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Wir sind nicht wie Eidechsen Roman von Bianchi, Erika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Wir sind nicht wie Eidechsen

"Weißt du noch, wie ihr mich genannt habt, als ich noch klein war? Certola, Eidechslein. Ich glaubte, dass sie, wenn sie einen Schwanz verlieren auch alles Böse abwerfen. Jeder neue Schwanz, der nachwächst, ist eine neue Chance glücklich zu werden." Alles beginnt mit einer Beerdigung. Der Familienpatriarch Zaro ist tot, und das toskanische Dorf Ponte a Emo trägt ihn zu Grabe. Nur seine Tochter Isabelle ist nicht gekommen, denn sie und Zaro verbindet eine Geschichte, deren Wurzeln so tief reichen, wie die Verletzungen, die daraus resultierten. Die Nacht, in der Isabelle gezeugt wurde, schien das Schicksal der Frauen in der Familie zu bestimmen - auch das von Isabelles beiden Töchtern, gerufen Eidechse und Kolibri, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Erzählt von unserer Zeit bis zu der Nacht, in der alles begann, nimmt diese Familiengeschichte von vier Generationen Gestalt an, in der es Liebe und Einsamkeit gibt, aber auch Tiergeschichten und Träume, die vererbt werden wie Schätze. Erika Bianchi, geboren 1975, lebt und arbeitet in Florenz, wo sie Alte Geschichte und Archäologie an der Universität lehrt. Ihr Roman 'Wir sind nicht wie Eidechsen' wurde mit dem Premio RAI La giara ausgezeichnet und für weitere Literaturpreise nominiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641231804
    Verlag: btb
    Originaltitel: Il contrario delle lucertole
    Größe: 860 kBytes
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Wir sind nicht wie Eidechsen

Epilog
J uni 20 11

Keiner interessiert sich im Juni für Wolken.

Wahrscheinlich hast du einen Blick zum Himmel geworfen, mehr nicht. Du hast das Hemd angezogen, das Ilona für dich am Vorabend gebügelt hat, nachdem du sie mit einem Stirnrunzeln vor dem Schrank gefragt hattest, ob man bei Beerdigungen immer noch Schwarz trägt. Aber ja, wird sie geantwortet haben, die Hände schon im Schrank, um etwas Passendes für dich herauszusuchen. Eine weitere Gelegenheit, sich dir nützlich zu machen. Vermutlich die letzte.

Bestimmt hast du Ilona gehen lassen, ohne dich bei ihr zu bedanken für die Zeit, in der sie sich um deinen Vater gekümmert und dir gut gelaunt einen Großteil der Last abgenommen hat. Sich zu bedanken ist etwas, was man von klein auf lernt, indem man die Erwachsenen nachahmt, und in deiner Familie wurde nie Wert auf gute Manieren gelegt.

Danach bist du sicherlich Karten spielen gegangen, wie jeden Abend, nur dass die rauen Hände deiner Freunde ein wenig länger auf deiner Schulter ruhten als sonst. Sie werden dir ein Bier angeboten und ein paar aufmunternde Worte gemurmelt haben, sie werden dich gefragt haben, ob Zaro leiden musste, ob er etwas gesagt hat oder wortlos gegangen ist, und du wirst geantwortet haben, dass er nichts gesagt hat, was hätte er auch sagen sollen. Dann haben die anderen vermutlich geschwiegen und zu Boden geschaut, und auch du hast auf deine Schuhe geschaut und zum tausendsten Mal an mich gedacht. Vielleicht hast du auch gewünscht, dass jemand meinen Namen ausspricht, dass die zwei Silben aus einem Mund mit nikotingelben Zähnen auf den Tisch purzeln, zusammen mit der Drei, die den Reiter, die Dame und den König schlägt. Sicherlich branntest du innerlich darauf, laut zu bekennen, dass du mich benachrichtigt hast, dass du dein Leben lang versucht hast, eine Brücke zwischen eurem und unserem Blut zu schlagen, ungeachtet der Wahrheit, die sowieso keiner jemals sicher wissen wird. Vielleicht war dein Vater auch der meine, aber das hat er immer bestritten, und die Folgen dieser Verweigerung haben wir alle am eigenen Leib erlebt.

Seitdem ist so viel Zeit vergangen, dass der Zaro von damals heute unser Sohn sein könnte, statt unser Vater. Deshalb hat vermutlich niemand zwischen den Billard-Queues und den Spieltischen meinen Namen ausgesprochen, und du wirst die Karten gemischt haben, als ob dein Magen nicht sauer sei nach fast sechzig Jahren unverdauter Geschichten. Wahrscheinlich hast du auf dem Nachhauseweg die Fäuste in den Hosentaschen geballt und die Augen auf deinen Schatten geheftet, und gebetet, dass der Schlaf rasch über dich käme, heute Nacht wie alle Nächte. Und als auch der Schlaf auf sich warten ließ, wirst du dir ein Gläschen genehmigt haben, das die Gedanken zähmt und die Fragen in Schach hält. Du wirst meine Abwesenheit empfunden haben wie einen Affront gegen dein Leben, und wirst deinen Vater dafür gehasst haben, dass er alle Antworten mit ins Grab nahm.

Ich hätte kommen können, Giovanni. Heute Nacht wenigstens hätte ich dir eine Schwester sein können. Ich hätte einen Flug buchen können, gestern, das wäre kein Problem gewesen. Aber an der Beerdigung des Vaters teilzunehmen, der mich nicht wollte, wäre unnatürlich. Und deshalb komme ich nicht.

Stattdessen habe ich in aller Herrgottsfrühe meinen Laptop eingesteckt und bin zum Père Lachaise gegangen.

Ich wollte aus der Ferne bei euch sein. Über die Beerdigung deines Vaters aus der Ruhe eines anderen Friedhofs schreiben, in der Schwebe zwischen Frankreich und Italien, wie ich es mein Leben lang gehalten habe.

Beim Grabmal von Colette wurde mir die Lächerlichkeit meiner Unternehmung bewusst. Ich verließ den Friedhof mit dem Vorsatz, mich aus meinem Viertel so weit wegzubegeben, dass ich näher an deinen Gedanken war als an meinen. Ohne einen Funken Ironie habe ich die Metro am Alexandre Dumas genommen und bin am Victor Hugo wi

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