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Zehn Tage im Februar Roman von Fendel, Heike-Melba (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.01.2017
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Zehn Tage im Februar

10 Tage im Februar: Ein Mann verlässt seine Frau, und die Frau geht ins Kino. Denn das Karussell der Liebe hat sie nie wirklich interessiert, sondern immer nur der nächste Film. Wie konnte es da passieren, dass sich ihr Leben zu einem müden Melodrama entwickelt hat? Es gibt nur eine Person, die ihr helfen kann: die große Regisseurin Jane Campion. 'Die Liebe ist stärker als der Tod, sagt Maupassant. Das Kino ist stärker als die Liebe, sagt Fendel. Ein extravaganter Roman über die Fallstricke hemmungsloser Liebesverkennung.' Hanns Zischler 'Es gibt diese Bücher, aus denen man den Blick hebt und sieht: Das Irrlichtern der Gefühle darf nie enden. Hier ist eins davon.' Peter Glaser Heike-Melba Fendel schreibt Essays, Storys und Kritiken für diverse Publikationen und ist Kolumnistin bei Zeit Online. Sie leitet die Künstler- und Veranstaltungsagentur Barbarella Entertainment. 2009 erschien ihr Roman 'nur die - Ein Leben in 99 Geschichten'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 19.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841212832
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2587 kBytes
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Zehn Tage im Februar

Eins

Als ich ein paar Stunden vor der feierlichen Eröffnung der Filmfestspiele nach Hause komme, ist der Mann nicht da. Die sorgsam formatierte Nachricht hat er mit Bleistift auf den Notizblock geschrieben, von dem wir samstags die Einkaufsliste für den Biosupermarkt abreißen: "Ziehe für zehn Tage zu Sepp, das ist besser für uns beide."

Sepp ist ein Linguist, der über die Handhabung von Plural und Nichtplural in unterschiedlichen Sprachen promoviert hat. Warum es etwa im Englischen "The Police are coming" heißt, im Deutschen aber "Die Polizei kommt". Der Mann findet das interessant. Eine ordentliche Stelle hat der Sepp trotzdem nicht. Dafür ein Gästebett in seiner Zweizimmerwohnung im Wedding.

Den Block hat der Mann auf der Schlüsselablage im Hausflur platziert. Damit ich gleich Bescheid weiß. Damit ich nicht "Hallo!" in das leere Haus rufe, während ich meine Handschuhe ausziehe.

Ich rufe aber nie "Hallo!", ich trage keine Handschuhe, und Bescheid weiß ich keinesfalls, nachdem ich diesen Satz gelesen habe, den er ohne Gruß und ohne Unterschrift fest auf das Papier gedrückt hat.

"Besser für uns beide." Ich werfe meine Tasche in den Flur und nehme seine Notiz mit ins Esszimmer. Das Frühstück hat er abgeräumt, den Tisch abgewischt. Ich rücke die Tischdekoration zurecht, sinke auf den Stuhl und blicke ins Leere.

Gestern Abend sah der Mann wortlos fern, als ich aus dem Büro kam. Ich begann, an den blau-gold changierenden Georgettegardinen zu zupfen. Schön sind sie, wie alles in unserem Haus. Ich zupfte die Gardinen an den Fenstern Richtung Adolf-Scheidt-Platz, dann trat ich hinter das Mogensen-Sofa mit den golden schimmernden Polstern, die ganz wunderbar mit den Gardinen harmonieren, und zupfte dort weiter.

Für den wuchtigen Körper des Mannes ist es kein geeignetes Sofa, das ich da ausgesucht habe. Es ist hübsch, aber fragil. Der Mann hat sich darüber nie beschwert, er beult es stillschweigend aus.

Er kritisiert mich selten, damit ich aufhöre, ihn zu kritisieren. Dabei mag ich Kritik. "Oh", sage ich, wenn sie ihm doch einmal unterläuft, "Oh, danke! Das stört dich also, dann lasse ich es."

Ich meine das. Ich will ja nicht so bleiben, wie ich bin. Weil er aber im Großen und Ganzen so bleiben will, wie er ist oder mindestens wie er sein Selbstbild scharfgestellt hat, will er auch keine Korrekturen an mir einfordern. Dabei würde ich dieses Zupfen sofort und für immer unterlassen, wenn er nicht stur auf den Fernseher starrte. So aber zupfte ich weiter hinter dem Sofa herum, das er ausbeulte, ohne mich zu sehen.

Weil er mich nie sieht. "Nie" und "immer" soll man in Beziehungen ja nicht sagen. Ich sage beides ständig, meiner Unruhe wegen. Werde ich unruhig, verschiebt er mich in seinen toten Winkel. Immer ist das so. Nie ist das anders.

Unsichtbar, wie ich bin, muss ich mir Gehör verschaffen. Ich schreie und schreie, aber so ein toter Winkel ist auch mit Gebrüll nicht wiederzubeleben.

Ich solle mir mal zuhören, sagte er. Wenn ich mich doch nur selber hören könnte. Er unterschätzt mein Gedächtnis.

Einmal hat er mein Geschrei heimlich mit dem iPhone mitgeschnitten. Ich bestand darauf, dass er das löscht. Er versprach es. Ich glaube nicht, dass er es gemacht hat. Er braucht Belege technischer Art. Er braucht Beweise, die über das Erinnern triumphieren, das er nicht beherrscht. Geschehenes entgleitet ihm, wie ich einer Version von mir entglitten bin, die ihm Freude gemacht hätte, weil sie ihm mit Respekt begegnet. Diesen Respekt wirklich zu genießen hätten ihm seine Selbstzweifel allerdings rasch vermiest.

Der Abend war im Eimer, die Nacht blieb ohne Versöhnung, und heute Morgen ging dem Mann der letzte Rest Zuversicht verloren. Vor seinem Herman-Miller-Schreibtisch auf die Knie gerutscht, schluchzte er haltlos. Dann musste er los. Er hatte zu tun.

Ich hole meinen Rechner an den Esstisch, klappe ihn auf und starre auf das vi

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