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Zeit für ein neues Leben Leben in der Nature-Zone von Lemke, Bettina-Christin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.08.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Zeit für ein neues Leben

Deutschland hat sich in der nahen Zukunft in fünf Zonen aufgeteilt. Menschen wollten nach ihren eigenen Vorstellungen leben und durch die zunehmende Verstädterung wurde es möglich, ländliche Flächen entsprechend zu nutzen. Als erstes bildete sich die Nature-Zone. Die Menschen leben hier im Einklang mit der Natur und versuchen, sich weitgehend selber zu versorgen. Geld und Besitz wurden abgeschafft. Victoria Licht wurde der Safe-Zone verwiesen und hat nun ein neues Leben in der Nature-Zone begonnen. Zunächst wirkt alles harmonisch. Sie liebt diese Art zu leben: Die Ruhe, die Harmonie und die Authentizität der Mitmenschen. Die heile Welt bekommt für Victoria jedoch immer mehr Risse. Obwohl sie sich redlich darum bemüht ihr Paradies zu erhalten, ereilen sie Schicksalsschläge, mit denen sie umgehen muss. Bettina-Christin Lemke, Autorin mehrer Romane und Sachbücher lebt in Hannover.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 24.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741286889
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1123 kBytes
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Zeit für ein neues Leben

1.

Bevor Victoria zum gemeinsamen Essen ging, wollte sie noch schnell einen Blick auf die frisch eingesetzten Kamillenpflanzen werfen. Nach dem vorherigen starken Regen hatten sie sich jetzt hoffentlich wieder erholt. Der Mai hatte sich bisher unbeständig gezeigt. Aber nun schien die Sonne. Tief die frische Landluft einatmend war sie einfach nur glücklich darüber, keine anderen Sorgen, als das Gedeihen eines Teebeets zu haben.

Es war, als wäre sie aus einem bösen Traum erwacht. Nur ungern dachte sie an ihr früheres Leben als angesehene leicht gestresste Bürgerin mit einem gutbezahlten Job, als Ehefrau und Mutter in edlen Stoffen gekleidet und immer unglücklicher werdend.

Jetzt trug sie eine einfache Baumwollbluse zu einer Jeans, die ihre schlanke durchtrainierte Gestalt eher verhüllte als betonte. Die schulterlangen braunen Haare hatte sie zu einem Knoten gebunden und ihr Gesicht hatte schon lange kein Make-up mehr gesehen. Es war hier nicht wichtig, ein schickes Kleid zu tragen, perfekt geschwungene Augenbrauen oder schwindelerregend hohe Schuhe zur Schau zu stellen. Hier zählten andere Dinge: Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit.

Nun war die Nature-Zone ihr Zuhause. Statt in dem schicken Appartement, ästhetisch und technisch perfekt gestaltet, lebte sie nun in einem Miniholzhaus: Unten 22 qm Wohnfläche, einschließlich eines kleinen Bades, darüber, noch etwas weniger, wegen der Dachschrägen, ein Schlafzimmer. In das Häuschen gelangte man über eine kleine Veranda, rechts, links und dahinter war ein kleiner Garten, der sich zaunlos in Wiesenflächen verlor, bis nicht viel weiter andere kleine Häuser standen. Eine ihrer Aufgaben war es, Teepflanzen zu hüten: Kamille, Pfefferminz, Salbei, Fenchel, damit aus ihnen ein schmackhafter Tee werde. Wie alle anderen Aufgaben auch, nahm sie diese ernst, selbst wenn es niemanden gab, der ihre Leistungen beurteilte.

Die Kamille wirkte genauso glücklich wie sie, reckte sich der Abendsonne entgegen. So machte sich Victoria auf den Weg zu einem der fünf Gemeinschaftshäuser ihrer Gemeinschaft, um die Abendmahlzeit zu sich zu nehmen. Sie war früh dran und konnte sicher noch dabei helfen, die Tische einzudecken.

"Hallo Vic, schön Dich zu sehen", wurde sie von Anne begrüßt, die für das Zubereiten der Mahlzeiten eingeteilt war.

"Hallo Anne, schöner Abend nicht wahr? Kann ich Dir helfen?"

"Ja, ich dachte, wir essen draußen. Es ist der erste wirklich warme Abend dieses Jahres. Lass uns die Tische herausstellen."

Nach und nach trudelten die anderen 22 Mitglieder der 3.Tajo-Gemeinschaft ein: Alte, Kinder, Männer, Frauen. Jeder mit einem Lächeln auf den Lippen, freundlich die anderen grüßend und fröhlich die letzten Handgriffe für das Abendessen tätigend.

Es gab Gemüsesuppe mit frischem Brot. Dazu standen Karaffen mit Wasser und Wein auf den Tischen.

Victoria lebte nun gut drei Monate in der Nature-Zone und hatte bisher jeden Augenblick genossen. Natürlich war es eine Umstellung vom Leben in der Safe-Zone zu diesem schlichten Dasein mit einfachen Tätigkeiten und einfachen Vergnügungen. Aber die Menschen hier waren viel authentischer. Sie waren wirklich hilfsbereit, wirklich interessiert, richtig fröhlich.

Das und die endlose Natur um sie herum wirkten wie ein Balsam, welches die tiefen seelischen Verletzungen, die ihr in den letzten Wochen in der Safe-Zone zugefügt worden waren, rasch verheilen ließen. Hier war ihre Seele zu Hause. Hätte sie es doch nur schon eher gewusst.

Der einzige Schmerz, den sie verspürte, war die Abwesenheit von Brad, ihrem Collierüden, den sie zurücklassen musste. Sie hatte ihm ein Gespür für Menschen beigebracht: ihre Wünsche, ihre Absichten, ihren Charakter. Damit war er zu wertvoll für die Safe-Zone geworden, so dass sie ihn unter fadenscheinigen Gründen dort behalten hatten.

Snorre ließ sich neben sie auf einen braunen Holzstuhl sinke

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