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Wolkenbruch im siebten Himmel Roman von Thewes, Michaela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2017
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Wolkenbruch im siebten Himmel

Um Himmels willen! Majas Wahrsagerin sieht in ihrer Kristallkugel - nichts! Maja weiß, was das bedeutet: Sie muss bald sterben. Was soll dann nur aus ihrem Mann Oliver und ihren beiden Teenagern werden? Klarer Fall: Eine neue Frau für Oliver muss her! Gemeinsam mit ihren Freundinnen macht Maja sich auf die Suche. Dass sie selbst sich dabei Hals über Kopf in den smarten Torben verliebt, war jedoch nicht vorgesehen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 05.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783962150204
    Verlag: Edel Elements
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Wolkenbruch im siebten Himmel

Kapitel 1

"Ich nix sehen."

"Wie bitte?"

"Mir tut leid. Ich nix sehen", wiederholte Tatjana bedauernd.

Mit meinen Ohren war also alles in bester Ordnung. Aber wie stand es um Tatjanas Augen? Vielleicht brauchte sie eine Brille. Sie war schließlich auch nicht mehr die Jüngste. Einer Wahrsagerin zu raten, mal einen Optiker aufzusuchen, wäre mir allerdings irgendwie unpassend, ja fast schon beleidigend erschienen. Die Frau konnte schließlich die Zukunft vorhersagen, da würde sie doch wohl wissen, wann es an der Zeit für eine profane Sehhilfe war. Oder etwa nicht?!

"Könnten wir ... Also ich meine, könnten Sie es nicht noch einmal versuchen?", krächzte ich nervös.

Scheinbar unschlüssig, ob sie meinem Wunsch nachkommen sollte, neigte Tatjana bedächtig den Kopf zur Seite. Ob das eine Masche war, um das Honorar in die Höhe zu treiben? Doch bevor ich ihr mehr Geld anbieten oder mit dem Gewerbeamt drohen konnte, nickte sie mit einem gequälten Seufzer.

"Okay, noch letzte Versuch."

Tatjana kniff die Augen zusammen und beugte sich erneut über ihre Kristallkugel. Entgegen der Vorstellung, die man im Allgemeinen von einer Wahrsagerin hat, fielen ihr die Haare dabei keineswegs in wirren Locken über die Schultern, sondern waren zu einem ordentlichen Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihr Schmuck hingegen entsprach schon eher den gängigen Klischees. An Tatjanas Ohrläppchen baumelten riesige goldene Creolen, die man ohne Weiteres als Hula-Hoop-Reifen hätte benutzen können. Und sie trug mindestens ein halbes Dutzend langer Ketten, die im schwachen Lampenschein mit unzähligen Armreifen um die Wette glitzerten.

Möglicherweise liegt es an der Beleuchtung, kam es mir in den Sinn, während ich mit klopfendem Herzen darauf wartete, dass Tatjana etwas sagte. Es war wirklich verdammt schummrig hier drinnen. Die Vorhänge waren zugezogen, der Raum wurde lediglich von zwei kleinen IKEA-Funzeln, die zweifelsohne mit Energiesparlampen bestückt waren, erleuchtet. Aber das war bei meinen letzten Besuchen auch kein Problem gewesen. Was also war heute anders?

Vor Anspannung krallte ich meine Fingernägel in die Handfläche. Bei allem Respekt vor Tatjanas hellseherischen Fähigkeiten: Es konnte doch nicht sein, dass in meinem Leben GAR NICHTS passierte! Zugegeben - mit einem Ehemann, einem Häuschen, einem Kombi und zwei mehr oder weniger wohlgeratenen Kindern, die aus dem Gröbsten raus waren, erschien es auf den ersten Blick nicht besonders aufregend. Aber was war beispielsweise mit meinem immerwährenden Kampf gegen die Allianz des Bösen - Wühlmäuse und Schnecken -, den ich im heimischen Garten ausfocht? Oder mit den terroristischen Anschlägen verbaler Natur, denen ich ständig durch meine Mutter ausgesetzt war? Sooo ereignislos war mein Leben gar nicht, und meine Zukunft doch sicher auch nicht ...

Die Wahrsagerin legte hochkonzentriert die Stirn in Falten. Dann räusperte sie sich und blickte von ihrer Kugel auf. Doch anstatt mich anzusehen, ließ sie ihre Augen über das Regal mit den Quarzen und Edelsteinen wandern, das rechts von uns an der Wand hing.

"Wie ich sagen: Ich nix sehen."

"Ja, aber ... aber ... aber das kann doch nicht sein", stotterte ich verwirrt.

Tatjana seufzte. "Leider doch."

Auf alles war ich vorbereitet gewesen - auch auf schlechte Zukunftsprognosen. Gar nichts zu erfahren war allerdings, wie ich jetzt feststellen musste, mindestens genauso schlimm. Tatjana wollte mich doch wohl nicht einfach unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken?!?

Sie wollte nicht nur, sie tat es. Indem sie aufstand und die Vorhänge zurückzog, gab sie mir zu verstehen, dass unsere Sitzung hiermit beendet war.

Widerstrebend erhob ich mich von meinem Stuhl. Was hätte ich auch anderes tun sollen? Mich am Tisch festketten und darauf bestehen, dass sie gefälligst so lange auf ihre dämliche Kugel zu starren hatte, bis sie etwas sehen konnte?

A

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