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Zeit der Pflaumen von Nganang, Patrice (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2014
  • Verlag: Peter Hammer Verlag
eBook (ePUB)
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Zeit der Pflaumen

Wieder einmal erzählt Patrice Nganang die Geschichte seiner Heimat Kamerun mit literarischen Mitteln neu. Zeit der Pflaumen setzt im August 1940 ein, als für Kamerun der Zweite Weltkrieg beginnt und erzählt, wie sein Beben das Land im Zentrum Afrikas erschüttert und das Leben der Menschen tiefgreifend verändert. An verschiedenen Schauplätzen verfolgt der Roman das turbulente Schicksal der Bewohner des Dorfes Edea im Süden Kameruns. Da ist zum einen die abenteuerlich-absurde Geschichte von vier jungen Männern, die sich als Soldaten von der französischen Armee anwerben lassen und im Wüstenkrieg gegen Italiener und Deutsche als Kanonenfutter verheizt werden. Zum anderen das wechselhafte Schicksal dreier Freunde, ihrer Frauen und Familien, deren Alltag heimgesucht wird von Gewalt und Verlust und in dem doch auch fortlebt, was immer war: Lebenslust, Erotik, Freundschaft und das Weiterspinnen der eigenen Träume. Wie die Menschen von Edea hineingeraten in die Ereignisse des Krieges und wie sie im Verborgenen ihre Ideen von Protest, Hoffnung und Unabhängigkeit vorantreiben, erzählt Patrice Nganang mit grimmigem Humor und in einer burlesken und bilderreichen Sprache, die in ihrer Meisterschaft dem großen literarischen Vorbild Ahmadou Kourouma ebenbürtig ist.

Patrice Nganang, 1970 in Yaoundé/Kamerun geboren, studierte in Yaoundé, Frankfurt und Berlin Literaturwissenschaft und promovierte mit einer Arbeit über Soyinka und Brecht. Seit 2000 lebt er in den USA, wo er an der Stony Brook University im Bundesstaat New York lehrt. Sein Roman Temps de chien (Hundezeiten, Peter Hammer Verlag, 2003, 2. Aufl.) wurde mit dem 'Prix Littéraire MargueriteYourcenar' und mit dem 'Grand Prix Littéraire de L'Afrique noire' ausgezeichnet. 'Mont Plaisant' (dt. Der Schatten des Sultans, Peter Hammer Verlag, 2012) stand auf der Short List des 'Prix des 5 Continents'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 25.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783779505099
    Verlag: Peter Hammer Verlag
    Größe: 3911kBytes
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Zeit der Pflaumen

5
Wie Cousins aus der Sage

Hebga war ein junger Mann in den Zwanzigern. Seine ausgeprägte Brustmuskulatur, auf der sich ein paar Haarbüschel unterscheiden ließen, stellte eine echte Herausforderung dar. Seine geflochtenen Haare, die durch einen Mittelscheitel geteilt wurden, ein Überbleibsel eines deutschen Haarschnitts, gaben ihm eine Eleganz, die das aufgebauschte Tuch unterstrich, das er großzügig zwischen seinen Beinen hindurch geschwungen und um die Hüften verknotet hatte. Für Pouka war er ein Adoptivbruder und war es immer gewesen. Was die beiden vereinte, hatte etwas von der mysteriösen Bindung im ländlichen Afrika, die stärker war als das Blut, das den Schreiber mit den fünfzig anderen Kindern seines Vaters verband, verdankte sich in Wirklichkeit aber der Hartnäckigkeit einer Frau. Denn Pouka war eigentlich von Sita erzogen worden, Hebgas Mutter, der ältesten Schwester seines Vaters, und für die Einwohner von Edea Mutter des Marktes. Sie hatte es nie ertragen können, dass sie nur ein Kind hatte, und den erstgeborenen Sohn ihres Bruders angenommen, als wäre er ihr zweiter. Dies geschah ganz im Sinne des jungen Pouka, der sich über seinen älteren Adoptivbruder freute, da er keinen leiblichen hatte.

Die Verbindung zwischen beiden Jungen war in den Tiefen des Waldes geknüpft worden. Nach dem Tod des Vaters hatte Hebga Holzfäller werden müssen. Damals war er erst sechzehn Jahre alt. Dass ein Irokobaum ihn zur Waise gemacht hatte, hatte ihm, wie es schien, ein unstillbares Verlangen nach Rache eingegeben. Der Wald war von seinen zahllosen Feinden bevölkert. Allein stellte er sich dem Baumstamm gegenüber, dort, wo es normalerweise einer Legion von Männern bedurfte, um einen Stamm zu fällen. Pouka folgte ihm immer in die Wildnis, wobei er auf seinem Kopf Essen und Wasser trug, die Hebga Kraft gaben. Wenn Hebga seinen Kampf mit dem auserwählten Baum begann, rief Pouka ihm Worte der Ermutigung zu und stimmte manchmal Psalmen an, die seine Anstrengung verdoppelten. Ihre Verbindung stützte sich bald auf regelmäßige Gesänge und Seufzer, anfeuernde Worte und Mühen, und war bald so eng, dass man kaum sagen konnte, wer den anderen am meisten benötigte.

Es war daher nur eine Frage der Zeit, dass die Tatkraft und der Schwung dieser Bruderschaft von Schweiß und Wort bekannt wurden. Edea wachte eines Morgens von lauten Stimmen auf, die ankündigten, dass Boxchampions ins Dorf kommen würden. Das war nichts Besonderes, denn mehrmals in der Trockenzeit fuhr die Eisenbahngesellschaft über Land, um ihr Spektakel vorzuführen und Geld einzusammeln. Die Beteiligten waren ebenso Schauspieler wie abgefeimte Sportler, die von einem durchtriebenen Manager trainiert wurden, einem Franzosen obendrein, der begriffen hatte, welchen Vorteil er aus der Inszenierung spektakulärer, doch vorgegaukelter Kämpfe ziehen konnte. Den Dorfbewohnern eröffnete er eine Gelegenheit, aus ihrem tristen Alltag auszubrechen. Zwei Kraftprotze schlugen sich unter dem Beifall der Meute die Köpfe ein, während die Frauen ihren Kindern die Augen zuhielten und die männliche Torheit verfluchten. Die Männer sahen lieber den Boxkämpfen zu als dem Wanderkino, das die katholische Kirche organisierte, denn mit der Zeit brachten Abbé Jeans Filme nur noch die Kinder zum Lachen. Also stieg die Nachfrage nach dem Boxen; die Gesellschaft machte sich die Kampfpausen zunutze und erhöhte die Wetteinsätze.

Eines Tages passierte jedoch Folgendes: Einer in der Menge, ein Knabe, schüttelte sich vor Lachen, als der Ringrichter die Hand des von ihm zum Sieger Erklärten in die Höhe riss. Welches Insekt hatte Pouka gestochen? Er hörte nicht auf mit seinem despektierlichen Gel&au

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