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Wer gab dir, Liebe, die Gewalt Der große Roman um Walther von der Vogelweide von Alvarez, Viola (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2009
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Wer gab dir, Liebe, die Gewalt

Walther von der Vogelweide - das Leben eines Genies zwischen Rausch und Sehnsucht

Seine Geburt ist geheimnisumwittert, seine Kindheit die eines Wunderkindes. Er wird der Hofsänger und Dichter des Mittelalters - geschätzt von Fürsten und Königen, begehrt von Frauen.

Man nennt ihn Walther von der Vogelweide.

Als enfant terrible und auf dem Höhepunkt seines Schaffens nimmt er sich jede Freiheit, jeden Rausch. Doch sein Herz ist einsam, Genie und Wahnsinn sind nah beieinander. Walthers ganze Liebe gehört einem Mädchen, das er nicht haben kann: Anna. In ihr sieht er das Gute, Reine in einer Welt, die ihm feindlich und verlogen zu sein scheint. Sie ist der einzige Mensch, dem sich der sensible Dichter öffnen kann. Sie begleitet ihn durch seine dunkelsten Nächte - und bis in den Tod.

Ein großer Roman über einen Mann, dessen Namen jeder schon einmal gehört hat und dessen Leben doch weitgehend unbekannt und voller Geheimnisse ist. Spannend und mit großem Einfühlungsvermögen in Mensch und Zeit füllt Viola Alvarez diese historische Lücke und macht Walther zu einer kinskihaft zerrissenen Persönlichkeit, die zwischen genialem Wahn und der Sehnsucht nach Liebe schwankt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 603
    Erscheinungsdatum: 17.03.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838700311
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1917 kBytes
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Wer gab dir, Liebe, die Gewalt

Die Prophezeiung

Im Tal stand ein Hof, auf den ein schmaler Pfad zuführte, der nicht einmal von Pferdehufen, nur von ein paar Ziegen ausgetreten war. Man konnte schon von weitem sehen, wie arm die waren, die hier wohnten - vielleicht nicht immer arm gewesen waren, denn das Haus hatte ein zweites Stockwerk. Wenn man von Osten über den Hang kam, dann lag der Hof ungünstig zwischen zwei Bergen; wenn es, bedingt durch den heftigen Herbstregen, einen Erdrutsch gäbe, dann wäre das Anwesen samt und sonders verloren. Im Süden stand eine Linde, die im Sommer dem Haus wohl Schatten spenden sollte. Es war früher November, und es regnete. Herbstkinder starben leichter als andere, keine gute Zeit, ein Kind zur Welt zu bringen.

Drinnen schrie eine Wöchnerin seit Stunden, die Hebamme war schon am Abend gekommen, aß und trank ungeniert auf Kosten der werdenden Eltern, die wohl kaum selbst genug hatten. "Es wird noch dauern", sagte sie dem Herrmann, dessen Erstes es werden sollte, ohne Freundlichkeit. "Die Ersten dauern immer. Und mit der ihrem Becken." Die Hebamme winkte ab, als sei die Unzumutbarkeit ihrer Aufgabe mit Worten gar nicht angemessen zu beschreiben.

Herrmann hielt die Schreie Gunis', seiner Frau, gepaart mit der dumpfen Gleichgültigkeit der Hebamme nicht aus. Er trat in den Regen hinaus und blickte den verschlammten Pfad empor. Der Regen fiel so dicht, dass er kaum die Wegstrecke nach Ried erkennen konnte, nur eine nasse Mulde vor dem Schatten der Berge. Obwohl es sehr kalt war, schwitzte Herrmann, die Haare klebten ihm am Kopf, und sein Rücken juckte unter der Rupfenjacke, die er trug. Er hatte Bauchschmerzen vor Anspannung, Furcht und Hunger, da die Hebamme sich mit Genuss von dem nährte, was eigentlich für die Woche hätte reichen sollen. Der Rest blieb besser für die Gebärende.

Oben am Weg stand zwischen den grauen, teuflisch tanzenden Strichen des Regens eine Gestalt, schien es. Die Wolken hingen so tief, dass Herrmann dachte, an ihnen ersticken zu müssen. Er keuchte und kniff die Lider zusammen, um besser sehen zu können. Der Schweiß, den er sich nicht erklären konnte, brannte ihm in den Augen.

"Hallo", glaubte er jetzt gehört zu haben, gedämpft vom Prasseln des Regens, verschluckt von den Schwaden des Nebels, die sich körperlos der überfeuchten Erde entwanden und fetten, riesigen Würmern gleich umherkrochen. "Hallo."

Der schemenhafte Schatten bewegte sich fließend mit dem endlosen Guss, dem boshaften Plätschern, der alles Leben und alle Hoffnung abschnürenden feuchten Luft. Herrmann sah über die Schulter zum Haus, vom Dach troff das Wasser, sammelte sich in Pfützen, der Regen warf Blasen, die eine um die andere endlos zerplatzten. Im Haus war es still, Gunis schrie nicht mehr. Vielleicht war sie kurz eingeschlafen.

"Hallo", rief die Stimme wieder von der Anhöhe aus.

Herrmann griff sich einen Knüppel und machte sich auf, den schlammigen Pfad hinaufzuklettern, er keuchte, ihm wurde noch heißer, der Rücken juckte unter dem herabfließenden Schweiß noch schlimmer. Er kam der Gestalt näher; wer immer es war, ihm schien der Regen nichts auszumachen. Still wartete das Wesen auf den Bauern. "Höchstens der Teufel ist bei so einem Regen unterwegs", keuchte Herrmann zwischen den Zähnen, packte den Knüppel fester und spuckte aus.

In den Dörfern zwischen den Bergen muss man die Gedanken nicht weit schweifen lassen, wenn man sich über den Teufel klar werden will. Er saß kichernd in den zerklüfteten Felsen, die sich lösten, um einem Wanderer den Schädel einzuschlagen. Oder er lockte einen Unwissenden auf die Weiden, um dann mit dem Blitz nach ihm zu werfen. Dass der Teufel im Regen nach einem Bauern rief, das hatte Herrmann zwar noch nicht gehört, aber das hieß nichts. So kurz vor dem allseits verkündeten Weltenende fand der Teufel immer neue Wege.

Die Gestalt war ein Mönch in einer grauen Kutte, völlig durchnässt wie der, den er gerufen hatte, aber läch

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