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Wovor wir fliehen Roman von Magden, Perihan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2010
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Wovor wir fliehen

Sie wirkt wie eine ganz normale, moderne junge Türkin, wenn sie auch schöner ist als die meisten Teenagermädchen. Aber das Leben, das sie führt, ist außergewöhnlich. Seit sie denken kann, ist sie zusammen mit ihrer Mutter auf der Flucht. Von Hotel zu Hotel hetzen die beiden, von Land zu Land, getrieben von Verfolgern ohne Gesicht, von den inneren Dämonen der Mutter. Keiner darf ihnen zu nahe kommen, mit blindwütiger Entschlossenheit und notfalls mit Gewalt hält die Ältere die Außenwelt von der Jüngeren fern. Die Tochter wächst zur Vertrauten heran, zur einzigen Stütze. Und schließlich zur Komplizin. Nach ihrem Kultbuch Zwei Mädchen. Istanbul-Story der neue Roman der türkischen Bestsellerautorin Perihan Magden: die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, beklemmend, packend und anrührend.

Perihan Magden, geboren 1960 in Istanbul, Ehrenmitglied des englischen PEN, ist eine der wichtigsten Schriftstellerinnen in der jüngeren türkischen Literatur. Durch ihre kontrovers diskutierten Kolumnen in der Zeitung Radikal wurde sie einem breiten Publikum bekannt. Als freie Autorin lebt sie zusammen mit ihrer Tochter in Istanbul.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 239
    Erscheinungsdatum: 16.11.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518738009
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Biz kimden kaciyorduk Anne?
    Größe: 2073kBytes
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Wovor wir fliehen

Das Mädchen an der Rezeption

Natürlich sind sie mir aufgefallen.

Sie können einem unmöglich nicht auffallen.

Eine Mutter und ihre Tochter. Sie sind ja auch lang geblieben.

Weil sie nämlich so lang geblieben sind, haben sie gegen Ende sogar schon angefangen, uns nicht mehr aufzufallen.

Da hatten wir uns an sie gewöhnt.

Als es dann zu diesem Vorfall kam und sie Hals über Kopf gegangen sind, also abgehauen, haben wir uns alle gesagt: "Es war ja klar, dass was passieren würde."

So denkt man doch immer, im Nachhinein. Also wenn was ganz Unerwartetes passiert. Dann denkt man doch, das hätte man von Anfang an gewusst oder erwartet.

Vor allem, dass die beiden so gar nicht zueinander gepasst haben, dass sie so ungleich waren, dass da eben was nicht stimmte ...

Was weiß ich, wenn man sie zum ersten Mal sieht, denkt man das einfach.

Okay, bloß weil sie Mutter und Tochter sind, muss ja nicht gleich die eine die kleinere, kindliche Form von der anderen sein. Eine Mutter und eine Tochter können sich auch überhaupt nicht ähnlich sehen.

Aber diese zwei, also diese Mutter und diese Tochter ... ich glaube, der Poolboy hat das gesagt. Ich erinnere mich nicht mehr, wer genau das gesagt hat. Ich weiß nur noch, dass unter uns darüber gesprochen wurde, als sie das erste Mal hier waren.

Einer hat gesagt: "Die Frau da soll dieses Mädchen gemacht haben?" Der Poolboy, ja. Der hat das gesagt.

Gemacht , das Wort benutzt man halt so.

Später haben wir uns wohl an sie gewöhnt. Da haben wir weniger von ihnen geredet. Nur wenn wir was Komisches gesehen haben, haben wir darüber gesprochen.

Getan haben die eigentlich gar nichts Komisches. Die waren ja so schon komisch genug.

Wie soll ich sagen: Die schienen sich ziemlich anzustrengen, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Übermäßig anzustrengen.

Also besonders die Mutter.

Immer so, als würde sie sich verstecken. Sich vor allen verkriechen.

Das Mädchen konnte sowieso unmöglich nicht auffallen.

Ich sag's mal so: Sie war das schönste Mädchen, das ich je gesehen habe.

Sie war wirklich das schönste Mädchen, das ich je gesehen habe, inklusive der Mädchen aus den Filmen und so.

Dieses Mädchen nicht anzusehen, wenn sie da war, wenn sie zum Pool ging oder zurück, wenn sie zum Frühstück oder zum Essen runterkamen, wenn sie vom Spaziergang zurückkamen, eben immer, wenn sie an uns vorbeigekommen sind ...

Weil die Rezeption direkt gegenüber der Eingangstür liegt – das ist ja in allen Hotels so –, sehen wir die Gäste am häufigsten.

Ob wir wollen oder nicht.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich zu viele Menschen sehe, zu viel Kommen und Gehen, zu viel Rein und Raus.

Dann sage ich mir: "Ich möchte überhaupt niemanden mehr sehen."

Aber so einen Luxus gibt's hier natürlich nicht! Man sieht alles, registriert alles. Wer reinkommt, wer rausgeht, wer sich umgezogen hat, wer sich die Kante gegeben hat, wer einen durchgestellten Anruf nicht verkraftet, wer es nicht rechtzeitig zum Frühstück schafft und garantiert später mit weinerlicher Stimme ein Continental Breakfast bestellen wird, wer ungeduldig auf seine Hemden wartet, die in der Reinigung sind, und seinen Ärger

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