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Zadig oder das Geschick Eine morgenländische Geschichte. von Voltaire (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: Books on Demand
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Zadig oder das Geschick

"Zadig oder das Geschick" (Zadig ou la destinée, Histoire orientale) ist eine philosophische Erzählung von Voltaire aus dem Jahr 1747. Der zu den so genannten "kleinen Romanen" gehörende Zadig erzählt im Stil von Tausendundeine Nacht die wechselvollen Abenteuer eines jungen, tugendhaften Babyloniers, den himmlische Fügung - die sich ihm zuletzt als geflügelter Cherub entschleiert - zu einem glorreichen, glücklichen Ende führt. Die satirische Darstellung entlarvt den religiösen Fanatismus und den Machtmissbrauch in der französischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und wirft die Frage nach Glück und Gerechtigkeit auf.

Voltaire (eigentlich François-Marie Arouet, 1694 - 1778) war ein französischer Philosoph und Schriftsteller. Er ist einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung. In Frankreich nennt man das 18. Jahrhundert auch 'das Jahrhundert Voltaires" (le siècle de Voltaire). Viele seiner Werke erlebten in rascher Folge mehrere Auflagen und wurden häufig auch umgehend in andere europäische Sprachen übersetzt. Voltaire verfügte über hervorragende Kenntnisse der englischen und der italienischen Sprache und veröffentlichte darin auch einige Texte. Er verbrachte einen beträchtlichen Teil seines Lebens ausserhalb Frankreichs und kannte die Niederlande, England, Deutschland und die Schweiz aus eigener Erfahrung. Mit seiner Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft sowie am weltanschaulichen Monopol der katholischen Kirche war Voltaire ein Vordenker der Aufklärung und ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. In der Darstellung und Verteidigung dessen, was er für richtig hielt, zeigte er ein umfangreiches Wissen und Einfühlungsvermögen in die Vorstellungen seiner zeitgenössischen Leser. Sein präziser und allgemein verständlicher Stil, sein oft sarkastischer Witz und seine Kunst der Ironie gelten oft als unübertroffen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842342583
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 551kBytes
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Zadig oder das Geschick

Zadig oder das Geschick

Sadis Widmungsbrief an die Sultanin Scheraa.

Am 18. des Monats Schewal im Jahre der Hedschra 837.

Freude der Augen, Qual der Herzen, Licht des Geistes, ich kann den Staub Deiner Füße nicht küssen, denn Du gehest kaum; so Du aber gehest, so wandelst Du auf Teppichen von Iran. Ich bringe Dir die Übersetzung eines Buches dar, das ein alter Weiser geschrieben hat. Er war so glücklich, nichts zu tun zu haben, und so ergötzte er sich denn damit, die Geschichte Zadigs zu schreiben, ein Werk, das mehr enthält, als man zunächst glauben möchte. Ich bitte Dich, es zu lesen und ein Urteil darüber zu fällen; denn wenn Du auch noch im Frühling Deines Lebens stehest, wenn auch alle Freuden Dich suchen, und Du schön bist und gar viele Gaben Deine Schönheit zieren, wenn man Dich auch vom Morgen bis zum Abend preiset und lobt, und Du aus allen diesen Gründen um Deinen gesunden Verstand hättest kommen können, so ist dennoch Dein Geist tief und weise, Dein Geschmack zart und fein, und ich habe Dich verständiger reden hören, als die ältesten Derwische mit den längsten Bärten und spitzesten Mützen. Du bist zurückhaltend, aber nicht mißtrauisch, mild, aber nicht schwach, wohltätig, aber mit Unterschied, Du liebst Deine Freunde und machst Dir keine Feinde. Dein Geist borgt seine Reize niemals dem Spotte und der Verleumdung ab.

Du sagst weder das Böse, noch tust Du es, so wunderbar leicht es Dir auch gemacht sein möchte. Kurz, Deine Seele hat mich stets so rein dünken wollen wie Deine Schönheit. Du besitzest sogar eine kleine Neigung zur Philosophie, und das hat mich zu dem Glauben gebracht, Du möchtest an dem Werke eines Weisen vielleicht mehr Geschmack finden als andere Sterbliche.

Es wurde zunächst auf altchaldäisch geschrieben, was weder Du noch ich verstehen; dann übersetzte man es ins Arabische, um dem berühmten Sultan Ulugh-Bek gefällig zu sein. Es geschah um die Zeit, da die Araber und die Perser anfingen, ihre tausendundein Nächte und ihre tausendundein Tage, und was dergleichen mehr ist, zu schreiben. Ulugh hörte lieber den Zadig, die Sultaninnen dagegen waren ganz in die Tausendundein verliebt. "Wie könnt ihr nur," sagte der weise Ulugh, "Geschichten den Vorzug geben, in denen keine Vernunft herrscht und die nichts zu bedeuten haben?" "Eben deshalb haben wir sie ja so gern", erwiderten die Sultaninnen.

Ich schmeichle mir, Du wirst ihnen nicht ähnlich, sondern vielmehr ein echter Ulugh sein! Ich hoffe sogar, daß sich die eine oder die andere Minute finden soll, in der mir die Ehre zuteil werden wird, mich vernünftig mit Dir zu unterreden, wenn Du der gewöhnlichen Unterhaltungen überdrüssig bist, welche ja den Tausendundein ziemlich ähnlich klingen, nur daß sie weit weniger ergötzlich sind. Wärest Du Thalestris zu Zeiten Skanders, des Sohnes Philipps, gewesen oder die Königin von Saba zur Zeit Suleimans, so hätten diese Könige sich wohl zu Dir auf den Weg gemacht.

Ich bitte die himmlischen Mächte, daß Deine Freude ungetrübt, Deine Schönheit beständig und Dein Glück ohne Ende sein möge.

Sadi .

Erstes Kapitel: Der Einäugige.

Zur Zeit König Moabdars lebte in Babylon ein junger Mann namens Zadig, dessen schöne, natürliche Anlagen durch seine Erziehung gefestigt und entwickelt worden waren. Obgleich er reich und noch jung war, wußte er doch seine Leidenschaften zu bändigen. Er wollte nichts vorstellen, wollte nicht stets recht haben, und wußte die Schwächen der Menschen zu achten. Es war erstaunlich zu sehen, wie er trotz seines reichen Verstandes die weitschweifenden, unzusammenhängenden Reden, die frechen Verleumdungen, die törichten Urteile, die groben Unflätigkeiten, den ganzen eitlen Wortschwall, den man zu Babylon Unterhaltung nannte, mit seinem Spotte geißelte. Er hatte aus dem ersten Buche Zoroasters gelernt, daß die Eigenliebe ein windgefüllter Schlauch sei, aus dem Stü

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