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Werke Band 2: Die ersten Romane Der Besuch (1976) / Der schnurgerade Kanal (1977) von Meier, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.05.2017
  • Verlag: Zytglogge Verlag
eBook (ePUB)
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Werke Band 2: Die ersten Romane

"Wo immer man diese Ausgabe aufschlägt, wird man weg getragen vom lautlosen, mäandrischen Sprachfluss dieses grossen Poeten, weg ins Reich des 'Spirituellen', weg ins Zentrum der Schöpfung. Seinem Dorf am Jurasüdfuss ist Meier zeitlebens treu geblieben. Die Freiheit, es Amrain zu nennen und in einen poetischen Ort zu verwandeln, hat er sich nicht nehmenlassen. Es bedeutet ihm nicht die Welt. Nur ein Fenster zu allen Orten dieser Welt." Süddeutsche Zeitung Geb. am 20. Juni 1917, gestorben 22. Juni 2008 in Niederbipp. Er brach ein Hochbaustudium in Burgdorf ab und arbeitete 33 Jahre lang in einer Lampenfabrik bevor er mit 57 Jahren seine ersten Texte veröffentlichte. Gerhard Meier erhielt u.a. den Petrarca-Preis, den Fontane-Preis, den Gottfried-Keller-Preis und den Heinrich-Böll-Preis. Er zählt zu den wichtigsten deutschsprachigen Schweizer Autoren des 20. Jahrhunderts.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 398
    Erscheinungsdatum: 23.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783729621725
    Verlag: Zytglogge Verlag
    Serie: Werke Bd.2
    Größe: 347 kBytes
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Werke Band 2: Die ersten Romane

I

Ein durchsichtiger Tag.

Der Mann auf Zimmer 212 räkelt sich hoch, schwingt seine Hände (als schwänge er Wasser ab), feuchtet die Fingerspitzen, winkelt die Arme an, legt Fingerspitzen auf Fingerspitzen, drückt kräftig zu (die Finger, die Hände nach hinten biegend), läßt wieder los, drückt ... läßt ... schwingt erneut seine Hände, läßt den Kopf rollen, läßt ihn eigentlich zuerst fallen, nach vorn, nach hinten, nach links, nach rechts (rollt ihn hernach in beiden Richtungen), verwirft seine Beine, zuerst das eine, dann das andere, verwirft auch die Arme (beide zugleich), beugt mehrmals den Rumpf, nach vorn, dann nach hinten, nach links und nach rechts, trippelt auf den Fersen eine Weile, danach quasi auf Zehenspitzen, macht einige Schritte mit O-Beinen, dann einige mit X-Beinen (einerseits also auf den äußeren, anderseits auf den inneren Fußkanten sich fortbewegend), umklammert - denn mittlerweile ist er hinter den Stuhl zu stehen gekommen -, umklammert die geschwungene Lehne des Wienerstuhls, versenkt sich in dessen Geflecht sozusagen, verfällt für kurz dem k. u. k. Gelb seiner Umgebung gewissermaßen, der Farbe des Täfers also, des Schlosses Schönbrunn auch oder einiger Straßenzüge in Baden zum Beispiel (Baden bei Wien), nimmt sich des Schattens der Linde an, das heißt eines Bruchteils dieses Schattens, welcher sich mittlerweile vom Bett auf die Wand gelegt hat; um dann in die gestutzte Kastanie zu starren, wo gerade eine Krähe (nach ihren Hals-Kopf-Schnabel-Bewegungen zu schließen) dreimal zu krähen scheint.

Immer mehr Besucher bewegen sich vom Gartenportal her auf den Eingang zu. Einige davon scheinen die Winterlinge zu Füßen der Südfront zu beachten (samt ihren Bienen), während andere vermutlich anderes vor Augen haben.

Der Mann auf Zimmer 212 (nachdem er den Wienerstuhl gewissermaßen freigegeben) begibt sich in die Tiefe des Zimmers (zur Tür hin), dann wieder zum Fenster (unter gelegentlichem Knarren des Parketts) ... zur Tür ... zum ... zur ... und so weiter. Dann bleibt er stehen, verschränkt seine Arme, neigt den Kopf leicht nach vorn, schiebt das Kinn etwas nach; um dann von neuem in jene gestutzte Kastanie zu starren, wo die Krähe, unter erneuten Hals-Kopf-Schnabel-Bewegungen, sich anschickt, abzustoßen - Richtung offenes Land.

Er sei (könnte er zu reden beginnen, eben, wenn der Besuch eintreffen würde), er sei von der Küche her durch die Stube gegangen und habe sich ans Fenster gestellt, um hinunterzuschauen auf die Straße. Dazu habe er die Arme verschränkt, den Kopf ... habe den Kopf leicht nach vorn geneigt, und unten habe seine Frau gestanden, inmitten von Kindern, denn es sei ja ein Sonntag gewesen, wie heute.

Und sie hätten zusammen in das Gärtchen gestaunt, eigentlich fröhlich. Sie müßten etwas gesehen haben. Sie hätten gedeutet oder gezeigt. Obschon es ja Winter und der Himmel durch eine Hochnebeldecke verhangen gewesen sei.

Über längere Zeit sei er dagestanden, am Fenster, die Arme verschränkt, wie gesagt, den Kopf etwas ...

Dann habe er das Fenster geöffnet und hinuntergegrüßt, und seine Frau und die Kinder hätten fröhlich heraufgegrüßt. Er habe hinuntergemeldet, daß der Besuch noch nicht eingetroffen sei, was seine Frau habe vermuten können, denn sonst wäre ja ein Auto vor dem Haus gestanden, was eben noch nicht der Fall gewesen sei. Er habe aber bereits zu kochen begonnen. Die Kinderschar habe sich dann aufgelöst, sich gruppenweise in Bewegung setzend, auf dem Weg Richtung Berg.

Hinter geschlossenem Fenster habe er dann noch eine Weile hinuntergeschaut, um dann in die Küche zurückzukehren. Man habe hierauf gemeinsam weitergekocht. Nachdem das Salzwasser zu kochen begonnen habe, sich also Blasen am Boden der Pfanne gebildet hätten, welche hochsteigend an der Oberfläche geplatzt seien, habe er einige Tropfen Salatöl zugegeben, damit die Spaghetti nicht etwa zusammenklebten. Dann habe er ein ganzes Paket dieser S

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