun, wer Zeitung liest, kann sich selbst ein Bild davon machen. Aber so war es bei uns, bei Emily und mir, bei Richard und Ben, und ich kann nur davon berichten, wie es sich anfühlt, mittendrin zu stecken. Künftige Generationen werden ihr Urteil darüber fällen, ob moderne Kindererziehung eine Wissenschaft oder eine fürchterliche Neurose ist, mit der eine Lücke gefüllt werden soll, die einmal der Religion gehört hat.

Ja, ich habe an diesem Tag darauf bestanden, dass Emily zur Schule ging, und kam fast zu spät zu meinem Bewerbungsgespräch, weil ich sie hinfuhr, statt sie mit dem Rad fahren zu lassen. Ich weiß noch, wie sie durch das Tor ging, Kopf und Schultern eingezogen, als stemmte sie sich gegen einen Sturm, obwohl es absolut windstill war. Sie wandte sich kurz um und winkte mir tapfer zu, und ich habe zurückgewunken und die Daumen hochgehalten, obwohl sich mein Herz anfühlte wie eine

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