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Wir hatten ja nüscht im Osten ... nich' ma Spaß! Die ganze Wahrheit über '89 von Wesensbitter, Mikis (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2015
  • Verlag: edition subkultur
eBook (ePUB)
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Wir hatten ja nüscht im Osten ... nich' ma Spaß!

1989 beginnt für Mikis wie jedes neue Jahr: mit einem Mordskater. Natürlich kann er nicht ahnen, dass sich dieses Jahr um ihn herum alles ändern wird, denn er interessiert sich nicht für Politik, sondern eher für Bier, Underground-Musik und natürlich Weiber. Er dealt auch mal gern mit Pornobildern, schreibt fleißig Eingabebriefe, verliebt sich und ärgert die Stasi. Mit Berliner Schnauze und Humor schreibt Mikis Wesensbitter, wie es im Jahr des Mauerfalls wirklich war, wo die besten Punkrockkonzerte stattfanden und was Freiheit und Freundschaft bedeutet. Mikis Wesensbitter wäre eigentlich ein waschechter Ostberliner geworden, wenn nicht Ende August 1968 ein Unfall bei der Deutschen Reichsbahn den kompletten Schienenverkehr der DDR lahmgelegt hätte. So kam er in Zossen zur Welt Schon im Kindergarten wurde er zum Mobbingopfer: 1. wegen seines Namens und 2. wegen seines Geburtsorts. Mit 6 Jahren bekam er wegen seiner tiefen Stimme Gesangsverbot, mit 9 Jahren wegen moralisch anstößiger Texte Schreibverbot und mit 12 Jahren wegen seltsamer Fragen im Biologieunterricht Redeverbot. Ein Friseurverbot hat er sich mit 15 Jahren dann selbst auferlegt wegen der permanenten Messerformschnitt-Diktatur der sozialistischen Einheits-Frisiersalons. Mit den Abgründen des Ostalltags kennt er sich also bestens aus. Mit der Wende wurde es dann aber etwas besser. Schließlich durfte er nun singen, schreiben und sagen, was er wollte. Aber das durften ja jetzt alle. Und schon machte es ihm keinen Spaß mehr. Nach zehn Jahren in der Musikbranche wechselte er Anfang der 2000er zum Journalismus. Seit 15 Jahren schreibt er u.a. für das Legacy, das Multimania und das AGM- Magazin. Auf seinem Blog veröffentlicht er zudem Geschichten über die beiden anderen schönsten Nebensachen der Welt: die Liebe und das Bier.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 166
    Erscheinungsdatum: 01.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943412727
    Verlag: edition subkultur
    Größe: 469 kBytes
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Wir hatten ja nüscht im Osten ... nich' ma Spaß!

Januar 1989

Sonntag 01.01.

Neues Jahr, neues Glück!? Die Kopfschmerzen sind nicht weniger ätzend als im alten Jahr. Neujahrsessen bei Mutter. Onkel Kurt, die Stasiratte, will unbedingt anstoßen. Auf das 40. Jahr unserer Republik. Mir is eh schlecht, da ist es egal, worauf ich trinke.

Montag 02.01.

Erster Arbeitstag im Werk für Signal und Sicherungstechnik. Ic h muss haufenweise Belehrungen unterschreiben. Wir sind ja hier schließlich im Grenzgebiet. Die Einweisung macht ein fetter alter Sack mit SED-Abzeichen am blauen Kittel und feuchter Aussprache. Er will mich für die Betriebskampfgruppe rekrutieren, aber ich erzähl ihm von meinem angeborenen Herzfehler. Damit bin ich gleich raus für ihn. Passt mir sehr gut.

Danach werd ich an Karin übergeben, die ab jetzt meine Chefin ist. Scheint nett zu sein. Wir gehen in unser Büro.

"So, da ist dein Schreibtisch. Setz dich erst mal hin und lies Zeitung. Und morgen bringst du dir ein Buch mit."

Ich bin verwirrt. "Was ist denn meine Aufgabe?"

"Einfach da sein. Mehr nicht. Gibt grad nichts zu tun."

Mit Einfach-da-sein kenn ich mich aus. Das kann ich gut.

Dienstag 03.01.

Ich frag Karin, warum die Bürofenster eigentlich mit weißer Farbe blindgestrichen sind.

"Weil du sonst nach Westberlin schauen könntest. Deshalb sind auch die Fenstergriffe abgeschraubt. Also wenn du irgendwelche Fluchtpläne hast, musst du dir einen Vierkant mitbringen."

"Was? So einfach ist das?"

"Nö. Ist ja noch ein Gitter vorm Fenster. Komm, schau mal."

Sie holt einen Vierkant aus ihrer Schreibtischschublade und öffnet vorsichtig das Fenster. Nur einen ganz kleinen Spalt, aber es ist der Blick in eine andere Welt.

Nur 50 Meter von uns entfernt ist der Westen. Und direkt unter uns ist die Mauer. Grenzer mit Hunden laufen herum. Der nächste Wachturm ist auch nicht weit. Gruselig.

Nach der Schicht mit Dario i m Elsen-Eck getr offen. Er ist ganz aufgeregt und will ne neue Band gründen. Den ersten Text hat er schon fertig.

Graue Mauern, schwarze Saat,

wo ist die Farbe in diesem Staat?

Rote Fahnen, braune Brut,

der Vopo-Terror tut nicht gut.

"Is das zu politisch?", fragt er.

Ich versuche, ihm Mut machen. "Naja vielleicht ein bisschen. Da musste noch dran arbeiten. Is aber sonst gar nicht so schlecht."

Freitag 06.01.

Auf Arbeit Zeit zu leben, Zeit zu sterben ausgelesen. Karin hat einen Pullover fertig gestrickt. In der ganzen Woche hat nur ein einziges Mal das Telefon geklingelt.

"Nächste Woche wird's nicht so ruhig", sagt Karin und betrachtet zufrieden den Norwegerpullover.

Abends Freundetreffen in der Broilerbar . Dario hat seinen zweiten Text fertig:

Tote Männer, tote Frau'n,

niemand kann man hier noch traun.

Keine Ziele, keine Träume,

wir verwesen ohne Freiräume!

Naja irgendwie ist das auch wieder nicht die Erleuchtung. Im Schmenkel ist Disco und ich lass mich von der Roten-Rita angraben. Wir trinken Cola-Apricot bis wir nicht mehr gerade stehen können und gehen irgendwann zu ihr. Als wir im Bett liegen, sagt sie: "Boah, du hast ja nen urst schauen Pullermann!"

Nach diesem Spruch ist er zwar immer noch schau, aber nicht mehr groß.

Sonnabend 07.01.

Kohlen sind fast alle. Eigentlich sollte noch eine ordentliche Reserve da sein, aber irgendwie ist die weg. Ich hab rechtzeitig im September bestellt, aber die kommen mal wieder mit dem Liefern nicht hinterher. Muss ich mich drum kümmern. Gerade als es in der Bude warm wird, kommt Torsten mit seiner neuen Freundin Kathi. Wir gehen Mittagessen in der Budicke in der Ebertystraße. Torsten bestellt Sülze, Kathi Schnitzel und ich Kassler

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