text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ziemlich hitzige Zeiten Roman von Schwarzhuber, Angelika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.08.2020
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ziemlich hitzige Zeiten

Bei allzu hitzigen Zeiten sollte man immer einen kühlen Kopf bewahren ...
Von der Liebe hat Anna die Nase gestrichen voll. Auch ohne Mann geht es in ihrem Leben turbulent zu: Hochzeitsvorbereitungen der einen Tochter und Abiturstress der anderen. Dazu eine eigenwillige Mutter und lästige Hitzewellen. Als ihr Jugendschwarm Jo zurück in die Stadt kommt, erwachen jedoch Gefühle, die sie längst für ausgestorben hielt. Doch Jo kann sich nicht einmal mehr an ihre damalige Nacht erinnern. Zudem nervt sie Paul, der Vater einer Mitschülerin ihrer Tochter. Frustriert lässt sie sich von ihren Freundinnen Zoe und Ilona dazu ermuntern, sich auf die Einladung eines jungen Mannes einzulassen. Und damit nimmt das Chaos seinen Lauf ...

Angelika Schwarzhuber lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Stadt an der Donau. Sie arbeitet auch als erfolgreiche Drehbuchautorin für Kino und TV und wurde für das Drama "Eine unerhörte Frau" unter anderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Zum Schreiben lebt sie gern auf dem Land, träumt aber davon, irgendwann einmal die ganze Welt zu bereisen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 17.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641234263
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 2370 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ziemlich hitzige Zeiten

Kapitel 1

Die Schweißperlen auf meiner Stirn stammten heute ausnahmsweise mal nicht von meinen Wechselbeschwerden. Ich hatte schlicht und ergreifend Todesangst.

Darf man als Mutter einer Fahranfängerin eigentlich die Augen schließen, bis man am Ziel ist? Gibt es da irgendwelche Vorschriften von der Führerscheinstelle?

Ich hatte mir wirklich fest vorgenommen, ganz locker und cool zu bleiben. Doch nun stand ich kurz davor, meine Tochter anzuflehen, mich aussteigen zu lassen. Jetzt konnte ich auch nachvollziehen, warum Emma die praktische Fahrprüfung erst im dritten Anlauf geschafft hatte. Und zwar heute. Vor genau einer halben Stunde. Noch beim Frühstück hatte ich mich lautstark über den Fahrlehrer ausgelassen, der meiner Tochter mehr Fahrstunden aufgebrummt hatte, als mein Budget eigentlich verkraften konnte. Doch jetzt leistete ich innerlich Abbitte. Ich stand kurz davor, ihn anzurufen und zu fragen, welches Wahnsinns-Mittel er nahm, um solche Fahrten nervlich zu überstehen. Genau das hätte ich nämlich auch gern! In doppelter Dosis!

Warum zum Teufel hatte er zugelassen, dass der Prüfer Emma die Fahrerlaubnis erteilt hatte? Führerschein mit 17! Wem war nur so ein Irrsinn eingefallen? Meine Generation war damals immerhin schon 18 gewesen. Und kaum hatten wir bestanden, waren die einzigen Beifahrer Freunde und Mitschüler gewesen. Oder irgendwelche Tramper, die wir unterwegs aufgegabelt hatten, wenn es abends in die Disco oder auf ein Rockkonzert ging. Ich konnte mich jedenfalls nicht erinnern, dass unsere Eltern sich ohne Not von uns hatten herumkutschieren lassen. Wenn wir als Familie unterwegs gewesen waren, saß immer mein Vater am Steuer. Außer zu den seltenen Gelegenheiten, bei denen er mal einen über den Durst getrunken hatte. Dann - aber nur dann - durfte auch mal meine Mutter ran.

Mit Sätzen wie: »Du weißt schon, dass es auch einen vierten Gang gibt, Mina? ... Wenn du noch langsamer fährst, fahren wir rückwärts ... Als Gott die Talente zum Autofahren verteilte, warst du wohl gerade beim Kochkurs ...« hatte er sie schier in den Wahnsinn getrieben. Bis sie irgendwann einmal mitten in der Nacht neben einer Telefonzelle völlig entnervt den Wagen angehalten und ein Taxi gerufen hatte.

»Wenn du dein Auto morgen früh in der Garage haben willst, dann steigst du jetzt in das Taxi!«, hatte sie in einem Ton gedroht, den meine Schwester Moni und ich bisher noch nie von ihr gehört hatten. »Wir kommen nach.«

Wir hatten mit offenen Mündern zugesehen, wie Vater tatsächlich mit hochrotem Kopf ins Taxi einstieg.

Die nächsten drei Tage redeten sie kein Wort miteinander. Am vierten Tag stritten sie so laut, dass es für unsere Nachbarn wie Kino in der ersten Reihe war - nur ohne Bild. Danach herrschte erstaunlicherweise wieder Frieden. Und ab da hielt er sich mit seinen Kommentaren bei Autofahrten mit Mutter am Steuer zurück. Zumindest meistens.

»Stell dir vor, Mama, ich war die Einzige, die es heute geschafft hat. Alle anderen sind durchgefallen«, riss Emma mich aus meinen Gedanken.

»Ich bin ganz schön stolz auf dich«, hörte ich mich sagen und wagte mir gar nicht vorzustellen, wie die anderen Prüflinge gefahren waren. Unauffällig wühlte ich in der Handtasche auf meinem Schoß nach den harmlosen pflanzlichen Beruhigungsdragees, die ich immer dabeihatte. Doch als ich sie schließlich fand, hielt ich inne. Bis die wirkten, wären wir ohnehin schon längst daheim - oder im schlimmsten Falle tot.

Nicht so weit links!, wollte ich rufen. Doch wie durch ein Wunder schaffte es Emma, den Außenspiegel des entgegenkommenden Fahrzeuges nicht abzufahren. Langsam stieß ich die Luft aus, die ich unbemerkt angehalten hatte. Bleib ganz locker, Anna, ganz locker!, sagte ich mir.

Ich versuchte, mich zu erinnern, wie es war, als ich das erste Mal mit meiner ältesten Tochter Leonie - die wir alle nur Leo nan

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen