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Wenn der Wind singt; Pinball 1973 Zwei Romane. von Murakami, Haruki (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.05.2015
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Wenn der Wind singt; Pinball 1973

Wenn der Wind singt Pinball 1973 Wilde Schafsjagd

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 20.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832188504
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Serie: Trilogie der Ratte Bd.1-2
    Übersetzt von: Übersetzung: Gräfe, Ursula
    Originaltitel: Originaltitel: Kaze no uta o kike/1973-nen o pinboru
    Größe: 1228kBytes
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Wenn der Wind singt; Pinball 1973

9

Es dauerte geschlagene drei Stunden, bis sie aufwachte. Und dann brauchte sie noch mindestens fünf Minuten, bis sie einigermaßen zu sich kam. Während dieser Zeit saß ich mit verschränkten Armen im Bett und beobachtete, wie die dichten Wolken am Horizont ihre Form veränderten und gen Osten zogen.

Als ich mich irgendwann herumdrehte, hatte sie den Bettbezug bis zum Hals hochgezogen und blickte ausdruckslos zu mir auf. Sie schien noch mit den Whiskey-Dämpfen in ihrem Bauch zu kämpfen.

"Wer ... bist du?"

"Weißt du das nicht mehr?"

Sie schüttelte den Kopf. Ich zündete mir eine Zigarette an und bot ihr auch eine an, aber sie ignorierte die Geste.

"Erzähl's mir."

"Wo soll ich anfangen?"

"Am Anfang."

Ich hatte keine Ahnung, wo der Anfang war, und wusste auch nicht, wie ich die Geschichte überzeugend erzählen sollte. Vielleicht würde es klappen, vielleicht auch nicht. Ich dachte ein paar Sekunden lang nach und legte los.

"Es war ein heißer, aber angenehmer Tag. Ich verbrachte den ganzen Nachmittag im Schwimmbad und ging dann nach Hause, wo ich ein Schläfchen machte und anschließend etwas aß. Kurz nach acht stieg ich in meinen Wagen und fuhr zur Uferstraße, parkte und schaute aufs Meer. Dabei hörte ich Radio. Das mache ich immer so.

Nach ungefähr einer halben Stunde bekam ich Lust, mich mit jemandem zu unterhalten. Wenn ich aufs Meer sehe, überkommt mich immer der Wunsch, Menschen zu sehen, und wenn ich Menschen sehe, möchte ich das Meer sehen. Es ist eigenartig.

Also beschloss ich, in Jays Bar zu gehen. Ich wollte ein Bier trinken, außerdem treffe ich dort meistens einen Freund von mir. Aber er war nicht da, also trank ich allein. Innerhalb von nur einer Stunde trank ich drei Bier."

An dieser Stelle unterbrach ich meinen Bericht und ließ die Asche meiner Zigarette in den Aschenbecher fallen. "Hast du übrigens mal Die Katze auf dem heißen Blechdach gelesen?"

Sie gab keine Antwort und starrte - in ihr Laken gewickelt wie eine gestrandete Meerjungfrau - an die Decke. Ungerührt fuhr ich fort. "Das Stück fällt mir nämlich immer ein, wenn ich alleine trinke. In meinem Kopf macht es klick, und schon bin ich entspannt. Aber gestern lief das nicht. Ich hörte nicht mal das Klicken. Mit der Zeit bekam ich das Warten satt und rief in Rattes Wohnung an, um ihn zu fragen, ob er kommen und was mit mir trinken wolle. Aber eine Frau ging ans Telefon ... Das kam mir komisch vor. Er ist nicht so ein Typ. Wenn zum Beispiel in seiner Wohnung fünfzig Frauen wären und er völlig besoffen wäre, würde er trotzdem selbst ans Telefon gehen. Verstehst du?

Ich sagte, ich hätte mich verwählt, und legte auf. Danach hatte ich irgendwie schlechte Laune. Ich weiß nicht, wieso. Also trank ich noch ein Bier. Aber meine Laune wurde nicht besser. Das war natürlich albern. Aber so war es eben. Als ich ausgetrunken hatte, rief ich Jay und zahlte. Ich dachte, ich fahre nach Hause und höre mir die Baseball-Ergebnisse im Radio an und lege mich dann ins Bett. Jay sagte, ich solle mir das Gesicht waschen. Du kannst eine Kiste Bier trinken, und er glaubt immer noch, dass du fahren kannst, solange du dir bloß das Gesicht wäschst. Mir blieb nichts anderes übrig, als ins Bad zu gehen, um es mir zu waschen. Ehrlich gesagt, hatte ich überhaupt nicht die Absicht und wollte nur so tun als ob. In der Kneipe ist nämlich meist der Abfluss verstopft. Ich hatte überhaupt keine Lust, da reinzugehen. Aber gestern Abend stand ausnahmsweise kein Wasser im Waschbecken. Stattdessen lagst du auf dem Boden."

Sie seufzte und schloss die Augen.

"Und dann?"

"Habe ich dich aufgehoben und aus der Toilette getragen. Dann habe ich in der Kneipe gefragt, ob dich jemand kennt. Aber niemand wusste, wer du warst. Dann haben Jay und ich deine Wunde verbunden."

"Was für eine Wunde?"

"Du hast dir wahrscheinlich den Kopf angeschlagen, als du

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