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Winterliebe auf der Kamelien-Insel Eine Novelle zur Kamelien-Insel-Saga von Bach, Tabea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Winterliebe auf der Kamelien-Insel

Die Liebe ist unser wahres Schicksal. Rozenn ist gerade Anfang zwanzig, als sie den charmanten Maart auf der traditionellen bretonischen Feier zum Dreikönigstag kennenlernt. Aufgrund eines heraufziehenden Wintersturms ist die Festgesellschaft gezwungen, über Nacht auf der Kamelien-Insel zu bleiben. In dieser Nacht erliegen Rozenn und Maart dem Zauber des Augenblicks und verlieben sich unsterblich ineinander. Doch das Schicksal scheint gegen diese Liebe zu sein. Dreißig Jahre später tobt wieder ein Januarsturm, während Rozenn ihrer Freundin Sylvia von jenem Winterabend erzählt. Die junge Frau ist sich sicher, dass Rozenns Gefühle für Maart noch längst nicht erloschen sind. Da erhalten sie einen Anruf, der alles verändern könnte. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse in dieser schicksalhaften Nacht ... Diese Kurzgeschichte zur Kamelien-Insel-Saga entführt die Leser in die bewegende Vergangenheit Rozenns. Eine wunderbare, zu Herzen gehende Geschichte, die Liebe und Wärme in winterliche Tage bringt. Tabea Bach war Operndramaturgin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie wurde in der Hölderlin-Stadt Tübingen geboren und wuchs in Süddeutschland sowie in Frankreich auf. Ihr Studium führte sie nach München und Florenz. Heute lebt sie mit ihrem Mann in einem idyllischen Dorf im Schwarzwald, Ausgangspunkt zahlreicher Reisen in die ganze Welt. Die herrlichen Landschaften, die sie dabei kennenlernt, finden sich als atmosphärische Kulisse in ihren Frauenromanen wieder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 95
    Erscheinungsdatum: 09.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572434
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2588 kBytes
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Winterliebe auf der Kamelien-Insel

1. Kapitel

Es war an einem dieser Wintertage, die in der Bretagne von Sonne über Wolken, Regen und Sturm alles bereithalten konnten, und genau das war es, was Sylvia so sehr an ihrer Wahlheimat liebte. Sie war viel zu glücklich auf der Kamelieninsel, um sich über den stetig wehenden Wind aufzuregen, ganz im Gegenteil. Wenn sie vor die Tür ihres Hauses trat und ihr je nach Wetterlage der suroît aus dem Süden oder der noroît aus dem Norden das halblange dunkelblonde Haar ins Gesicht blies, hatte sie jedes Mal das Gefühl, eine Dosis Frische verpasst zu bekommen. Ihre Gedanken wurden klar, ihre Gefühle beruhigten sich, ihre Lungen wurden weit, ihr Blut erhielt eine Extraportion Sauerstoff, und ihr Herz schlug rascher vor Glück.

So auch an diesem Tag zwischen Weihnachten und Neujahr, als sie durch den Jardin aux Camélias hinauf zu Solenns Haus ging, um mit der Besitzerin der Insel zu frühstücken. Dabei blieb sie ganz gegen ihre Gewohnheit immer wieder kurz stehen, um eine der prachtvollen Kamelien zu betrachten, zu deren Besonderheiten es gehörte, gerade jetzt im Winter zu blühen. Da war die herrlich gefüllte Sorte Beatrice Emily mit ihren fedrig weißen Blüten und dem zartvioletten Rand. Oder die Narumigata mit den auffälligen Büscheln aus gelben Staubgefäßen und dem unverwechselbaren Duft. Obwohl Sylvia nun schon lange auf der Kamelieninsel lebte und mit jedem einzelnen der Bäume und Sträucher vertraut war, so erschien es ihr doch immer wieder wie ein Wunder, wenn sich zwischen dem nachtgrünen Laub ausgerechnet in der rauesten Zeit des Jahres die zarten Blüten entfalteten.

Sie hatte selten die Muße, bei den einzelnen Sträuchern zu verweilen, denn als Geschäftsführerin der Kameliengärtnerei war sie rund um die Uhr beschäftigt. Sie hatte diese Aufgabe mit Leidenschaft übernommen und nahm sie sehr ernst. Doch in diesen Tagen zwischen den Feiertagen hatte sie beschlossen, ein wenig auszuruhen.

"Na, ausgeschlafen?" begrüßte Solenn sie, als sie die Küche durch die Hoftür betrat.

Die Hausherrin hatte die lokale Zeitung auf dem Tisch ausgebreitet und blickte sie über ihre Lesebrille hinweg liebevoll an. Sylvia musste an den Tag denken, an dem sie der Lebensgefährtin ihrer verstorbenen Tante zum ersten Mal gegenübergetreten war. Damals hatte die Bretonin einen herben und verschlossenen Eindruck auf sie gemacht. Man musste sich das Vertrauen der Sechzigjährigen erst verdienen, ehe sie einem ihr Herz öffnete, und anfangs hatte Solenn allen Grund gehabt, Sylvia zu misstrauen. Doch das war lange her. Inzwischen waren Maël, der Mann, den sie liebte, und Solenn, seine Ziehmutter, so wie alle, die auf der Kamelieninsel lebten, zu ihrer Familie geworden.

Solenn nahm ihre Lesebrille ab, faltete die Zeitung zusammen und erhob sich.

"Ich hab viel zu lange geschlafen" bemerkte Sylvia schuldbewusst.

Die Bretonin lachte sie aus. "Du hast doch Urlaub" antwortete sie, nahm einen bol aus dem Geschirrschrank und schenkte Kaffee in die henkellose Keramikschale. Dann fügte sie heiße Milch hinzu, die auf dem Herd vor sich hin geköchelt hatte. "Es reicht, dass Maël schon wieder in seinem Labor sitzt."

"Er tüftelt an einer Kreuzung zwischen einer Camellia Japonica und einer Hybridsorte" sagte Sylvia mit einem Lächeln und nahm vorsichtig das Gefäß zwischen beide Hände. "Er spricht gerade von nichts anderem. Was gibt es Neues in der Welt?" fragte sie und wies auf die Zeitung.

"Das Übliche" entgegnete Solenn. Sie wirkte einen Moment lang nachdenklich, dann schlug sie das Nachrichtenblatt noch einmal auf.

"Ist von dem Bûche de Noël noch etwas da?" fragte Sylvia.

"Jede Menge" antwortete Solenn und blätterte, bis sie die Seite mit den Todesanzeigen gefunden hatte. "In der Speisekammer im obersten Regal."

Sylvia fand die Platte mit dem Biskuitkuchen in Form

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