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Werner Eine Spukgeschichte von Gerstäcker, Friedrich (eBook)

  • Verlag: BookRix
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Werner

Es war im Herbst des Jahres 1851, dass ein leichter Reisewagen durch das Tor der alten Stadt M- rasselte und in die zum Markt führende Straße einbog. Zwei junge Männer saßen darin, die eben von einem Ausflug in die nicht weit entfernten Gebirge zurückkehrten und beide, mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, auf das rege Leben und Treiben um sich her schauten. Stach es doch gar so eigen und auffallend gegen das fast heilige Stilleben in den gewaltigen Bergesschluchten ab, die sie soeben erst verlassen hatten ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 81
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783730925911
    Verlag: BookRix
    Größe: 720 kBytes
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Werner

Werner

Es ist eine wunderbare Sache um den Geist des Menschen, und unergründet wie das Meer liegen die Geheimnisse seiner Tiefe vor uns in dunkler Nacht.

Wir nennen das Auge den "Spiegel der Seele" und vermeinen in seinem klaren Stern das Bild zu lesen, das da drunten verborgen ruht; aber arme, kurzsichtige Sterbliche, die wir sind - nur raten und vermuten können wir. Ungelöst wie je liegt hinter dem wunderbaren Kristall eine zauberreiche, märchenhafte 'Welt, die wir nicht einmal in uns selbst zu ergründen vermögen, viel weniger in einem anderen, fremden Blick.

Wer kennt die Grenzen, die Fantasie und Wahnsinn voneinander trennen? Wer enträtselt uns den Traum, ja die Erinnerung selbst, die in der weichen Masse des Gehirns Millionen Bilder aufgeschichtet hat und oft wie spielend Jahre weites Leben vor unserem inneren Blick mit einem Wurf entrollt? Wir grübeln wohl darüber und kombinieren, und hier und da gibt uns auch wohl ein Gelehrter ein vollständiges System über das, was er weiß und was er nicht weiß - aber gelöst hat noch niemand die Frage, noch nie einen Blick in das geheimnisvolle Walten dieser rätselhaften Kraft und Welt getan. Nur ihre Wirkungen sehen wir; ihre Ursachen bleiben uns ein verschlossenes Buch.

Wohl machen wir uns die Kräfte der Natur mit jedem Tag mehr dienstbar und lernen ihr eigentliches Wesen mehr verstehen; aber während sich unser Blick in dieser Richtung erhellt, erkennen wir doch auch immer mehr, dass es eben einzig und allein die äußere Schale ist, die wir uns bloßgelegt haben. Je mehr wir lernen, desto mehr sehen wir ein, wie wenig wir noch wissen, und wir stehen schwindelnd vor dem Raum, der uns von dem Unendlichen noch trennt.

Mit unseren Teleskopen haben wir Welten im Himmelsraum, mit unseren Mikroskopen ein bis dahin ungeahntes Leben in allem, was uns hier umgibt, entdeckt, und immer mehr drängt sich uns dabei die Überzeugung auf, dass keine Stelle, kein Punkt im weiten Weltenbau vergebens existiere oder brachliegen könne und dürfe.

Nur das geistige Wesen, das uns umgibt, blieb bis jetzt unseren schärfsten Forschungen verborgen, und doch - wer darf es leugnen? - zwingt sich uns die Überzeugung auf, dass auch im weiten Ätherraum ein lustiges Heer sein Wesen treibt. Mögen unsere Sinne zu grob sein, es zu erfassen, zu verstehen, ja nur zu erkennen; ein Etwas in unserer Brust sagt uns, dass mehr als bloß Luft zum Atmen uns umschließt. Wir ahnen eine andere Welt, wenn wir sie auch nicht ergründen, sie unserem Blick noch nicht erschließen können; und je geheimnisvoller sie uns entgegentritt, desto stärker reizt sie, lockt sie uns.

Selbst unser Glaube steht damit im Bunde. Es widerstreitet unserem Herzen wie dem Verstand, dass wir, mit solchen geistigen Fähigkeiten ausgestattete Wesen, zu weiter nichts geboren sein sollten, als nur, wenn wir einst sterben, den Erdboden, der uns getragen hat, mit unseren Leibern wieder zu düngen. Der Geist, der in uns wohnt, kann nicht so plötzlich untergehen. Und wenn das ist, wenn es ein Fortleben für ihn gibt, wie wir fest glauben und hoffen - sollte er sich dann so leicht von allem, was er früher auf diesem Erdball geliebt hat, trennen und es meiden können, nie mehr hierher zurückzukehren?

Des Volkes Stimme sagt nein. Seine "Ahnungen", seine wunderbar schönen und duftigen Sagen von "Schutzgeistern und Engeln", die die Betten der Kinder bewachen und auch dem guten Menschen schützend zur Seite stehen, sie alle sprechen die feste Überzeugung einer näheren, innigeren Verbindung mit jener geheimnisvollen Welt aus. Wenn die Toten um zwölf Uhr nachts ihr stilles Kämmerchen verlassen und die Wohnungen ihrer Lieben wieder aufsuchen, geschieht das, diesen Sagen nach, nicht, um Schrecken und Entsetzen dort zu verbreiten. Ungesehen, nur vielleicht geahnt, umschweben sie die alten lieben Plätze, warnen vor bevorstehendem Leid und kehren um ein Uhr traurig in ihre einsame kalte Zelle - die

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