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Wer hat die Tschaika getötet? von Kordsaia-Samadaschwili, Anna (eBook)

  • Erschienen: 07.09.2016
  • Verlag: Verlag Hans Schiler
eBook (ePUB)
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Wer hat die Tschaika getötet?

"Das wissen Sie nicht, stimmt's? Nein, natürlich wissen Sie das nicht. Ich sag's Ihnen. Jede Frau - ich rede von Frauen und nicht von biologischen Einheiten weiblichen Geschlechts - jede Frau möchte mit einem Mann zusammen sein. Sie will nicht dem Mann gehören, oder dass er ihr gehört, sondern mit dem Mann zusammen sein. Sie will mit dem Mann in Klubs gehen und ins Kino zu Harry Potter, mit ihm in den Urlaub fahren, in die Sauna gehen, sonst wohin, was weiß ich. Will mit dem Mann essen und sich saumäßig betrinken. Oder denken Sie, nur Männer können sich saumäßig betrinken? Nee, nee, junger Mann!" Die Polizeiermittler sind überfordert. Sie werden von den Verdächtigen, den Freunden der Ermordeten, nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt, so wie auch der Leser. Die Freunde wissen, wer sie umbrachte, geben aber nichts preis. Warum, erschließt sich nach und nach aus den vielen Geschichten, die sich die Freunde, eine bunte, unkonventionelle, ja grelle Schar, über die Tote und sich selbst erzählen. Ein dichter und sehr raffiniert erzählter Roman. Das Kriminalelement ist ein Kniff für das äußerst spannende Enthüllen eines Panoramas ungewöhnlicher Lebensgeschichten und Figuren, ein Plädoyer für die Möglichkeit verschiedenster Lebensentwürfe und für Toleranz und Zusammenhalt.

Produktinformationen

    Größe: 312kBytes
    Herausgeber: Verlag Hans Schiler
    Übersetzer: Übersetzung: Heinze, Sybilla
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 170
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783899301663
    Erschienen: 07.09.2016
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Wer hat die Tschaika getötet?

Mami, liebe Mama, hilf mir doch,

hilf mir doch, Mami, liebe Mama ...

(Gebet einer ungläubigen Waise)
Anfang

Sonntags früh am Morgen sind auf der Straße nur Straßenkehrer, Männer, die sich aus dem Haus der Geliebten schleichen, und junge Kirchgängerinnen unterwegs. Und Hundebesitzer.

Teso ist Hundebesitzer.

Vor zehn Jahren hatte Teso bemerkt, dass ihm die Haare ausfielen und er dick wurde. Das gefiel ihm gar nicht. Ein Glatzkopf und Fettwanst. Teso fand das unerträglich.

Teso probierte alles Mögliche aus, aber nichts half - das ausgefallene Haar kam nicht wieder. Deshalb rasierte er sich den Kopf blank.

Zur Bekämpfung des Übergewichts kaufte sich Teso einen Hund, in der Hoffnung, dem Tier zuliebe früh aufzustehen und viel herumzulaufen, wenn nicht sogar herumzurennen. Aber auch dieser Plan ging nicht auf: Zum Hundebesitzer avancierte seine Frau. Sie nannte die russische Spanielhündin Peppi "Schatzi", umsorgte sie liebevoll und ging natürlich auch mit ihr spazieren. Trotzdem wurde Peppi innerhalb kürzester Zeit sehr dick und dermaßen faul, dass Spaziergänge ihr keine Freude mehr machten.

Teso seinerseits hatte an Peppis Anblick keine Freude mehr. Als seine Frau schwanger wurde, keimte in ihm die Hoffnung auf, sie würde sich von der Hündin trennen wollen, aber nein - Mamis Liebling wurde nicht aufgegeben. Selbst die Geburt des zweiten Kindes tat der Liebe zu der Hündin keinen Abbruch, und so lebten sie also: Teso, seine Frau, die hoch aufgeschossene Tiniko, die kleine Lisiko und die dicke, faule und vom Grauen Star geplagte Peppi.

Dieser Morgen war für Teso ein Graus. Die "großen Mädels" waren zur Erholung ans Meer gefahren und hatten ihm Lisiko und Peppi dagelassen, die die Großmutter am Abend zu sich ins Sommerhaus mitnehmen sollte. Teso redete sich gut zu: Ein Tag, was ist das schon, das halt ich schon aus, aber dennoch war er irgendwie angefressen. Nicht, dass er Lisiko nicht lieb gehabt hätte, und mit Peppi kam er auch zurecht, aber trotzdem ...

Es dämmerte und Peppi begann an der Tür zu winseln.

"Sie wird sich schon gedulden", dachte sich Teso, der in den frühen Morgenstunden sehr schlecht geschlafen hatte.

Peppi war da anderer Meinung und nervte einfach weiter. Teso stand auf. Ehe er ein sauberes Hemd gefunden, die Schnürsenkel gebunden und die Hundeleine aufgetrieben hatte, war auch Lisiko aufgewacht. Sie kam in den Flur, stellte mit einer für ihr kindliches Alter und Aussehen ungewöhnlich tiefen Stimme klar, sie wolle ebenfalls Gassi gehen, und hatte ihre Schuhe schneller an als Teso.

Was blieb ihm anderes übrig: Teso, Lisiko und Peppi gingen gemeinsam aus dem Haus.

"Wofür brauchst du die denn?", fragte Lisiko und zeigte auf die Hundeleine.

"Wenn wir unten sind, werde ich sie ihr anlegen", antwortete Teso, "damit sie nicht ausreißt."

"Wer, Peppi?" Lisiko musste lachen.

Teso warf einen Blick auf die Hündin.

Auch wieder wahr, dachte Teso, aber zu leichtfertig wollte er doch nicht sein. "Ich mache sie trotzdem dran", erwiderte er.

Lisiko zuckte nur mit den Schultern.

Allzu weit kamen sie nicht: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, vor einem dreistöckigen Haus, das wie durch ein Wunder noch stand, hockte sich Peppi unter eine alte Akazie.

Teso wandte sich ab. Irgendwie war es ihm peinlich.

Nur gut, dass die Straßen noch leer sind und mich niemand sieht, dachte er.

Da stand also Teso, musterte das Haus und dachte nach; dann kam ihm der Gedanke, dass er an jenem Morgen irgendwie auf andere Art dachte, nämlich "in Worten", wie er seiner Frau später erzählte:

"Bald wird es einstürzen. Oder sie reißen es ab. Wenn sich jemand drum kümmern würde, wäre es eigentlich ganz hübsch. Aber es kümmert sich keiner drum ... Also wird es einstürzen."

"Papa!"

Teso schreckte aus seinen Gedanken hoch.

Lisiko stand an ein

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