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Zeiten voller Hoffnung Roman von Pearse, Lesley (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Zeiten voller Hoffnung

London, 1935: Durch einen Zufall lernen sich die beiden Mädchen Verity und Ruby kennen. Verity stammt aus gutem Hause, Ruby aus ärmlichen Verhältnissen, doch gerade wegen ihrer Unterschiede sind die beiden von der jeweils anderen sehr beeindruckt und freunden sich miteinander an. Trotz aller Widerstände schaffen sie es, ihre Freundschaft bis ins Erwachsenenalter zu bewahren, aber dann entzweit ein schreckliches Unglück die beiden Freundinnen. Werden sie je wieder zueinander finden?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 527
    Erscheinungsdatum: 29.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732555840
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Dead to me
    Größe: 1235 kBytes
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Zeiten voller Hoffnung

KAPITEL 1

1935

"Guck dir das an!", rief Ruby dem Mädchen zu, das neben ihr stand und wie sie selbst mit offenem Mund auf den Mann starrte, der gerade aus dem Badeteich in Hampstead gezogen wurde.

"Ist er tot?", fragte das andere Mädchen mit bebender Stimme.

"Wahrscheinlich. Die versuchen ja nicht mal, ihn wiederzubeleben."

Es war Anfang April, kurz nach Ostern, und obwohl die Sonne schien, war es kalt. Abgesehen von den beiden Mädchen gab es nur wenige Leute, die den Vorfall beobachteten, hauptsächlich Erwachsene, die mit ihren Hunden Gassi gingen.

Schweigend schauten die Mädchen zu, wie zwei kräftige Polizisten den triefend nassen Körper auf den Weg neben dem Teich und dann auf eine von zwei Sanitätern gehaltene Trage hievten.

In dem weitläufigen Park von Hampstead Heath gab es drei Badeteiche, jeweils einen für Männer und einen für Frauen und einen für Badegäste beiderlei Geschlechts. Alle drei waren eingezäunt und von Sträuchern und Bäumen umgeben. Der Teich für Damen war kaum zu sehen, so dicht war das Buschwerk, hinter dem er sich verbarg. Aber der Ertrunkene hatte in dem Teich für gemischtes Publikum gebadet, und da wegen Reparaturarbeiten am Zaun ein Teil der Hecke gestutzt worden war, hatten die Mädchen freie Sicht.

Ruby versetzte es einen leichten Stich, als sie sah, wie ein Sanitäter das Gesicht des Ertrunkenen zudeckte. Es war der erste Tote, den sie je gesehen hatte, und obwohl sie gut zehn Meter entfernt stand und den Mann nicht gekannt hatte, empfand sie Trauer.

"Wer mag das sein?", fragte das andere Mädchen. "Ob er Frau und Kinder hat? Wir müssen wohl abwarten, bis darüber etwas in der Zeitung steht", fügte sie bekümmert hinzu.

Ruby hatte das Gefühl, dass die andere genauso betroffen war wie sie selbst, und drehte sich zu ihr um. Sie war vermutlich ein bisschen jünger als Ruby, vielleicht zwölf oder dreizehn, und hatte langes blondes Haar, das von einem blauen Samtband gehalten wurde. Ihre Stimme klang kultiviert, ihre Kleidung wirkte teuer. Normalerweise war Ruby für solche Mädchen unsichtbar.

"Darüber schreiben die nur, wenn er reich oder berühmt war. Warum arme Leute sterben, interessiert doch keinen", sagte sie im Brustton der Überzeugung. "Wohnst du hier in der Gegend? Ich hab dich noch nie gesehen."

"Ich wohne auf der anderen Seite von Hampstead Village, in der Nähe von Swiss Cottage", sagte die Blonde. "Normalerweise gehe ich nicht allein auf die Heide; Mutter glaubt, dass hier oben Mörder herumlungern."

Es gefiel Ruby, wie sie das sagte - als fände sie die Ansichten ihrer Mutter albern. "Liegen Mörder denn auf der Lauer nach Leuten, die sie abmurksen können?", fragte sie und musste unwillkürlich grinsen, weil sie die Vorstellung komisch fand. "Bringen die nicht meistens jemanden um, den sie schon kennen? Na, ist ja auch egal. Wie heißt du, und wie alt bist du?", wollte sie wissen.

"Ich heiße Verity Wood und bin dreizehn Jahre alt. Und du?"

"Ruby Taylor, vierzehn. Ich wohne in Kentish Town, und da ist es längst nicht so schön wie hier. Deine Mutter würde bestimmt in Ohnmacht fallen, wenn sie wüsste, dass du mit einer wie mir redest!"

"Es kümmert mich nicht wirklich, was sie denkt." Verity warf den Kopf zurück, sodass ihr das schimmernde Haar in den Nacken fiel. "Was meinst du, wo bringen sie den Toten wohl hin? Wird die Polizei herausfinden, woher er kommt?"

Es gefiel Ruby, dass diese Verity, die offenbar aus gutem Haus kam, es nicht für unter ihrer Würde hielt, mit einer zu sprechen, die von den meisten Leuten als "Kind der Gosse" bezeichnet worden wäre.

"Der kommt ins Leichenschauhaus, wo man Tote aufschneidet, um zu sehen, woran sie gestorben sind. Wenn einer irgendwelches Zeug in den Taschen hat, an dem man sieht, wer er ist und wo er wohnt, geht die Polizei hin und sagt es der Familie und bringt einen Verwandten ins Leichenschauhaus,

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