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Wolfgang Borchert: Alle Werke, alle Schriften von Borchert, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2018
  • Verlag: EClassica
eBook (ePUB)
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Wolfgang Borchert: Alle Werke, alle Schriften

Gesamtausgabe: 'Draußen vor der Tür', 'Die Hundeblume', 'Das ist unser Manifest' u.v.a. Für die eBook-Ausgabe völlig neu überarbeitet und in aktualisierter Rechtschreibung Wolfgang Borchert (20. Mai 1921 - 20. November 1947) war zwölf Jahre alt, als die Nazis die Macht übernahmen, 18 Jahre, als der Zweite Weltkrieg begann, und 24, als er zum Schriftsteller wurde. Literarisch lag hinter ihm - symbolisch gesprochen - nichts. Nur Frontkämpfe, Kriegshorror, Verwundungen und Krankheiten. Borchert erfand die Literatur im Nachkriegsdeutschland für sich und andere neu. Das macht sein Werk so besonders. Das erschütternde Drama 'Draußen vor der Tür' traf wie kein anderes literarisches Werk jener Zeit das verstörte Deutschland ins Mark: Mit einem schonungslosen Einblick darüber, wie ein junger Mensch unter den Folgen des Naziregimes zerdrückt wurde - ohne Aussicht auf Besserung. So wurde auch Borchert selbst zerdrückt. Er starb am den Folgen der Kriegsstrapazen im November 1947 an Leberversagen - im Alter von nur 26 Jahren. © Redaktion eClassica, 2018 Wolfgang Borchert (20. Mai 1921-20. November 1947) war ein deutscher Schriftsteller. Sein schmales Werk von Kurzgeschichten, Gedichten und einem Theaterstück machte Borchert nach dem Zweiten Weltkrieg zum bekanntesten Autor der ?Trümmerliteratur?. Das Heimkehrerdrama ?Draußen vor der Tür? traf in der Nachkriegszeit das deutsche Publikum ins Mark.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 420
    Erscheinungsdatum: 01.01.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783963611889
    Verlag: EClassica
    Größe: 451 kBytes
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Wolfgang Borchert: Alle Werke, alle Schriften

Die Hundeblume und andere Erzählungen

Und wer fängt uns auf? Gott?

Die Hundeblume

Die Tür ging hinter mir zu. Das hat man wohl öfter, dass eine Tür hinter einem zugemacht wird - auch dass sie abgeschlossen wird, kann man sich vorstellen. Haustüren zum Beispiel werden abgeschlossen, und man ist dann entweder drinnen oder draußen. Auch Haustüren haben etwas so Endgültiges, Abschließendes, Auslieferndes. Und nun ist die Tür hinter mir zugeschoben, ja, geschoben, denn es ist eine unwahrscheinlich dicke Tür, die man nicht zuschlagen kann. Eine hässliche Tür mit der Nummer 432. Das ist das Besondere an dieser Tür, dass sie eine Nummer hat und mit Eisenblech beschlagen ist - das macht sie so stolz und unnahbar; denn sie lässt sich auf nichts ein, und die inbrünstigen Gebete rühren sie nicht.

Und nun hat man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt hat man mich mit diesem Wesen, vor dem ich am meisten Angst habe: Vor mir selbst.

Weißt du, wie das ist, wenn du dir selbst überlassen wirst, wenn du mit dir allein gelassen bist, dir selbst ausgeliefert bist? Ich kann nicht sagen, dass es unbedingt furchtbar ist, aber es ist eines der tollsten Abenteuer, die wir auf dieser Welt haben können: Sich selbst zu begegnen. So begegnen wie hier in der Zelle 432: nackt, hilflos, konzentriert auf nichts als auf sich selbst, ohne Attribut und Ablenkung und ohne die Möglichkeit einer Tat. Und das ist das Entwürdigendste: Ganz ohne die Möglichkeit zu einer Tat zu sein. Keine Flasche zum Trinken oder zum Zerschmettern zu haben, kein Handtuch zum Aufhängen, kein Messer zum Ausbrechen oder zum Aderndurchschneiden, keine Feder zum Schreiben - nichts zu haben als sich selbst.

Das ist verdammt wenig in einem leeren Raum mit vier nackten Wänden. Das ist weniger als die Spinne hat, die sich ein Gerüst aus dem Hintern drängt und ihr Leben daran riskieren kann, zwischen Absturz und Auffangen wagen kann. Welcher Faden fängt uns auf, wenn wir abstürzen?

Unsere eigene Kraft? Fängt ein Gott uns auf? Gott, was ist das? Ist das die Kraft, die einen Baum wachsen und einen Vogel fliegen lässt - ist Gott das Leben? Dann fängt er uns wohl manchmal auf - wenn wir wollen.

Als die Sonne ihre Finger von dem Fenstergitter nahm und die Nacht aus den Ecken kroch, trat etwas aus dem Dunkel auf mich zu - und ich dachte, es wäre Gott. Hatte jemand die Tür geöffnet - war ich nicht mehr allein? Ich fühlte, es ist etwas da, und das atmet und wächst. Die Zelle wurde zu eng - ich fühlte, dass die Mauern weichen mussten vor diesem, das da war und das ich Gott nannte.

Du, Nummer 432, Menschlein - lass dich nicht besoffen machen von der Nacht! Deine Angst ist mit dir in der Zelle, sonst nichts. Die Angst und die Nacht. Aber die Angst ist ein Ungeheuer, und die Nacht kann furchtbar werden wie ein Gespenst, wenn wir mit ihr allein sind.

Da trudelte der Mond über die Dächer und leuchtete die Wände ab. Affe, du! Die Wände sind so eng wie je, und deine Zelle ist leer wie eine Apfelsinenschale. Gott, den sie den Guten nennen, ist nicht da. Und was da war, das was sprach, war in dir. Vielleicht war es ein Gott aus dir - du warst es! Denn du bist auch Gott, alle, auch die Spinne und die Makrele sind Gott. Gott ist das Leben - das ist alles. Das ist so viel, dass er nicht mehr sein kann. Denn sonst ist nichts. Aber dieses Nichts überwältigt uns oft.

Die Zellentür war so zu wie eine Nuss - als ob sie nie offen war, und von der man wusste, dass sie allein nicht aufging - dass sie aufgebrochen werden musste. So zu war die Tür. Und ich stürzte, mit mir allein gelassen, ins Bodenlose. Aber da schrie mich die Spinne an wie ein Feldwebel: Schwächling!

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