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Zum Wünschen ist es nie zu spät Roman von Schlieper, Birgit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Zum Wünschen ist es nie zu spät

Seit sechs Jahrzehnten treffen sich Ingrid, Hedda, Gudrun und Marie-Ann, um gemeinsam über das Leben zu lachen und zu weinen. Doch eben dieses Leben wird immer vorhersehbarer. Seniorenbridge und Volksmusik, mehr kommt nicht mehr? Als Gerda plötzlich mit einem viel jüngeren Mann auftaucht, geht ein Ruck durch die Truppe. Das wollen sie auch: Noch einmal etwas wagen, etwas wünschen dürfen. Ein Beschluss wird gefasst: Jede schreibt ihre heimlichen Wünsche auf, alles kommt in einen Hut - und was gezogen wird, das wird gemacht, alle zusammen, keine Rückzieher ...

Birgit Schlieper, geboren 1968 in Iserlohn, hat Amerikanistik, Romanistik und Anglistik studiert, ihr Studium aber abgebrochen, als ihr ein Zeitungsvolontariat angeboten wurde. Seitdem schreibt sie unaufhörlich: von Einkaufszetteln und Post-its über Reportagen bis zum Tagebuch und Gedichten, für Nachrichtenagenturen, die SZ, in Lehrbüchern für den Deutschunterricht - und für cbt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641131432
    Verlag: Goldmann
    Größe: 597kBytes
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Zum Wünschen ist es nie zu spät

1

G anz langsam gleitet die Melone aus Gudruns Händen. Mit einem dumpfen Geräusch schlägt sie vor ihren Füßen auf dem Kopfsteinpflaster auf und zerplatzt. Gudruns Mund steht leicht offen, ihre Augen folgen dem Paar, das über den Dorfplatz geht.

Dem Paar, das händchenhaltend über den Dorfplatz geht.

Gudrun ist personifizierte Fassungslosigkeit. Sie hat noch nicht mal gemerkt, dass ihr die Melone runtergefallen ist. In ihrem Kopf ist nur Platz für eine einzige Frage: Wer, verdammt, ist dieser Mann?

Die Frau ist Hedda, Gudruns Freundin. Und bis vor zwanzig Sekunden glaubte Gudrun alles über diese Freundin zu wissen. Sie weiß, was seinerzeit in der Hochzeitsnacht von Hedda und Heinz passiert und vor allem nicht passiert ist. Sie weiß, dass Hedda ihrem Mann vorgetäuscht hat, unter einer Tierhaarallergie zu leiden, nur damit kein Hund ins Haus kommt. Sie weiß, dass Hedda kein Paar Schuhe mit Absätzen unter fünf Zentimetern besitzt, und sie weiß auch, dass ihre Freundin sich bereits seit dem dreißigsten Lebensjahr die Haare färbt. Sie hat Hedda auf der Beerdigung von Heinz gestützt und ihr Tempos gereicht. Aber wer ist jetzt dieser Mann an Heddas Seite?

Das Paar ist mittlerweile bei der Bushaltestelle angekommen. Gudrun kneift die Augen zusammen, um noch besser sehen zu können, und registriert nebenbei, dass sie unbedingt mal wieder zum Optiker muss. Der Mann ist nur wenig größer als Hedda, damit für einen Mann also eher klein. Er wirkt südländisch. Gudrun hält die Luft an, als sich die Münder zu einem Abschiedskuss nähern. Sie merkt gar nicht, dass sie die ganze Zeit leicht den Kopf schüttelt. Zusammen mit dem geöffneten Mund und der zerplatzten Melone vor ihren Schuhen wirkt sie fast debil. Das scheint auch Hedda zu denken, die sich von dem Mann verabschiedet hat und nun strahlend über den Platz kommt. Sie erschrickt ein bisschen, als sie Gudrun da so stehen sieht.

"Was ist denn mit dir los? Und was macht das Fallobst hier?", fragt sie überrascht mit einem Blick auf die Melone.

Gudrun ignoriert die Fragen. "Wer war das?", bringt sie nur raus.

Hedda guckt sich scheinbar überrascht um. "Wen meinst du?"

"Diesen Mann meine ich. Wer war das?" Gudrun ist immer noch viel zu verwirrt, um zu sehen, dass ihre Freundin rot geworden ist.

Hedda winkt mit der Hand ab, als wollte sie eine Fliege verscheuchen. "Ach, den. Den kennst du nicht." Panisch schaut sie auf die Uhr. "Schon so spät? Du, ich muss los. Wir kriegen heute neue Ware, die muss ich noch einsortieren. Ich bin sicher, die Chefin hat mal wieder die gesamte Kollektion in Beige und Braun bestellt. Es ist wirklich eine Katastrophe, was die ihren Kundinnen zumutet. Wir telefonieren, ja?"

Und damit ist sie weg. Erstaunlich schnell für ihre Schrittlänge.

"Haben Sie die runtergeworfen?"

Eine Verkäuferin des Supermarktes hat sich vor Gudrun aufgebaut und zeigt auf den Melonenmatsch.

"Sehe ich aus, als würde ich hier Melonenweitwurf üben? Nein. Diese Frucht hat sich offenbar in suizidaler Absicht auf den Boden fallen lassen. Schauen Sie doch mal im Korb. Vielleicht hat sie ja einen Abschiedsbrief hinterlassen", kontert Gudrun, dreht sich um und stapft nach Hause.

Eigentlich hatte sie einkaufen wollen, doch das hat sie in ihrer Aufregung vergessen. Sie setzt sich an den Küchentisch, trinkt einen Kaffee und überlegt. Warum hat Hedda ihr nichts von dem Mann erzählt? Vertraut sie ihr nicht mehr? Führt Hedda gar ein Doppelleben? Oder hat sie ihr doch davon erzählt und Gudrun hat das in beginnender Demenz vergessen? Ganz kurz wi

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