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Zeuglesweber Historischer Roman von Ebert, Ines (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2014
  • Verlag: Silberburg-Verlag
eBook (ePUB)
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Zeuglesweber

1854 macht sich der vierzehnjährige Bernhard Schroth auf den Weg von Heubach hinauf auf die Alb nach Lauterburg, um dort eine Weberlehre anzutreten. Bald muss er erkennen, dass sich die Aussichten für zünftige Weber ständig verschlechtern. Die Welt ist in Bewegung. Technische Neuerungen, die Abschaffung der Zünfte und weltweite Wirtschaftskrisen reißen Bernhard mit in den Strudel der Veränderungen. Dennoch ist er fest entschlossen, etwas aus seinem Leben zu machen. In einer Korsettfabrik in Stuttgart lässt er sich zum "Korsettweber" ausbilden, und als sich die Gelegenheit bietet, in der in Heubach neu gegründeten Korsettfabrik zu arbeiten, kehrt er überglücklich nach Hause zurück. Bald stellt sich auch das lang ersehnte familiäre Glück ein. Die vom württembergischen König geförderte Korsettindustrie erlebt im Lauf der Zeit ein ständiges Auf und Ab. Als in Heubach eine Fabrik für genähte Dessous gegründet wird, gerät die bestehende Konkurrenz in Zugzwang und ersetzt ihre Webstühle durch Nähmaschinen. Bernhard verliert seine Arbeit - und seine Welt bricht in Stücke ... Der Roman beschreibt eindrucksvoll die Anfänge der beiden weltbekannten Miederfabriken Susa und Triumph International.

Ines Ebert, ist 1949 in Heubach im Ostalbkreis geboren. Nach kaufmännischen und kunsthandwerklichen Tätigkeiten, dem Umzug ins Allgäu und mehreren Jahren als selbständige Dorfhelferin absolvierte sie in Leipzig 1998 das Studium der Museologie. Als freiberufliche Diplom-Museologin (FH) lebte sie ihre Leidenschaft für Geschichte, deren Erforschung und Vermittlung in Ausstellungen, Museen und Archiven aus. Nun im Ruhestand pflegt sie ihren Schrebergarten und schreibt historische Romane. Ines Ebert hat zwei Töchter aus erster Ehe und lebt mit ihrem Mann und ihrer Katze Lilli in Wangen im Allgäu.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842516168
    Verlag: Silberburg-Verlag
    Größe: 991 kBytes
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Zeuglesweber

Kapitel I

Von Heubach bis Lautern konnte Bernhard auf einem Fuhrwerk mitfahren. Den steilen Weg hinauf nach Lauterburg schien er nun aber zu Fuß zurücklegen zu müssen. Er hoffte inständig, dass ein weiteres Fuhrwerk vorbeikommen und ihn mitnehmen möge, denn die Riemen seines schweren Rucksacks schnitten schon nach kurzer Zeit schmerzhaft in seine Schultermuskulatur ein. Allzu viele Muskeln befanden sich ohnehin nicht dort, denn Bernhard war mit seinen vierzehn Jahren hoch aufgeschossen und viel zu dünn.

Vor ein paar Wochen, nach seiner Konfirmation und kurz vor der Schulentlassung, war er schon einmal zusammen mit seinem Vater in das kleine Dorf auf der Alb hinaufgewandert, um den Lehrvertrag mit Webermeister Andreas Burkhardt unter Dach und Fach zu bringen. Warum er seine Lehre denn ausgerechnet in Lauterburg machen müsse, hatte er den Vater damals auf dem steilen Weg hinauf auf die Alb gefragt. In Heubach gebe es doch auch Lehrstellen und zudem würde er lieber weiterhin zu Hause wohnen.

"Du solltest froh sein, dass ich eine so gute Lehrstelle für dich gefunden habe!"

Jakob Schroths Stimme klang rau, als er seinen Sohn, der ihn bereits um einen halben Kopf überragte, von der Seite anblickte. Sein Hals war wie zugeschnürt und sein Herz war schwer bei dem Gedanken, sein einziges Kind ziehen zu lassen. Immerhin hatte er selbst damals in der Werkstatt seines Vaters gelernt und deshalb auch zuhause gewohnt.

"Du weißt doch, wie es inzwischen ist, dass nicht nur ich, sondern auch viele andere Weber die Gebühren für die Ausstellung des Meisterbriefes längst nicht mehr aufbringen konnten und der damit verbundene Verzicht auf das Meisterrecht eben auch bedeutet, dass man nicht mehr zünftig ausbilden darf", erklärte Jakob Schroth zum wiederholten Male.

"Ja, schon, aber der Onkel Thomas hätte mich vielleicht doch genommen", beharrte Bernhard.

"Schlag dir das aus dem Kopf, Bernhard. Die Weberzunft hat meinem Bruder im Meisterprüfungsprotokoll zwar sehr gute Kenntnisse bescheinigt, aber wie ich hat er auf die Mitgliedschaft in der Zunft verzichtet. Dafür hat er die Seidenweberfabrik gegründet, was in meinen Augen eine mehr als unsichere Geschichte ist. Ganz abgesehen davon, dass er ja schon seinen Sohn Johann, der wie du ebenfalls aus der Schule kommt, in die Lehre nehmen wird."

"Ja, aber vielleicht hätte er uns beide genommen!", beharrte Bernhard trotzig.

"Die Seidenweberei – ach, ich weiß nicht." Jakob wischte sich mit dem Taschentuch die Schweißperlen von der Stirn. "Schon vor zwanzig Jahren hat es in Frankreich Aufstände der Seidenweber gegeben, weil sie mit ihren Erzeugnissen immer weniger verdient haben. Und jetzt hat das ganze Weberhandwerk zunehmend mit der Konkurrenz aus England, Schlesien und sogar Sachsen zu kämpfen. In den neuen Manufakturen stellen sie auf mechanischen Webstühlen die Stoffe viel kostengünstiger her als wir Handweber. Und als ob das nicht schon genug wäre, werden neuerdings auch noch in Gefängnissen billige Tuche gewebt, die nicht nur ans Militär, sondern auch an private Abnehmer geliefert werden. Die Strafanstalt Gotteszell in Gmünd ist da ganz vorne mit dabei. Ich weiß nicht, wie wir Handweber noch mithalten können, wenn uns noch etwas zum Leben übrig bleiben soll. Und ob dein Onkel Thomas mit seiner Seidenweberei auch in Zukunft gut über die Runden kommen wird, bleibt abzuwarten. Es ist schon besser, wenn du deine Lehre bei einem Meister der Zunft machst, da weißt du wenigstens, was du hast."

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