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Zwerg Nazi Ein realistisches Märchenbuch. von Ewald, Christina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2015
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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Zwerg Nazi

'Alle Jahre wieder: Nazi-Aufmarsch zum Führer-Geburtstag. 100 Glatzen schimmern in der Frühlingssonne. Der harte Tritt von 200 blankpolierten Springerstiefeln hallt durch die Stadt. Eine Demokratie muss das aushalten. 'Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden', sagte Rosa Luxemburg. Doch heute ist etwas anders. Am Straßenrand steht eine handelsübliche Fee mit einem Zauberstab. Sie hebt ihn und... 100 Glatzen sind durch quietschbunte Badekappen bedeckt, 200 pinke Springerstiefel stolpern erschreckt durch die Stadt.' Darf man sich über Nazis lustig machen? Man darf nicht nur, man muss! Was lächerlich ist, macht keine Angst. Wer lächerlich wirkt, hat keine Macht über uns. Die Erzählstile sind ganz unterschiedlich: Die Spannung eines Krimis, die Zukunftsvisionen in Science-Fiction-Geschichten, das Drehbuch einer Fernsehshow, ein Reisebericht über einen Jagdausflug, eine Sammlung von Presseberichten, Anzeigen und Email-Korrespondenz nach einer sensationellen wissenschaftlichen Entdeckung... Politisch aufgeklärte Menschen brauchen dieses Buch nicht, um das Unrecht zu begreifen. Überzeugte Nazis werden es nicht lesen. Aber da sind die vielen Menschen, für die die NS-Zeit nur ein Abschnitt der Geschichte ist. Sicher, man weiß, das war alles nicht in Ordnung, irgendwie. Aber was hat das eigentlich mit mir heute zu tun? Wenn das Buch hilft, diese Frage zu beantworten, dann ist es der richtige Weg gewesen.

Christina Ewald wurde 1960 in Mainz geboren. Die Liebe zum Lesen begleitet sie, seit sie es gelernt hat. Der Umgang mit Worten fiel ihr schon immer leicht, manchmal zum Leidwesen von Eltern und Lehrern, bei denen ausgeprägte Diskussionsfreude nicht immer gut ankam. 1992 wurden die Worte in geordnete Bahnen gelenkt und ihr erstes Sachbuch erschien. Fünf weitere zu beruflichen Themen folgten bei den renommierten Verlagen Haufe und Humboldt. Dazwischen war 2001 noch Platz für den Gewinn eines Wettbewerbes für den ersten Mainz-Krimi, "Eine Leiche zum Frühstück" erschien im Emons Verlag. "Zwerg Nazi" entstand über den Zeitraum von zehn Jahren. So wichtig das Thema Christina Ewald ist, die Recherchen waren belastend - aber auch eine Motivation, das Buchprojekt immer wieder aufzugreifen und ein Stück voranzutreiben. Letztendlich brachte eine zweijährige berufliche Auszeit dann die Ruhe, es wirklich fertigzustellen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 16.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740792367
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 286kBytes
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Zwerg Nazi

Der Tag, an dem Richie Meier ein Deutschnationaler wurde

Richie wusste endlich Bescheid. Er hatte vor ein paar Wochen auf dem Fußballplatz Wilhelm Köhler kennen gelernt. Wilhelm war zwar uralt, schon 80, aber er war in der Hitlerjugend gewesen! Der kannte sich aus.

Seit Jahren schon konnte Richie keinen Job finden. Er lebte von Aushilfsarbeiten, bei denen jemand mit starken Muskeln gebraucht wurde.

"Leute mit Hirn gibt's heutzutage wie Sand am Meer", hatte sein derzeitiger Chef geklagt, "aber jemand, der zupacken kann und nicht gleich schlapp macht, wenn mal ein paar LKWs hintereinander auszuladen sind, den findest du kaum noch!"

Richie grinste zufrieden und spannte seinen Bizeps an. Ja, da konnte ihm keiner was vormachen. Aber die Kohle, die er verdiente, reichte oft hinten und vorne nicht. An die richtig guten Jobs mit Vertrag und so kam er einfach nicht dran, ohne richtigen Beruf.

Die Lehre als Bäcker hatte er abgebrochen, das frühe Aufstehen ging ihm wirklich auf den Keks. Und dass er als Staplerfahrer kürzlich hingeschmissen hatte, weil sein Chef ihm dauernd sagte, wie er seine Arbeit machen sollte, war doch wirklich verständlich - das war ein Türke!

Wilhelm hatte wissend genickt, als er das erzählte. "Mensch, Richie, und da wunderst Du Dich? Die Ausländer nehmen uns Deutschen immer mehr Arbeitsplätze weg. Kommen her zu uns mit ihren acht Kindern, und schuften wie die Blöden, um ihre Blagen zu ernähren. Die nehmen doch jeden Job an, da hat unsereins keine Chance mehr!"

Wilhelm hatte noch viel mehr gewusst und bei den Versammlungen konnte Richie dann staunend feststellen, wieviele es gab, die wie Wilhelm aus erster Hand wussten, was wirklich Sache war. Oder die zumindest jemanden kannten, der das wusste.

Und die taten wenigstens was. Beim letzten Treffen war beschlossen worden, die Ausländer zu boykottieren. Ab jetzt würde man nur noch deutsch leben, keine Produkte mehr von Ausländern kaufen. Alles meiden, was einem Ausländer Geld brachte!

Richie war begeistert und las aufmerksam die Checklisten mit den Informationen. Sie hingen jetzt überall in der Wohnung, damit er nachschauen konnte, ob ein Produkt oder eine Entscheidung wirklich deutsch war.

Heute nun begann der erste Tag seines wahren deutschen Lebens.

Richie deckte seinen Frühstückstisch und nahm dann die Liste "Deutsches Frühstück" zur Hand. Bedauernd schüttete er den Kaffee in den Ausguss, denn der kam, wie ein kritischer Blick auf die Packung zeigte, aus Kolumbien. Die Teedose wanderte auch auf den Müll, der war aus Indien. Zögernd hielt er die Milchflasche in der Hand und suchte auf der Checkliste. Ob es wohl sein könnte, dass die Kühe gar nicht in Deutschland geboren waren? Na, lieber vorsichtig sein, dachte Richie ein bisschen stolz, als er zur Mineralwasserflasche griff.

Für das Brot brauchte er gar nicht auf die Checkliste zu sehen. In einer der Versammlungen hatte ein Mann über die Machenschaften der amerikanischen Weizenmafia berichtet. Auch für die Cornflakes war kein Platz, der Mais kam ebenfalls aus den USA. Richie zuckte die Schultern, obwohl er sehr gerne Cornflakes aß. Aber ohne Milch schmeckten sie eh nicht.

Schinken und Käse folgten den Cornflakes, der eine kam aus Italien, der andere aus Frankreich.

Richie räumte entschlossen auch die restlichen Sachen aus seinem Kühlschrank. Polnische Gurken, holländische Tomaten, ungarische Peperoni, deutsche Möhren. Deutsche Möhren? Gierig biss Richie hinein. Jetzt war das Regal dran. Knäckebrot mit Nutella? Nein, das Brot kam aus Schweden, in der Nutella war Schokolade und jedes Kind wusste, dass DIE nicht in Deutschland wuchs.

Inzwischen schon sehr hungrig, erinnerte sich Richie an die Eier, die er gestern noch nicht aus der Einkaufstasche geräumt hat. Aus der Lüneburger Heide, Bodenhaltung!

Mit vier gekochten Eiern, drei Möhren und einem halben Liter Mineralwasser im

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