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Werke Band 1: Gedichte und Prosaskizzen Einige Häuser nebenan. Der andere Tag. Papierrosen von Meier, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.05.2017
  • Verlag: Zytglogge Verlag
eBook (ePUB)
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Werke Band 1: Gedichte und Prosaskizzen

"Wo immer man diese Ausgabe aufschlägt, wird man weg getragen vom lautlosen, mäandrischen Sprachfluss dieses grossen Poeten, weg ins Reich des 'Spirituellen', weg ins Zentrum der Schöpfung. Seinem Dorf am Jurasüdfuss ist Meier zeitlebens treu geblieben. Die Freiheit, es Amrain zu nennen und in einen poetischen Ort zu verwandeln, hat er sich nicht nehmenlassen. Es bedeutet ihm nicht die Welt. Nur ein Fenster zu allen Orten dieser Welt." Süddeutsche Zeitung Geb. am 20. Juni 1917, gestorben 22. Juni 2008 in Niederbipp. Er brach ein Hochbaustudium in Burgdorf ab und arbeitete 33 Jahre lang in einer Lampenfabrik bevor er mit 57 Jahren seine ersten Texte veröffentlichte. Gerhard Meier erhielt u.a. den Petrarca-Preis, den Fontane-Preis, den Gottfried-Keller-Preis und den Heinrich-Böll-Preis. Er zählt zu den wichtigsten deutschsprachigen Schweizer Autoren des 20. Jahrhunderts.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 23.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783729621701
    Verlag: Zytglogge Verlag
    Serie: Werke Bd.1
    Größe: 331 kBytes
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Werke Band 1: Gedichte und Prosaskizzen

Die gewohnt waren

Ich sah sie

in Hospizen sitzen

bei Einbruch des Winters

die

die gewohnt waren

mit dem Sommer zu leben

Ihre Gesichter

waren Landschaften

mit Flüssen

Friedhöfen

Tempeln

und Nächten voll Grillengesang

An Pergolas drehten

die Blätter

und wurden groß

und wurden zum Riesenrad

wie's die Jahrmärkte

haben im

Sommer
Dösende Stadt

Im schwankenden

Lichte döst die

Stadt

Ein Karpfengesichtiger

eilt über die

Brücke

Im Dunste der Schlachthäuser

grünen die

Kuppeln

Die Tauben fliegen die

Standbilder

an

Die Standbilder leiden

am Kote der

Tauben

Am Auslauf der Schlachthäuser

fischen sie

Karpfen

Im schwankenden Lichte

döst die

Stadt
Der Schmied schnarcht

Auf der gelben Fassade

des Hauses des

schlafenden

Schmiedes

räuspert sich jeweils im

Atem der Nacht

die projizierte

Platane

Die Embrios horchen

Von kurzen Horizonten herüber

trägt jeweils der

Atem der Nacht

das Gebell

räudiger Hunde

Der Schmied schnarcht

Erinnern reproduziert

Klees

Frühes Leid

und hängt es als Fahnen

an gelbe Fassaden

und projizierte

Platanen

wo es sich räuspert

jeweils im

Atem der Nacht
Das Gras grünt

Betont feierlich verläßt

der Güterzug das

Dorf

Nach den Windeln zu schließen

weht mäßiger

Westwind

Das Gras grünt

Das Land hat seine

Eigentümer vergessen

und hat es satt

nur Umgebung

zu sein
Traumschiffe

Im Licht der Nächte

hissen ihre Häuser

schwarze Segel

Nach toten Wünschen

riecht die Flut

nach Langeweile

Und Lüfte streuen den

Sirenensang unendlicher

Begehrlichkeiten

Am Strande brennt

das Monument des

Unbekannten

Und über tote Dörfer

gleiten Chagalls

Pendeluhren
Etüde

Wenn sie im Herzen

alte Verse

sagen

Und Rilksche

Laß die Winde los

und so

Wenn Vogelzüge Eichs

Verzweiflung

tragen

Und Villons Sommerwind

die Bäume

floh

Dann bläst der

tote Pan die

Herbstetüde

Und Nebelwände

sind Belsazars

Wand

Die Hunde ahnen Schnee

und schauern

prüde

Und die in Häusern

wohnen fürchten

Brand
Jahrzehntalt

Grausame Tage

wo Melancholie sich ausspannt

zwischen Sonne und Kirschblüten

windlose Melancholie

Wo Erinnern wächst

an Hauswänden

klematisblaues Erinnern

jahrzehntalt

Wo das Untüchtige

Schmerz leidet

unruhig durch die

Gassen heult

Und im geheimen

alles auf Flucht sinnt -

Flucht
Schlaflos

Die Zeit schlägt Stunden

in das Blei der

Nächte

Und auf dem Grunde

liegen sie in

Steinkorallen

Uhren um die

Handgelenke

Schlaflos horchend

ihrer Zeit

die Stunden schlägt

ins Blei der Nächte

Und Schwärme roter

Unruh zucken durch

Korallen
Fast reglos

Verwaiste Hunde

harren an

Fenstern

An den Kranen der Häfen

hängen die Güter

der Welt

Nur vom Baum

der Erkenntnis fällt

die verbotene Frucht

in die Binsen
19. November 1963

Ich sah den Totengräber

aus der Grube

nach den Beinen

eines Mädchens starren

heute

und um halb vier Uhr

mach

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