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Wer die Ruhe stört von Adams, Poppy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.10.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Wer die Ruhe stört

Zwei ungleiche Schwestern, ein unheimliches Herrenhaus und ein furchtbares Familiengeheimnis Seit Jahrzehnten lebt Virginia allein auf dem großen Familienanwesen im ländlichen England. Bis sich ihre Schwester ankündigt, die sie vor vierzig Jahren das letzte Mal gesehen hat. Virginia Stone hat ihr ganzes Leben auf Bulburrow Court verbracht. Ihre Schwester Vivien dagegen verließ das Elternhaus schon in jungen Jahren. Auch nach dem Tod der Eltern ist Virginia, die sich jahrzehntelang mit großer Leidenschaft der Schmetterlingsforschung gewidmet hat, blendend allein zurechtgekommen in dem großen, heruntergekommenen Herrenhaus. Etwas sonderlich ist sie allerdings schon mit ihrem obsessivem Ordnungssinn, ihrer Ablehnung jeglicher sozialer Kontakte und ihrem Schmetterlingswahn. So ist es nicht verwunderlich, dass sie das plötzliche 'Eindringen' von Vivien auf Bulburrow Court reichlich irritiert. Kaum ist die erste Wiedersehensfreude verflogen, verfolgt Virginia misstrauisch jeden Schritt ihrer Schwester. Warum ist sie zurückgekommen? Merkt sie nicht, dass sie Virginias Alltag stört und außerdem unangenehme Erinnerungen heraufbeschwört? Nach und nach kommen immer mehr Details über das tragische Schicksal der Familie Stone ans Licht. Dinge, an die Virginia nicht erinnert werden will. Und schon bald steht für sie fest: Die alte Ordnung muss wieder hergestellt werden - koste es, was es wolle.

Poppy Adams, geboren 1974, hat Naturwissenschaften studiert und arbeitet als Regisseurin und Produzentin von Dokumentarfilmen für BBC, Channel 4 und The Discovery Channel. Wer die Ruhe stört ist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 363
    Erscheinungsdatum: 20.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455812909
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Originaltitel: The Behaviour of Moths
    Größe: 710kBytes
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Wer die Ruhe stört

2 Der Glockenturm

A ls Maud am 19 . Oktober 1940 Vivien zur Welt brachte, glaubte ich allen Ernstes, sie hätte gleichzeitig noch zwölf weitere Kinder unterschiedlichen Alters geboren. Ich war knapp drei, und ich erinnere mich, wie sie in einem Kleinbus aus der Klinik nach Hause kamen. Als ich wissen wollte, warum es so viele seien, meinte Maud, wir hätten das größte Haus im ganzen Bezirk, außerdem würden ihr zwei Dienstmädchen und eine Haushälterin bei der Betreuung helfen. Mein Vater Clive sagte mir später, es handele sich um "Evakuierte", die aus Bristol gekommen seien, um mit uns zu spielen und um die Zahl der Schüler in der Dorfschule von Saxby zu verdoppeln. Ich war überzeugt, Vivi sei eine von ihnen, und als drei Jahre später die schlimmsten Luftangriffe vorüber waren und die Evakuierten alle wieder nach Hause zurückkehrten, konnte ich nicht verstehen, warum die kleine Vivi bei uns blieb.

"Sie ist dein Schwesterchen, Ginny. Hier ist ihr Zuhause", sagte Maud und drückte uns in der Halle fest an sich.

Ich musterte Vivi eingehend, wie sie in ihrem roten Wollpullöverchen und mit ihren flaumigen, nach allen Seiten abstehenden Haaren dastand und mich aus großen, runden Augen anstarrte. Von dem Moment an betete ich sie an. Zwei weitere Kriegsjahre vergingen, und am Tag der Kapitulation Japans wurde wochenlang gefeiert. Und während sich danach alle in einem reichlich zerstörten Land zurechtzufinden suchten, verlebten Vivi und ich unsere Kindheit, teilten unsere Geheimnisse und unsere Zuckerrationen.

Bulburrow Court ist nicht nur das größte Haus im Bezirk, sondern auch das eindrucksvollste. Inmitten der sanften Erhebungen des ländlichen West Dorset an einem Hang gelegen, überragt es das Dorf mit seinen gedrungenen Häusern. Ein weitläufiger viktorianischer Prachtbau.

Er besitzt vier Stockwerke und vier Flügel. In den Empfangsräumen mit ihren Deckenleisten stehen wuchtige Kamine aus Marmor. Eine breite Eichentreppe schwingt sich majestätisch vom Gewölbe bis hinunter zur holzgetäfelten Halle. Hinter den Speisekammern im rückwärtigen Teil des Hauses - auf der Nordseite - wurde über eine sehr viel schmalere, versteckte Wendeltreppe das Dienstpersonal diskret durchs Haus geschleust. Zur Zeit unserer Geburt lagen die ruhmreichen Tage von Bulburrow Court bereits weit zurück. Ein Jahrhundert zuvor benötigte man für reibungslose Abläufe in Haus und Garten noch zwanzig Bedienstete. Oder sogar mehr, rechnet man die Pächter und Landarbeiter der Umgebung dazu, die ursprünglich alle für das Gut tätig waren.

Das Rote Haus, so genannt wegen des wilden Weins, der im Herbst die Südfront in leuchtendes Rot tauchte, war in unserer Kindheit weniger als prunkvolles Baudenkmal bekannt, sondern ein markantes Wahrzeichen der Gegend. Ein Orientierungspunkt für Urlauber im West Country, eine Sehenswürdigkeit am Rand, überzuckert gleichsam mit gotischer Extravaganz und bekrönt von Zinnen und Türmchen, mit einer Sternwarte, einem Glockenturm und pseudoelisabethanischen Schornsteinen, die sich in spätviktorianischer Vornehmheit und Arroganz über die Gipfel und Täler der weitläufigen Dachlandschaft verteilen.

Der kopfsteingepflasterte Hof auf der Rückseite des Hauses wird von Stallungen und Lagerräumen für Äpfel, dem ehemaligen Melkraum und einem Schlachthaus umschlossen, in dem die Schlachterwerkzeuge immer noch bedrohlich von den Dachbalken hängen. Dahinter befindet sich ein Laubengang, und von da, wo früher einmal Mauds Küchengarten mit den Frühbeeten lag, gelangt man über ein ehemaliges Gemüsefeld und ein kleines Gehölz zum nördlichen Wassergarten. Im Süden führen Wiesen von den terrassierten Gärten hinunter zum Bach, zu den Pfirsichhäusern und dem nietenbestückten Heck eines Halifax-Bombers, der auf unseren Feldern zerschellt war. Es gibt aber auch Dinge, die nur Vivi und ich kannten. Zum Beispiel eine Steineiche, de

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