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Zurück auf Los Roman von Foenkinos, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.07.2014
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Zurück auf Los

Sein Name, das hat Bernard immer gespürt, birgt eine Gefahr, bei aller Nettigkeit, ja komödiantenhafter Harmlosigkeit. Und nun, Bernard ist 50 geworden und glaubt an ein ruhiges Leben bis ans Ende seiner Tage, da passiert es: Eine Serie von Katastrophen fegt alle Gewissheiten fort. Es beginnt mit Nathalie, Bernards Frau mit ihren schönen, langen, schwarzen Haaren, die er so großartig findet, dass es ihm gereicht hätte, bloß mit ihren Haaren verheiratet zu sein. Als Bernards und Nathalies Tochter Alice mit 20 auszieht, bahnt sich in der eher harmonischen Ehe eine Krise an, die sich zum Debakel ausweitet. Aber das ist noch nicht alles. Was man guten Gewissens verraten kann ist, dass dieser im besten Sinne gewöhnliche, im Übrigen sympathische Mensch für das, was ihm bevorsteht, nicht gewappnet ist. Ob es die Arbeit ist oder das Verhalten der guten Freunde - auf nichts ist mehr Verlass, vor allem nicht auf die Frauen. Bernard muss sogar wieder bei seinen alten Eltern einziehen, die er auch noch nie so richtig verstanden hat ... In diesem so komischen wie melancholischen Roman folgen wir mitfühlend und mit einem leichten Schauer der Angst Bernards, einem postmodernen Buster Keaton, der seinen Michel Houllebecq unfreiwillig intus hat und am Ende trotz allem seinen Platz in der von Krisen geschüttelten Welt findet.

David Foenkinos, 1974 geboren, Schriftsteller und Drehbuchautor, studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne und Jazz am CIM. Seine Bücher sind weltweit in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Bei C.H.Beck erschienen bereits die Romane "Das erotische Potential meiner Frau" (2005), "Größter anzunehmender Glücksfall" (2006), "Unsere schönste Trennung" (2010), "Nathalie küsst" (2011), der mit Audrey Tautou in der Hauptrolle verfilmt wurde, "Souvenirs" (2012) und "Zum Glück Pauline" (2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 18.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406670145
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: La tête de l'emploi
    Größe: 2836 kBytes
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Zurück auf Los

1

Eines Tages hatten meine Eltern den merkwürdigen Einfall, ein Kind in die Welt zu setzen: mich.

Ihre Beweggründe haben sich mir nie erschlossen. Gut möglich, dass sie ihnen selbst schleierhaft sind. Vielleicht wollten sie ja ein Kind haben, weil sie die Dinge immer ein bisschen so machen wollten wie die anderen. Ich spüre noch die Erschütterungen der Anfangszeit in mir, als ich durch das Wohnzimmer kugelte wie ein unwirklich anmutendes Bündel. Meine Eltern fassten mich mit spitzen Fingern an und küssten mich mit gespitzten Lippen. Es war fast so, als würden sie einen Sicherheitsabstand wahren, als hätten sie Angst davor, mir ihre Liebe zu geben, Angst davor, sich so etwas wie eine Krankheit einzufangen, über die sie nie hinwegkommen würden. Wer weiß das schon? Sie hätten sich mit Güte infizieren und Lust auf ein zweites Kind bekommen können.

Ich übertreibe sicherlich ein wenig. Aber das tut man immer, oder? Mir ist noch nie jemand begegnet, der in der Lage gewesen wäre, in einem gesetzten, angemessenen und redlichen Ton über seine Eltern zu sprechen. Bestimmt ist das, was ich als Zurückhaltung interpretiere, ihre Art, mich zu lieben. Denn ihre Liebe existiert. Ich besitze kein Lexikon, das diese Liebe definiert, aber ich habe durchaus das Gefühl, dass sie vorhanden ist. Auch wenn sie sich nicht konkret äußert. Wenn wir hin und wieder miteinander telefonieren, haben wir uns so gut wie nichts zu sagen. Unbeteiligt streifen wir verschiedene Themen, und doch liegt in diesen leeren Worten ein Hauch von Zärtlichkeit. Man muss nicht immer reden. Wir lieben uns so, wie sich wohl Pantoffeltierchen lieben. Und ich denke, das passt ganz gut zu mir. Wahrscheinlich habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass meine Eltern mich eines Tages so lieben könnten, wie ich mir das vorstelle. Aber man kann machen, was man will, Liebe kann man nie genug bekommen.

Unsere Geschichte hat schon mal schlecht angefangen: Sie gaben mir den Namen Bernard. Eigentlich ist das ja ein netter Vorname. Im Laufe meines Lebens habe ich zudem die Bekanntschaft des einen oder anderen Bernard gemacht, der mir in eher guter Erinnerung geblieben ist. Mit so einem Bernard lassen sich angenehme Abende verbringen. Man gelangt im Nu zu einem stillschweigenden, um nicht zu sagen unverzüglichen Einvernehmen und klopft ihm leicht auf die Schulter, dem Bernard an sich. Ich könnte mich also glücklich schätzen, solch einen Namen zu tragen, der sich als regelrechte Propagandamaschine der Freundschaftswerbung gebärdet. Doch so ist es nicht. Allmählich tat sich mir die dunkle Seite dieses Namens auf. Der potenzielle Abgrund, der in ihm steckt.

Wie soll ich sagen? Ich glaube, alles in allem wirkt sich der Name nicht sehr vorteilhaft aus. Es tickt eine Zeitbombe in ihm, es schwelt in ihm die große Niederlage, und das habe ich mein Leben lang gespürt. Es gibt Namen, die klingen wie der Vorspann des Schicksals. Bernard taugt bestenfalls für eine Komödie. Jedenfalls beruft einen der Name nicht gerade dazu, das Menschengeschlecht zu revolutionieren.

Einem Kind einen Namen zu geben ist gar nicht so einfach. Man soll ja auch nicht übers Ziel hinausschießen. Ich wundere mich immer, wenn Leute ihr Kind Odysseus nennen. Man stelle sich das arme Kind vor, wie es erschrocken die eigenen Fußstapfen betrachtet. Und sein Kind Marilyn oder Lolita zu nennen birgt natürlich auch gewisse Risiken. Bei solchen Namen bleibt einem dann keine Wahl mehr. Man muss die Sinnlichkeit im Blut haben. Insofern darf ich mich gar nicht beklagen. Bernard mag vielleicht nicht unbedingt für Erfolg stehen, aber der Name hat nun auch nichts Abstoßendes. Man könnte fast sagen, es ist eigentlich ein charmanter Name. Könnte man fast sagen. Nun

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