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Wintersaat Historischer Roman aus dem Münsterland von Herbst, Almuth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.06.2018
  • Verlag: Solibro Verlag
eBook (ePUB)

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Wintersaat

'Schicksal ist nicht das, was passiert. Schicksal ist das, wohin der Charakter lenkt. Schicksal und Charakter. Die stammen aus demselben Nest.' Münsterland, Ende des 17. Jahrhunderts: Ein halbwüchsiger, schnöseliger Adliger wird aus seiner privilegierten Welt gerissen und durch die Hölle gejagt. Er lernt, um welche Dinge es sich wirklich zu kämpfen lohnt: Freundschaft, Heimat, Familie und die große Liebe. Die Amsterdamer Kaufmannstochter Anderske Dijkersma reist von der münsterischen Zweigstelle ihres Vaters ins katholische Olfen, um vor ihrer Eheschließung mit dem Sohn des berühmten Amsterdamer Chirurgen Nicolaes Tulp die Kargheit des westfälischen Lebens kennenzulernen. Was als Besserungsmaßnahme für den verwöhnten Querkopf geplant war, entpuppt sich als Fiasko. Mit ihrem Schicksal verwoben ist die Geschichte des Erbdrostensohns Jeremias von Neuhoff-Ascheberg, der die heimatliche Rauschenburg an der Lippe verlässt, um nach Münster zum Studium aufzubrechen, dort jedoch erst 20 Jahre später ankommen wird. Spannend erweckt dieser historische Entwicklungsroman die barocke Zeit im Münsterland zum Leben. Er lässt den Leser eintauchen in eine Welt von Leibeigenen, braven Bürgern und gefährlichen Räubern in dunklen Wäldern. Der dramatische Roman spielt zwischen Nordkirchen und Münster, Olfen und Tecklenburg, in der Davert und am Venner Moor und verknüpft historische Fakten mit überlieferten Sagen und einer ergreifenden Liebesgeschichte. Die dargestellte Dramatik und die intensive Gefühlswelt lassen die Opernerfahrung der Autorin durchscheinen. 'Wintersaat' ist der Debütroman der ausgebildeten Mezzosopranistin Almuth Herbst. Die in ihrem Roman dargestellte Dramatik, Opulenz und intensive Gefühlswelt lassen ihre Opernerfahrung durchscheinen. Nach einem Theologiestudium in Münster absolvierte Almuth Herbst Ihr Konzertexamen mit Auszeichnung. Sie erhielt internationale und nationale Stipendien, nahm an Meisterkursen teil und wurde in der ganzen Republik für zahlreiche solistische Konzerte verpflichtet. Opernengagements führten sie auch ins Ausland nach Luxemburg und in die USA. Aktuell ist sie Mitglied des Soloensembles am Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen. Dort gewann sie auch den Gelsenkirchener Theaterpreis für herausragende Leistungen am Musiktheater im Revier (MiR).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 896
    Erscheinungsdatum: 07.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960790280
    Verlag: Solibro Verlag
    Serie: Historoman .2
    Größe: 1042 kBytes
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Wintersaat

Der Kutscher lenkte missmutig die vier Rappen an den Schlaglöchern vorbei, in denen das Regenwasser der vergangenen Tage die vorbeistürmenden Wolkenfetzen unterhalb des Äthers spiegelte wie schmutzige, frischgeschorene Wolle. Nicht immer gelang das. Dann kam es ihm vor, als würde das gesamte Gefährt abheben und für einen Moment innehalten, als hielte es den Atem an, bis es wieder aufsetzte und seine Räder auf dem Waldweg weiterknirschten. Die Pferde störten sich weder an seiner schlechten Laune noch an seiner Sorge, ob die Achsen diese Tour de Force durchstehen würden. Sie trabten munter voraus und bliesen dampfende Wölkchen in die kalte Luft. Immer voran nur, immer voran.

Ein Achsenbruch in diesem Wald? Das wäre nicht gut.

Der Mann schnalzte, anstatt mit der Peitsche zu schlagen, um das Tempo zu halten. Die eine Strecke bis Münster, die über Senden führte, kannte er gut. Aber man fuhr doch, um Himmels Willen, nicht durch die Davert! Der Kutscher zog den Kopf ein und vermied es, den Blick schweifen zu lassen. Durch dieses gottverlassene Gefilde hatte ihn bisher noch niemand gezwungen. Am liebsten hätte er einem der Pferde die Scheuklappen abgenommen und sich selbst aufgesetzt. Er wollte nichts sehen, was ein menschliches Wesen nicht sehen durfte. Um ihn herum schien ihm alles feindlich. Die Davert. Ein sieben Stunden langer Wald, in den seit Menschengedenken aus der gesamten Umgebung alle bösen und unruhigen Geister verwiesen wurden. Musste das sein? Hier lang?

Es wimmelte nicht nur von Geistern, sondern auch von wilden Tieren und es war für jeden dahergelaufenen Lumpen ein Leichtes, sich im gespenstischen Dickicht zu verstecken, um in einem unachtsamen Moment die Reisenden zu überfallen und zu ermorden. Vorausgesetzt natürlich, besagter Lump war kaltblütig genug, sich in diesem Gespensterwald aufzuhalten. Und wenn er das war, war von eben diesem kaltblütigen Lumpen nicht gerade zu erwarten, dass er jeden Sonntag brav in der Kirche saß und ganz genau hinhörte, wenn es um Gewaltverzicht und Nächstenliebe ging.

Kein Christ gesellte sich freiwillig zwischen Moorleichen, Geister, böse Sagengestalten und uralte Fabelwesen wie die Wasserweiber mit ihren Algenhaaren, die es liebten, Kleinkinder in die schwarzen Kolke des Moores zu ziehen. Selbst die Menschen, die in der Nähe des Venner Moores wohnten und die Tücken des Sumpfes kannten, trauten sich nicht in die Davert.

Aber sein Herr, der Amtsdroste, Bücherwurm und selbst ernannter Anhänger der neuen Bildung, hatte es so angeordnet, und damit waren wie üblich jedwede Einwände abgeschmettert, noch ehe sie geäußert waren.

Der Kutscher verfluchte den Tag, an dem sein Herr das erste Buch in die Hände bekommen hatte und seither für die Warnungen der Alten und Weisen zur Gänze immun schien.

Er drehte sich zur Kabine um. Das Leder war heruntergelassen. Die Passagiere wollten offenbar unter sich sein und von seinen Bedenken nichts mehr hören. Die entfernte Verwandtschaft auf Burg Davensberg sollte besucht werden. Und dies hier war eben der kürzeste Weg.

Der Verwandtenbesuch auf Davensberg war wie eine Art Initiationsritus oder Schwertleite, wie man das früher nannte, für den jungen Stammhalter Jeremias gedacht, bevor der zum Studium auf die nächsten Jahre hinter dicken Münsteraner Mauern verschwand. Das bedeutete einen Abend ein Festgelage (vorausgesetzt natürlich, man kam überhaupt in Davensberg an) und dann am kommenden Morgen der Messe so gut wie eben möglich folgen und zu versuchen, über dem lateinischen Singsang nicht wegzudämmern, bis dann nach dem Frühstück der Weg fortgesetzt wurde.

Nun denn, im Hinblick auf die Unterbrechung der Reise war die Idee nicht so schlecht, denn die sieben Stunden bis Münster konnten am Stück eine Qual werden. Nicht zuletzt wegen der verflixten Schlaglöcher. Wumms!

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