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Zum Glück gibt's Rentner Roman von Jacobi, Ellen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.12.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Zum Glück gibt's Rentner

Nächster Halt: Rügen. Lena ist erleichtert. Bald wird sie die 'Villa Glück' erreichen. Dort, in der Klinik für Sinnsuchende und Orientierungslose, soll ihr unbekannter Vater gelebt haben oder noch leben. Lena hofft inständig, dass ihr Vater 'normal' ist, vielleicht ein Mitarbeiter der Klinik, denn ihre zukünftigen Schwiegereltern machen ihr wegen ihrer exaltierten Mutter schon genug Vorwürfe. Die Suche gestaltet sich zunächst schwierig, doch Hilfe kommt von unerwarteter Seite, und mehr als einmal muss sie eingestehen: Zum Glück gibt's Rentner ... Ellen Jacobi, am Niederrhein geboren, entdeckte als Tochter einer Bibliothekarin und Märchenbuchsammlerin früh ihre Liebe zu Büchern und zum Geschichtenerzählen. Nach ihrem Literatur- und Anglistikstudium arbeitete sie u. a. als Reiseleiterin in England. In Deutschland war sie als Redakteurin für Tageszeitungen und Magazine tätig. Heute lebt sie mit ihrer Tochter in Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 349
    Erscheinungsdatum: 31.12.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572519
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Rentner 4
    Größe: 513 kBytes
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Zum Glück gibt's Rentner

1.

"Guten Tag, meine Damen und Herren. Im Namen der Deutschen Bahn heiße ich alle in Stralsund zugestiegenen Fahrgäste willkommen an Bord des ICE München-Ostseebad Binz. Unser nächster Halt ist Bergen auf Rügen."

Lena Pischkale hebt erwartungsvoll den Blick und lenkt ihn über ihren mit Dauertelefonaten befassten Sitznachbarn, einen Geschäftsmann vom Typ "Ich-bin-wichtig", hinweg zum Abteilfenster.

Endlich Rügen! Na ja, noch nicht ganz. Der ICE schlängelt sich im Schneckentempo durch Stralsunds Bahngelände und stoppt abrupt mit Blick auf ausrangierte Güterwaggons und zwei zerfallende Backsteinschuppen, die noch aus Kaisers Zeiten stammen. Damals, als die deutsche Bahn noch pünktlich war , denkt Lena mit leisem Grimm.

Erneut knackt das Mikrofon. Der Zugbegleiter meldet sich mit einem Räuspern, das verlegen klingt. Lena und ihre beiden Mitreisenden im Viererabteil erster Klasse spitzen schicksalsergeben die Ohren. Der Mann musste sich seit Berlin Gesundbrunnen bereits mehrfach für seinen Arbeitgeber, Baustellen, eingleisige Streckenführung, den Ausfall der Stromversorgung im Bordbistro und damit jeglicher Verpflegung sowie für verpasste Verbindungen entschuldigen.

"Verehrte Fahrgäste. Leider befindet sich noch ein verspäteter Regionalexpress vor uns auf dem Gleis. Daher wird sich unsere Weiterfahrt etwas verzögern, wir bitten um Ihr Verständnis."

Nach unglaublichen sieben Stunden Gesamtfahrtzeit ist das ziemlich viel verlangt, findet Lena. So lange ist sie von Hamburg aus dank Zugausfällen, Umleitungen und zweimaligem Umsteigen mit Wartezeiten unterwegs. Auf einer Strecke, für die sie mit dem Auto maximal dreieinhalb Stunden benötigt hätte. Sei's drum , muntert sie sich als leidgeprüfte Weltenbummlerin auf, laut Fahrplan trennen sie nun nur noch dreiundzwanzig Minuten von Bergen, von ihrem Kurzzeit-Job als Hausdame der Privatklinik Villa Glück und dem womöglich größten Abenteuer ihres Lebens. Was etwas heißen will.

Mit ihren 28 Jahren hat Lena als begehrte Housekeeping-Managerin für gehobene Kreise schon einige erlebt, und das rund um den Erdball. Meist angenehme, finanziell äußerst lohnende Abenteuer. Was diesmal beides mehr als fraglich ist. Lenas Atem geht unwillkürlich rascher, ihr Blick gleitet auf der Suche nach Ablenkung erneut zum Abteilfenster. Draußen herrschen Nieselregen, trüber Himmel und kühle zehn Grad, wie ihr Smartphone verrät. Der April gibt auf seinen letzten Metern das Beste. Hinter Greifswald hat es Taubeneier aus Eis gehagelt.

Egal, sie fährt ja nicht hierher, um Ferien zu machen.

Lenas Herzschlag verfällt in Galopp vor Aufregung und ein wenig auch vor Angst. Nackter Angst. Das gesteht sie, die gewöhnlich Unerschrockene, sich ein. Immerhin hängt viel von dieser Reise ab. Vielleicht ihr ganzes Lebensglück.

Nicht beruflich, nein, ihre vor einem Jahr gegründete Hamburger Butler-Schule und Personalagentur läuft hervorragend, sondern privat. Ihre für Ende Mai geplante Hochzeit steht infrage. Ob sie je stattfinden kann? Was, wenn sie auf Rügen und in der Villa Glück herausfindet, dass ...

Halt! , verordnet Lena sich einen rigorosen Gedankenstopp. Sie hasst Melodramatik genauso wie unnütze Grübelei und versteht sich auf die unter Vertretern der Generation Selfie, Twitter, Facebook selten gewordene Kunst, Zurückhaltung und Haltung in allen Lebenslagen zu wahren. Selbstentblößung ist ihr ein Gräuel.

Sie hat gelernt, kühl und überlegt zu handeln, ihre Gefühle stets zu zügeln und selten zu zeigen. Schon gar nicht gegenüber ihren meist anspruchsvollen Auftraggebern, die häufig zum Gegenteil neigen. In ihrer Profession sind Diskretion und emotionale Abstinenz von ebenso entscheidender Bedeutung wie Effizienz, eine makellose Erscheinung und erstklassige altmodische Manieren. Zum Glück kommt all dies ihrem Naturell entgegen. Selbstschutz und ein innerer Sperrbezirk, der niem

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