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Wie eine Nacht ohne Sterne von Schor, Ambrosio (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Wie eine Nacht ohne Sterne

Der ambitionierte Lehrer Robert Lochner verbringt die Ferien zusammen mit seinem türkischen Freund in dessen Heimat. Die gastfreundliche Aufnahme in der Familie aber nimmt bald eine dramatische Wendung, als Fatma, eine junge Frau aus dem Freundeskreis, vergewaltigt wird und sie somit ihre Jungfräulichkeit und die Familie ihre Ehre verliert. Ihr Vater sieht sich deshalb gezwungen, diese Ehre wiederherzustellen, was in der ostanatolischen Region mit ihrem archaischen Ehrenkodex den Tod der Tochter bedeutet. Den Ehrenmord soll der jüngste Sohn ausführen. Robert und sein Freund verhelfen der jungen Frau daraufhin zur Flucht nach Deutschland. Doch die Rettung entpuppt sich für die junge Frau fern der geliebten Heimat als Albtraum, bis die aufkeimende Liebe zu Robert eine glückliche Zukunft erhoffen lässt - wäre da nicht der Vater, der nun seinen ältesten Sohn ausschickt, um endlich ihre "Ehre" wiederherzustellen. In seiner sehr einfühlsamen, immer aber die Sicht und die Zwänge aller Beteiligten wiedergebenden Erzählung gelingt dem Autor ein nachvollziehbares Bild von einem Schicksal, das stellvertretend für allzu viele ähnliche steht.

Ambrosio Schor hat sich als Lehrer, Dozent und Professor für Politikwissenschaft und politische Bildung in vielfältiger Weise mit Migranten und deren Integrationsproblemen auseinandergesetzt. Sein Credo, das dem Roman zugrunde liegt, gilt dem friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Ethnien, Nationalitäten und Religionen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 02.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741223471
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 969kBytes
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Wie eine Nacht ohne Sterne

Kapitel 2

Ferien in der Türkei

1

Sie flogen nach Istanbul, nahmen am Flughafen ein Taxi und machten sich auf den Weg in die Stadt zu Haruns Verwandten. Die Metropole am Bosporus war für die zwei aus Deutschland nur eine Zwischenstation. Die Großmutter, der der eigentliche Besuch galt, wohnte in Maryanik, einem abgelegenen Bergdorf in Ostanatolien. Wenn sie nach ungefähr zehn Tagen hierher zurückkehrten, wollte Harun dem Freund seine Märchenstadt zeigen, bevor sie wieder den Flieger bestiegen.

Wie vereinbart lieh Onkel Ahmet den beiden Besuchern aus München seinen Wagen für die anstrengende Reise quer durch das Land. Das warme Bettzeug sollten sie mitnehmen, das man für Oma gekauft hatte. Dazu einen Fernsehapparat, Geschirr, Bügeleisen und andere Haushaltsgeräte. Schließlich verfügte man im Dorf seit Oktober über Strom, und das glich einer Revolution. Bis zu diesem Zeitpunkt nämlich musste sich die Dorfgemeinschaft mit ein paar Generatoren zufriedengeben, die abwechselnd den einzelnen Haushalten zur Verfügung standen.

Nachdem der Kofferraum und die hinteren Sitze im Auto beladen waren, machten sich die beiden Gäste gegen Abend auf den Weg. Der Onkel riet ihnen, Schneeketten mitzunehmen, weil sich vor ein paar Tagen der Winter in den Bergen Anatoliens wieder eingestellt hatte.

Sie verließen den Ortsteil Okmeydani und bald befanden sie sich auf der Bosporus-Brücke, die Europa mit Asien verbindet, fuhren an Moda vorbei, eines der vornehmsten Viertel Istanbuls, genossen kurze Zeit den fantastischen Sonnenuntergang, ehe sie dann der Autobahn in Richtung Osten folgten.

Allmählich brach die Dunkelheit herein. Die beiden hatten genügend Gesprächsstoff für die lange Nacht: Onkel Ahmets Familie, seine politische Position und das Juwel Istanbul... Irgendwann wurde Robert müde und schlief ein. Der Freund schaltete das Autoradio an, achtete auf eine angemessene Lautstärke, damit der andere nicht aufwachte, und konzentrierte sich auf den Verkehr. Nach ein paar Stunden erreichte man Bolu, dann Amasya.

Bei Tagesanbruch wechselten sie sich mit dem Fahren ab und Harun konnte schlafen. Dann verließen sie die Autobahn und nahmen die Staatsstraße. Immer wieder legten sie eine kurze Pause ein, tranken Tee und aßen Simit, also Sesamkringel, die ihnen die Tante mitgegeben hatte. Eine Ewigkeit zog sich die monotone Fahrt quer durch das weiträumige Land hin. Sie passierten Erzincan und Erzurum. Irgendwann ging es dann in die Berge auf schmäleren und immer schlechteren Straßen, die stetig höher hinaufführten.

Wieder Schlafen im Auto; jetzt im Mantel, weil die Nacht kalt geworden war. Überall Schnee, obwohl der Kalender doch schon Ende März anzeigte. Harun holte inzwischen regelmäßig die Autokarte heraus, da er sich hier in der Prärie, wie er sagte, nicht auskannte. Wenn sie die Verwandten in Ostanatolien besuchten, flogen sie in der Regel bis Erzurum und nahmen dort ein Taxi, das sie in das Dorf brachte. Im Übrigen zeigte sich hier im Sommer die Landschaft ganz anders.

Immer höher mussten sie hinauf. Sie sahen Lastwagen, die umgekippt am Straßenrand lagen, zockelten längere Zeit hinter einem Bus her und benötigten für eine Weile die Schneeketten. Enger wurden nun die Fahrbahnen und gefährlicher die Kurven.

Endlich waren sie in Burcali angelangt, einer kleinen Provinzstadt, wo die Behörden saßen, die Onkel Hüsnü ab und zu aufsuchte, wo es ein Krankenhaus und weiterführende Schulen gab und wo man einkaufen konnte. Völlig erschöpft ruhten sie sich in einem Teehaus aus. Sie erfuhren, dass die Straße hinauf nach Maryanik wegen eines Lawinenabgangs nicht passierbar sei. Das Dorf könne man zurzeit nur zu Fuß erreichen. Der schmale Weg sei aber verweht, eine Todesfalle vor allem für Fremde.

Harun und Robert suchten eine Pension und taten sich damit nicht schwer. "Bos bir odaniz var mi?" Natürlich hatte

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