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Wer fliegen will, muss schwimmen lernen Roman von Sutherland, Krystal (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2019
  • Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 30.11.2019 per Download lieferbar

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Wer fliegen will, muss schwimmen lernen

Kann es mehr als eine große Liebe geben? Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Gefühlschaos. Wenn man sich verliebt, steht die Welt Kopf. Aber als Henry auf Grace trifft, ist alles anders. Sie ist so gar nicht, wie er sie sich vorgestellt hat, seine erste große Liebe. Doch ihre Zerbrechlichkeit und ihr Anderssein machen sie in Henrys Augen nur noch schöner. Und er verliebt sich in sie. Unsterblich, bedingungslos. Aber Grace verbirgt etwas vor ihm, ein tragisches Geheimnis, das zwischen ihnen steht ... Die Hardcover-Ausgabe erschien unter dem Titel "Unsere verlorenen Herzen" bei cbt. Krystal Sutherland ist in Townsville, Australien, geboren und aufgewachsen, einem Ort, der noch nie einen Winter gesehen hat. Bevor sie 2011 nach Sydney zog, lebte sie in Amsterdam, wo sie als Auslandskorrespondentin gearbeitet hat, und in Hongkong. Krystal war auf der Shortlist für den Queensland Young Writers Award. Sie hat keine Tiere und keine Kinder, dafür aber ein Hollandrad mit dem Namen Kim Kardashian, und einen kleinen, aufblasbaren Dinosaurier namens Herbert. Ihr Debütroman war auf Anhieb ein großer Erfolg und wurde in mehr als zwanzig Länder verkauft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 30.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641234874
    Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
    Originaltitel: Our Chemical Hearts
    Größe: 3482 kBytes
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Wer fliegen will, muss schwimmen lernen

Kapitel 3

Grace wartete schon vor Hinks Büro, als i ch dort eintraf. Wieder trug sie Jungsklamotten, aller dings nicht dieselben wie gestern. Aber heute sah sie etwas sauberer und gesünder aus. Ihre blonden Haare waren frisch gewaschen und gebürstet. Die Wirkung war enorm, auch wenn ihr Haar jetzt völlig ungleichmäßig über ihre Schultern fiel und aussah, als hätte sie es eigenhändig mit einer rostigen Gartenschere geschnitten.

Ich setzte mich neben sie auf die Bank und war plötzlich so verlegen, dass ich nicht mehr wusste, wie man sich lässig hinsetzt, weshalb ich erst mal nachdenken musste, was ich mit meinen Armen und Beinen anstellen sollte. Ich brachte keine anständige Pose zustande, also beugte ich mich unbeholfen nach vorne, mit dem Ergebnis, dass mein Nacken wehtat. Aber ich traute mich nicht, mich noch mal zu bewegen, weil ich merkte, dass sie mich von der Seite ansah.

Grace hatte die Knie bis zur Brust hochgezogen und den Stock zwischen die Beine geklemmt. Sie las in e inem Buch, dessen abgegriffene Seiten so gelblich ware n wie von Kaffee verfärbte Zähne. Ich konnte den Titel nicht entziffern, sah aber, dass es ein Gedichtband war. Grace bemerkte, dass ich ihr über die Schulter blickte, und ich rechnete damit, dass sie das Buch zuklappen oder es wegdrehen würde, aber stattdessen hielt sie es so, dass ich besser hineinschauen konnte.

Das Gedicht, das sie gerade las - und offenbar nicht zum ersten Mal, denn die Seite hatte ein Eselsohr, diverse Essensflecke und war auch sonst ziemlich ramponiert -, war von einem Typen namens Pablo Neruda, den ich nicht kannte. Es hieß "Ich liebe dich nicht", das machte mich neugierig. Ich fing an zu lesen, obwohl nicht mal Hink es bisher geschafft hatte, mich für Lyrik zu begeistern.

Zwei Verse waren mit Leuchtstift markiert:

Ich liebe dich, wie man gewisse dunkle Dinge liebt,

heimlich, zwischen Schatten und Seele.

Im diesem Moment kam Hink aus seinem Büro, und Grace schlug das Buch zu, sodass ich nicht weiterlesen konnte.

"Ah, schön, ihr habt euch schon kennengelernt", sagte Hink, als er uns nebeneinander auf der Bank sitzen sah.

Hastig stand ich auf, froh, endlich aus meiner unbeq uemen Sitzhaltung erlöst zu werden. Grace rutschte a n die Kante der Bank und verlagerte beim Aufstehen ihr Gewicht gleichmäßig auf den Gehstock und ihr gesundes Bein. Zum ersten Mal fragte ich mich, wie schwer ihre Verletzung war. Wie lange hatte sie diese Behinderung schon? War ihr Bein von Geburt an so oder hatte sie in ihrer Kindheit einen tragischen Unfall erlitten?

"Na, dann kommt mal rein."

Hinks Büro befand sich am Ende eines Gangs, der irgendwann in den frühen Achtzigern als modern und ansprechend durchgegangen wäre. Hellrosa Wände, Neonlicht, künstliche Pflanzen, denen man schon von Weitem ansah, dass sie unecht waren, dazu diese komische Art von Linoleum-Boden, der wie Granit aussehen soll, aber eigentlich nur aus einer durchsichtigen Laminatschicht mit Hunderten kleinen Plastik-Kieseln besteht. Ich folgte Hink etwas langsamer als sonst, damit Grace neben mir gehen konnte. Nicht weil ich wollte, dass sie neben mir ging, sondern weil ich mir vorstellte, dass es schön für sie wäre, Schritt halten zu können. Aber obwohl ich mich im Schneckentempo fortbewegte, blieb sie zurück und humpelte immer zwei Schritte hinter mir her, sodass es mir irgendwann vorkam, als würden wir ein Wettrennen im Langsamlaufen austragen. Hink war inzwischen schon zehn Schritte voraus, deshalb ging ich schneller und ließ Grace hinter mir, wobei ich vermutlich wie der letzte Vollidiot aussah. Als wir das Büro erreicht hatten (klein, kahl, grünstichig und trostlos - man hätte glatt auf die Idee kommen können, dass dort an den Wochenenden ein Fight Club stattfindet), führte Hink uns zu zwei Stühlen vor seinem Schreibtisch und forderte uns auf, Platz zu nehmen. Während wir

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