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Wir sind nicht wir Roman von Thomas, Matthew (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2015
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Wir sind nicht wir

Ob in dem kleinen Apartment in Queens, in dem Eileen in den 1940er- und 50er-Jahren aufwächst, gelacht oder geweint wird, kommt ganz darauf an, wer gerade zu Besuch ist oder wieviel getrunken wird. Nicht ihre Eltern möchten, dass sie es einmal besser hat - sie selbst will dieser Enge unbedingt entfliehen. Als sie Ed Leary begegnet, einem jungen Wissenschaftler voller Sanftmut, scheint das Ersehnte so nah: ein schönes Haus, eine kleine Karriere, eine glückliche Familie. Doch was, wenn Träume in Erfüllung gehen, das Glück sich aber nicht hinzugesellt? Thomas erzählt nicht von Tellerwäschern und Millionären, sondern von ganz gewöhnlichen Menschen. Denn sie - die Mittelschicht - sind es, die Amerika zu einem mythischen Ort der Freiheit und Selbstverwirklichung gemacht haben. Aber so, wie wir längst wissen, dass dieser Mythos nur eine Chimäre war, erfahren auch Eileen, Ed und ihr Sohn Connell, wie schnell Sichergeglaubtes ins Wanken gerät. Dann stellen sich die drängenden Fragen: Was ist wirklich wichtig im Leben? Hat man ein Recht auf Glück? Und wer sind wir, wenn wir nicht mehr wir selbst sind? Matthew Thomas, in der New Yorker Bronx geboren und in Queens aufgewachsen, studierte an der Universität Chicago und Kalifornien. Er lebt mit seiner Frau und Zwillingen in New Jersey. 10 Jahre schrieb der ehemalige Highschool-Lehrer an seinem ersten Roman, und wurde dann mit 'Wir sind nicht wir' über Nacht zum umworbensten Autor des Jahres.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 896
    Erscheinungsdatum: 16.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827077981
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 1293 kBytes
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Wir sind nicht wir

2

Im Frühjahr 1952 verkündete ihre Mutter, dass sie schwanger war. Eileen staunte, denn sie hatte ihre Eltern nie auch nur Händchen halten sehen. Hätte sie nicht von ihrer Tante Kitty gewusst, dass die beiden sich aus einem irischen Tanzlokal kannten, wäre es für Eileen vorstellbar gewesen, dass ihre Eltern sich nie berührten. Doch jetzt war ihre Mutter schwanger. Wie andere Frauen. Die Welt steckte voller Geheimnisse.

Ihre Mutter kündigte den Job bei Bulova und strickte eine Babydecke. Als der letzte Wollfaden vernäht war, kam eine Mütze an die Reihe, der ein Pullover und Babyschühchen folgten. Alles in Kalkweiß. Sie verstaute die winzigen Kleidungsstücke in einer Schublade der Vitrine. Sie waren beinahe professionell gestrickt, engmaschig und in akkuraten Reihen. Eileen hatte nicht geahnt, dass ihre Mutter überhaupt stricken konnte, und hätte gerne gewusst, ob sie vielleicht schon in Irland Kleider für die Familie oder zum Verkauf angefertigt hatte, war aber schlau genug, nicht danach zu fragen. Sie brachte es auch nicht über sich, sie um Erlaubnis zu bitten, über die runde Wölbung ihres Bauches streicheln zu dürfen. Am nächsten kam sie dem Baby, wenn sie die Stricksachen in der Schublade betrachtete, über die glatten Maschen strich und sie an ihr Gesicht schmiegte.

Eines Abends, nachdem ihre Mutter zu Bett gegangen war, nahm sie die noch warmen Stricknadeln in die Hand, zwischen denen das zweite Schühchen baumelte, und versuchte sich das Baby vorzustellen, das ihr dabei helfen würde, die Wohnung mit Leben zu erfüllen. Sie würde es mit Küssen überhäufen. Aber immer schob sich das Bild ihrer Mutter davor - mit der skeptischen Miene, die sie zur Schau trug, wenn Eileen etwas Zärtlichkeit von ihr einforderte. Sie versenkte sich so lange in diese Vorstellung, bis das Gesicht ihrer Mutter von dem eines freudestrahlend jauchzenden Babys abgelöst wurde, und in dem Moment beschloss sie, dass ihre Beziehung zu ihm nichts mit ihren Eltern zu tun haben würde.

Eileen war so begeistert von der Aussicht, bald ein Geschwisterchen zu haben, dass sie körperlich zu spüren glaubte, wie ihr das Herz brach, als ihr Vater ihr mitteilte, dass ihre Mutter eine Fehlgeburt erlitten hatte. Weil auch eine Ausschabung die Blutung nicht stillen konnte, mussten die Ärzte ihr die Gebärmutter entfernen.

Danach bekam sie eine Blasenentzündung, gegen die sie schwefelhaltige Medikamente nehmen musste und an der sie beinahe starb. Da Kinder im Krankenhaus nicht gerne gesehen wurden, durfte Eileen ihre Mutter nicht einmal jeden Monat besuchen. In dieser Zeit, die sich über viele Wochen und schließlich weit über ein halbes Jahr hinzog, erwähnte ihr Vater ihre Mutter so gut wie nie. Wenn er Eileen mitnehmen wollte, sagte er irgendetwas Nebulöses wie: "Mach dich fertig. Wir gehen los." Von den Besuchen abgesehen war es, als sei ihre Mutter aus ihrem Leben getilgt worden.

Eileen fand schnell heraus, dass sie nicht von ihr sprechen sollte. Aber eines Abends, zwei Wochen nach Beginn der neuen Zeitrechnung, tat sie es aus Neugier auf die Reaktion ihres Vaters dennoch ein paarmal kurz hintereinander. "Das reicht jetzt", blaffte er sie an und stand auf. Nur mit Mühe hielt er seine Gefühle im Zaum. "Spül das Geschirr ab." Er ging hinaus, als sei es zu quälend, in einem Raum zu bleiben, wo von ihrer Mutter die Rede gewesen war. Dabei stritten sie sich doch dauernd! Die Beziehungen zwischen Männern und Frauen würde sie wohl nie verstehen.

Kochen und Saubermachen war von jetzt an ihre Sache. Ihr Vater ließ ihr Geld zum Einkaufen und für den Waschsalon da. Um frisches Gemüse zu besorgen, fuhr sie mit dem Rad zu einem der letzten Bauernhöfe in der Umgebung, und bald kochte sie die Gerichte nach, bei deren Zubereitung sie ihrer Mutter zugesehen hatte: geschmortes Rindfleisch mit Karotten und grünen Bohnen, marinierte Steaks, Sodabrot, Lammkoteletts mit Ofenkartoffeln. Sie lieh sich ein Kochbuch aus der B

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