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Zwei unter einem Schirm Roman von Badinger, Anton (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.07.2018
  • Verlag: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Zwei unter einem Schirm

Lotta ist in ihren Trafikanten verliebt und kauft ihm jede Woche ein Los ab. Doch als sie den Hauptgewinn macht, geht alles schief: Ihre neue Villa entpuppt sich als renovierungsbedürftig, ihre neuen Freunde als Betrüger. Gülcan aus Istanbul wiederum hat den falschen Mann geheiratet. Nun lebt sie in einer trostlosen Wohnung in Salzburg, und statt in die versprochene Ausbildung steckt Cemil sie in SÜPER CHICKEN, seinen Hühnerimbiss. Eines Tages gelingt ihr die Flucht nach Wien, dort trifft sie Lotta, die von ihrer eigenen Housewarming-Party geflohen ist. Die beiden Frauen schließen Freundschaft und merken schnell, dass gemeinsam alles leichter geht und dass das Glück nicht immer dort liegt, wo man es vermutet. Anton Badinger, 1969 in Salzburg geboren, studierte Gestaltungslehre an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er ist Gewinner des Ö1 Literaturpreises 2017. Zwei unter einem Schirm ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 23.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783552063860
    Verlag: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
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Zwei unter einem Schirm

14

Eine Umfahrung zwang sie, das Bahnhofscenter zu umrunden, bevor sie hinter der Eisenbahnbrücke in die Schwarzstraße einbogen. Dahinter musste der Fluss sein, der die Stadt in zwei Teile schnitt: links der alte Machtbereich des Erzbischofs mit seinen imposanten Plätzen und Palastanlagen, rechts, auf ihrer Seite, die dichtgedrängten Bürgerhäuser. Cemil trommelte mit den Fingern ungeduldig auf das Lenkrad. Sie waren kaum einen Kilometer gefahren und hatten dafür zehn Minuten gebraucht. "Ich habe nachgedacht. Ich glaube, du brauchst etwas Abstand von meiner Mutter."

"Wie scharfsinnig von dir", sagte Gülcan, während sie das Schloss Mirabell passierten, dessen Gartenanlagen sie nach wie vor nur aus Büchern kannte.

"Du bist der selbständige Typ", analysierte er weiter. "Eine Existenz als Hausmütterchen wird dich niemals ausfüllen."

"Deswegen will ich ja auf die Reiseleiter-Akademie. Du kennst meine Pläne."

Sie ließ sich nichts anmerken, doch langsam begann die Neugier an ihrer Gleichgültigkeit zu nagen. Als ein Lieferwagen vor dem Hotel Sacher seinen Parkplatz aufgab, zwängte Cemil sich in die frei werdende Lücke.

"Wieso halten wir vor einem Hotel?"

"Wirst du gleich sehen, mein Goldschatz."

Er ließ die Heckklappe hochschnellen und griff sich eine der Schachteln, aber statt dem Knistern der Plastikfolien drang das gedämpfte Klirren von Porzellan an Gülcans Ohr. Er überquerte die Straße, und Gülcan folgte ihm durch das Innere Lederertor in ein Salzburger Durchhaus - so nannte man hier eine kurze Passage, die zwei Straßen oder Plätze miteinander verband. Auf der linken Altstadtseite waren solche Verbindungsgänge vollgestopft mit Touristenläden, aber dieser war weniger vornehm und hatte etwas von einem Mauseloch.

"Ziemlich düster", sagte Gülcan.

Der Durchgang machte eine Biegung. Weiter vorne lag die Linzergasse mit ihren Boutiquen, eine herausgeputzte Fußgängerzone, die eine große Menge Touristen über die Salzach lockte. Wer von drüben oder vom Mirabellgarten kam, musste sich für eine Möglichkeit entscheiden, und der Weg durch die Lederergasse war so gut wie alle anderen. Natürlich war dieser Zugang vergleichsweise unscheinbar, aber dank der gewaltigen Menschenströme, die das Städtchen Tag für Tag fluteten, fielen auch für die Geschäftsleute in diesen dämmrigen Gewölben ein paar Brocken ab.

Vor einem Gassenlokal stellte Cemil die Kiste ab und kramte nach dem Schlüssel. Über der Glastür stand Lederreparaturen auf der Mauer, es waren die Schatten verschraubter Lettern, die man schon vor langer Zeit abgenommen hatte, aber zwischen dem P und dem A ragten zwei frisch verlegte Stromkabel aus dem Putz.

"Das Leuchtschild hätte gestern montiert werden sollen", sagte Cemil mit einem Anflug von Enttäuschung.

"Was für ein Leuchtschild?"

Seine Augen blitzten auf, als hätte er auf diese Frage gewartet. Er erlaubte sich eine Kunstpause, bevor er sich in Pose warf und den Arm ausstreckte wie ein Showmaster:

"Adem Süper Chicken."

Gülcan lachte, aber es klang zu laut und hysterisch, und das Gewölbe warf ein hässliches Echo zurück. Zwei Mädchen, vielleicht Verkäuferinnen auf dem Weg zur Arbeit, drehten sich um. Cemil blieb ernst und drückte Gülcan durch den Türspalt. Hier drinnen war es kälter als draußen. Die Neonröhren flackerte zweimal auf, bevor sich das Licht stabilisierte. Zwei Plastiktische, ein Stapel knallroter Plastikhocker, eine gläserne Vitrine und eine riesige Fritteuse, die gleich dahinter auf einem Küchenarbeitstisch stand. Der Boden war gepflastert mit Terrakottafliesen. Es roch nach Staub und aufgestemmten Wänden, und man spürte eine muffige Feuchtigkeit, was wohl daran lag, dass man sich im Erdgeschoß eines fünfhundert Jahre alten Hauses befand. Auf den Tischen stapelten sich Kartons in allen Größen, weswegen der Laden eher einem Lagerraum gli

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