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Zu Ehren des Königs Roman von Marschner, Rosemarie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.11.2015
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Zu Ehren des Königs

Der Sonnenkönig und sein Lehrmeister Der Vicomte Nicolas Fouquet, begabt, kultiviert, bewundert, war lange Zeit Weggenosse, Verbündeter, Lehrmeister und Vorbild von Ludwig XIV. - und zugleich sein größter Rivale. Als Fouquet zu Ehren des Königs ein glanzvolles Fest auf seinem prächtigen Schloss ausrichtet, gilt er in dieser Nacht als der wahre König Frankreichs. Kurze Zeit später wird er verhaftet. Ludwig will seinen Tod ... . Rosemarie Marschner, geboren in Wels (Oberösterreich), lebt als freie Journalistin und Schriftstellerin in Düsseldorf. Sie hat mehrere Romane veröffentlicht, darunter Das Bücherzimmer

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 20.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423428859
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 1752 kBytes
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Zu Ehren des Königs

Ein Kind der Zwietracht

1

Der König - Ludwig, der Vierzehnte dieses Namens im großen Frankreich - blieb an einem der Fenster stehen und blickte hinunter auf den schier endlosen Park, dessen Harmonie in aller Welt gerühmt wurde. Doch Ludwigs Augen sahen nichts. Wie betäubt war er und hörte nur immer wieder die wenigen Worte, die ihn erleichterten, als hätte man einen glühenden Stachel endlich aus seinem Fleisch gezogen: Der Sieur Fouquet ist tot.

Wie oft hatte sich der König ausgemalt, diese Nachricht wie eine Absolution zu empfangen! Doch jetzt, da sein Wunsch erfüllt war, spürte er nur noch Leere und ein Gefühl, das ihn schmerzte, obwohl er es sich nicht erklären konnte. Es dauerte lange, bis er es zu bezeichnen vermochte: Bedauern. Der Sieur Fouquet ist tot - und vieles war mit ihm gestorben: sein Lächeln, das bezaubern konnte; seine Leichtigkeit der Entscheidung und des Tuns; sein Blick voller Interesse für den, mit dem er sprach; sein Mitgefühl für die Schwachen und Leidenden und sein Sinn für das Schöne, das er anregte und mit dem er sich umgab.

Der Sieur Fouquet ist tot ... Gut, dass wir ihn los sind!, dachte der König. Ich hätte ihn gern noch einmal gesehen.

Er erinnerte sich an den Tag, an dem er Fouquet zum ersten Mal begegnet war. Es hatte geregnet. Alle Fenster im Palast waren fest verschlossen. Die Enge ließ ihn fast ersticken. Dazu noch das knappe Gewand, in das man ihn gezwängt hatte wie immer, wenn er zu seinem Vater gebracht wurde. Vier Jahre war er damals alt: ein kräftiges kleines Bürschchen mit dicken roten Backen und den himmelblauen Augen seiner spanisch-habsburgischen Mutter.

Von Geburt an war er ein mürrisches Kind gewesen, das stundenlang schrie und den ständig wechselnden Ammen mit seinen Kiefern die Brüste zerfetzte. Die Geburt des jüngeren Bruders hatte seine Unzufriedenheit noch verstärkt: Philippe, der schon als Säugling die Herzen eroberte, der so früh lachte und den alle liebten, obwohl er doch niemals König sein würde wie Ludwig, der sich seiner künftigen Erhabenheit bereits bewusst war, als er noch in Mädchentracht bei den Frauen erzogen wurde.

Auch an jenem Regentag trug er ein Kleidchen aus hellgrüner Spitze mit breiten Seidenmanschetten und einer seidenen Schürze. Dazu ein Spitzenhäubchen, dessen Bänder seine Gouvernante Madame de Lansac unter seinem Kinn quälend fest verknotet hatte, damit die Ohren des Kindes brav bedeckt blieben und die gestrenge Majestät keinen Grund zur Klage fand.

Fast jeden Tag verlangte sein Vater, ihn zu sehen. Nicht zu einer bestimmten Stunde, sondern immer dann, wenn es ihm gerade passte. Dann schickte er seinen Kammerdiener in die Gemächer der Königin. Ein Klopfen an der Tür genügte, und Ludwig wurde weggerissen von dem, was er gerade tat. Man weckte ihn oder schlug ihm den Löffel aus der Hand. Man zerrte ihn von seinen Spielen fort oder hob ihn aus der Wanne und streifte ihm gewaltsam eines der Besuchskleidchen über, gegen die er sich wehrte, weil er längst aus ihnen herausgewachsen war. Niemand kümmerte sich darum, dass er schrie und weinte. Was zählte, war allein der Wille seines Vaters, des Königs.

Einmal würde Ludwig selbst König sein, hatte ihm seine Mutter erklärt, und er hatte längst begriffen, was das bedeutete: Niemand würde mehr das Recht haben, ihn zu stören oder ihm auch nur zu widersprechen. Was er verlangte, würde geschehen. Doch dafür musste sein Vater erst sterben. Wenn Madame de Lansac ihn über die Korridore schleifte und in die Bibliothek seines Vaters schob, presste Ludwig das Kinn gegen die Brust, starrte trotzig auf die Füße des Vaters und wünschte seinen Tod herbei.

Es war immer das Gleiche: Sein Vater versuchte, ihn für sich zu gewinnen. Er zeigte ihm Bücher und Landkarten und schenkte ihm Zinnsoldaten, Bälle oder ein Holzschwert. Doch der Knabe in seinem Mädchengewand hob nicht einmal den Blick, sondern wartete nur darauf, dass d

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