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Wie ein Lamm unter Löwen Historischer Roman von Röhrig, Tilman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Wie ein Lamm unter Löwen

Der große Staufer-Roman Im Jahre 1194 wird am zweiten Weihnachtstag auf dem Marktplatz von Jesi ein Kind geboren: Friedrich, der Sohn des Kaisers Heinrich und seiner Frau Konstanze. Wild und ungebändigt wächst der Junge in den Gassen von Palermo auf, regiert später das Kaiserreich und stirbt 1250 nach einem erfülltem Leben - und jahrelanger Auseinandersetzung mit dem Papst. Im Jahre 1284 verkündet ein würdiger alter Mann mit schneeweißem Haar auf dem Marktplatz von Köln: 'Ich bin Friedrich der Staufer. Ich bin nicht, wie ihr glaubt, vor vielen Jahren gestorben, sondern nach einer langen Pilgerfahrt aus dem Heiligen Land zurückgekehrt, um Frieden zu bringen.' Die Zuhörer sind erstaunt, welche Einzelheiten aus dem Leben des Kaisers der Unbekannte kennt. Der Mann kann kein Betrüger sein! Aber wer ist er dann? Die Gestalt Friedrichs II., den man 'das Staunen der Welt' nannte, steht im Zentrum des Mittelalters. In seinem farbenprächtigen Roman schildert Tilman Röhrig das Leben des Herrschers - und dasjenige des Mannes, dessen einzige Aufgabe es war, Friedrich zu dienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 831
    Erscheinungsdatum: 08.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732503469
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 7801 kBytes
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Wie ein Lamm unter Löwen

Schaum flog dem Pferd von Maul und Nüstern. Über die Mähne gebeugt, trieb der Knappe den Hengst von Ancona nach Westen. Keine Rast! Ihm, Lupold, war das Geheimnis anvertraut, und von keinem anderen, nur aus seinem Mund sollte der Kaiser die großartige, wunderbare Nachricht erfahren.

Staub wirbelte unter den Hufen, zog als Fahne hinter dem Reiter zwischen Pinien und Ginstersträuchern her, zeichnete seine Wegspur durch ausgedorrte Hügellandschaften. Zum dritten Mal stieg hinter ihm die Augustsonne in den blauleeren italienischen Himmel, verbrannte die Zeit.

Erst am späten Nachmittag erreichte der Kurier das kaiserliche Heerlager. Bunte Wimpel, Wappenstandarten empfingen ihn. Ohne sein Pferd zu zügeln, hetzte Lupold durch die Zeltreihen. Vor dem streng gesicherten Mittelplatz sprang er ab, überließ den Wachen das Halfter und lief zur wabenförmig errichteten, weiß-blauen Zeltburg hinüber.

Gelassen verwehrte der alte Hofmeister dem blond gelockten Edelknappen aus dem Gefolge der Kaiserin den Zutritt. »Seine Majestät ruht.«

Lupold drängte. Jetzt, sofort! Die Botschaft duldete keinen Aufschub. »Beim heiligen Georg, meldet mich!«

»Was ist es?«

Nein. Er hatte Befehl. Die Hand fuhr zum Dolchgriff. Nur vor dem Fürsten selbst durfte er sprechen. »Und wehe Euch, wenn Ihr mich nicht sofort vorlasst.«

Sein respektloser Zorn, seine Entschlossenheit verunsicherten den Alten. Mit einem Seufzer verschwand er im Innern der Zeltburg. Wenig später kehrte er zurück, ließ sich die Waffe aushändigen und führte den Knappen durch den Vorraum. Einen Spaltbreit öffnete er die hängenden Leintücher. »Lupold, Sohn des Albertus von Breisach. Der Bote Ihrer Majestät, der Kaiserin Konstanze!«

Hitze, die Luft lastete. Im grauen Untergewand lehnte Heinrich VI., von Kissen gestützt, auf dem Lager. Zwei Pagen fächelten ihm mit abwechselndem Schwung der Pfauenwedel Kühlung zu.

Reglos wartete Lupold. Zum zweiten Mal stand er vor dem mächtigsten Fürsten der Welt, dem Gemahl seiner Kaiserin. Im Frühjahr, bevor das Heer von Deutschland aufbrach, waren Lupold und sein Ritter vom Herrscher höchstselbst dem Gefolge Konstanzes zugeteilt worden. Wie damals verspürte der Knappe auch heute beim Anblick des Kaisers wieder einen kalten Schauer, trotz des sommerheißen Tages. Eine hagere, schwächliche Gestalt: das Gesicht bleich, ein dünner Bart, strähnig das blassrote Haar; unter der hohen Stirn musterten ihn nackte, helle Augen. Lupold wagte kaum zu atmen.

»Nun, was gibt es?« In dem gelangweilten Ton schwang gefährlicher Spott. »Was hat Uns Unsere so geliebte Gemahlin auszurichten, das du meinem Hofmeister nicht anvertrauen willst? Was ist so wichtig, dass du meine Ruhe störst?«

Nach zwei Schritten beugte der Knappe das Knie. »In aller Ergebenheit «

Ungehalten wischte Heinrich die Förmlichkeiten beiseite. »Komm zur Sache.«

Lupold schluckte, begann von Neuem: »Die Kaiserin lässt Euch sagen, dass sie ein Kind trägt.«

Schweigen. Nur einen Augenblick. Jäh sprang Heinrich vom Lager hoch. Seine Pagen waren zu langsam; er stieß sie samt den Pfauenwedeln beiseite. In kurzen Schritten stürmte er auf und ab. »Bei deinem Leben, Kerl, wenn du lügst « Er brach ab, seine Lippen bebten.

Mit allem Mut fuhr Lupold fort: »Ich soll ausrichten, der Leibarzt und die Kaiserin sind sich ganz sicher.«

Heinrich blieb stehen. »Nein, Zwerg, du wagst es nicht. Du sagst die Wahrheit.« Er kehrte zum Lager zurück. Sein Rücken versteifte sich. »Und doch, es kann

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