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Wiedersehen in Barfleur von Bonamy, Claire (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Wiedersehen in Barfleur

Seit ihrer Jugend sehnt sich Charlotte in den traumhaften Ferienort Barfleur zurück - mit gemischten Gefühlen: Vor Jahren ist dort während eines Familienurlaubs ihr geliebter Vater verschwunden. Den Verlust hat Charlotte nie verarbeitet. Endlich zurück in dem kleinen französischen Fischerdorf erfährt sie von einer Frau, der sie sich sehr verbunden fühlt: Mathilde hieß die Französin, mit der Charlottes Großvater während der Besatzungszeit eine verbotene Liebesbeziehung führte. Stück für Stück ergründet Charlotte Mathildes tragisches Schicksal - und kommt dabei den Rätseln ihres eigenen Lebens immer näher ... Claire Bonamy ist ein Pseudonym, hinter dem sich zwei Autorinnen verbergen: Die Kunsthistorikerin Eva Philippon ist freie Redakteurin und lebt in Frankreich. Nebenher ist sie als Personenfinderin in einer Suchagentur tätig. Diese Arbeit diente als große Inspirationsquelle für den Roman. Andrea Russo hat ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben und ist freie Autorin. Sie lebt in Oberhausen. Die beiden arbeiten schon seit vielen Jahren als eingespieltes Autoren-Lektoren-Team erfolgreich zusammen. Als sie sich im Juni 2014 das erste Mal persönlich trafen und ins Geschichten erzählen kamen, entstand sofort die Idee zu dem gemeinsamen Buchprojekt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 17.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843712804
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3369 kBytes
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Wiedersehen in Barfleur

1.

"Das ist Henriette, Ihre Tochter", sagte ich und reichte Monsieur Laurent das Foto.

Er stutzte, die Farbe wich aus seinem Gesicht. Man konnte sehen, wie sehr ihn die Nachricht überrollte.

Wir saßen auf einer Bank unter einer ausladenden Kastanie in dem kleinen Park, der sich an das Museum anschloss. Es war Anfang September und noch warm, das Laub verfärbte sich bereits. Erste braun glänzende Kastanien lagen auf dem Kiesweg.

"Aber woher haben Sie ..." Er stockte.

"Henriette hat es mir geschickt, damit ich es Ihnen gebe. Sie war natürlich überrascht, hat sich aber unglaublich gefreut, als ich ihr erzählt habe, dass Sie schon lange nach ihr suchen. Sie will Sie unbedingt kennenlernen. Ein Leben lang hat sie Sie vermisst."

" Ce n'est pas possible ... Das ist nicht möglich." Monsieur Laurents Hand zitterte, als er nach dem Foto griff. "Sind Sie wirklich sicher?"

Dieser Augenblick war so ergreifend, dass mir für einen Moment die Sprache versagte. Ich räusperte mich, dann sagte ich leise: "Ganz sicher. Henriette ist 1976 in Berlin-Reinickendorf geboren."

"Aber wie ... wie haben Sie sie so schnell gefunden?"

"Über Eleonore, die Mutter. Mit den Daten, die Sie mir genannt hatten." Er hatte mir die Geburtsdaten von Mutter und Tochter gegeben, mir erzählt, wie sie sich kennengelernt hatten, als er beim französischen Militär in Berlin gewesen war.

"Ich hätte nie gedacht, dass Sie tatsächlich ..." Monsieur Laurents Augen füllten sich mit Tränen, gegen die er gar nicht erst versuchte anzukämpfen. Auf den ersten Blick sah man ihm seine vierundsechzig Jahre gar nicht an. Sein schwarzes, mit grauen Strähnen durchzogenes Haar war noch immer voll, seine Statur aufrecht, sein Blick klar und lebendig.

Als unsere Augen sich trafen und er sah, dass auch ich weinen musste, lächelte er.

"Sie haben mich angesteckt." Ich schniefte und rieb mir mit dem Finger die Tränen aus den Augen. Vor einem halben Jahr hatte ich Monsieur Laurent in Paris kennengelernt, es war sein letztes Jahr als Konservator im Musée Marmottan. Nachdem die organisatorischen Dinge geklärt waren, hatte er mir bei unserem gemeinsamen Mittagessen ganz unvermittelt sein großes Geheimnis anvertraut, und ich hatte spontan beschlossen, ihm bei der Suche nach seiner deutschen Tochter zu helfen. Ich war bei einem Berliner Archiv vorstellig geworden, hatte soziale Netzwerke durchstöbert, einige Telefonate geführt und schließlich Erfolg gehabt. Als ich ihn anrief, um ihm die freudige Nachricht zu übermitteln, hatte er sich sofort auf den Weg nach Köln gemacht. Und jetzt saß er hier neben mir auf der Parkbank und blickte auf das Foto seiner Tochter.

"Es war dumm von mir, die Vaterschaft damals zu verleugnen." Monsieur Laurent seufzte. "Aber ich wäre in die größten Schwierigkeiten gekommen, schließlich war ich verheiratet und bei der Armee. Eleonore muss sehr enttäuscht gewesen sein."

"Die Dinge sind, wie sie sind, Monsieur." Ich deutete auf das Bild, das eine dunkelhaarige Frau mit sympathischem Lächeln zeigte. Henriette war jetzt neununddreißig.

"Ihre Telefonnummer steht auf der Rückseite."

Monsieur Laurent schüttelte ungläubig den Kopf. "Sie ist sehr hübsch. Ganz die Mutter."

Ich überlegte einen Moment, ob ich ihm erzählen sollte, dass ich Henriette nur gefunden hatte, weil ihre Mutter Eleonore vor zwei Jahren gestorben war und ich über die Friedhofsverwaltung die Adresse ihrer Tochter erfahren hatte. Aber ich entschied mich dagegen, zumal er nicht danach fragte. Ich wollte den einzigartigen Moment nicht zerstören, das glückliche Ende dieser spontan eingefädelten Suche, und außerdem sollte er das besser von seiner Tochter erfahren.

"Henriette wartet auf Ihren Anruf. Sie lebt immer noch in Berlin, ganz in der Nähe des Flughafens Tegel, wo die französische Luftwaffe damals stationiert war." Ich legte kurz meine Hand au

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