text.skipToContent text.skipToNavigation

Zwischen den Meeren von Moss, Sarah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2016
  • Verlag: mareverlag
eBook (ePUB)
17,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Zwischen den Meeren

Nur wenige Wochen nach der Hochzeit muss ein junges Paar sich wieder trennen - für ein ganzes halbes Jahr. Tom Cavendish fährt nach Japan, um Leuchttürme zu bauen; Ally, seine Frau, bleibt in Cornwall, wo sie ihren lang gehegten Traum erfüllt und ihre erste Stelle als Ärztin antritt. Der neue Status beschert ihr ungekannte Freiheit, doch während sie sich immer tiefer in die Arbeit stürzt und Tom versucht, sich an die fremde Kultur Japans zu gewöhnen, wird die Entfernung zwischen beiden immer größer und das Fundament ihrer jungen Ehe brüchig. Mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus psychologischer Einfühlung und intellektueller Tiefe spannt Sarah Moss einen Bogen von Cornwall bis Japan und zeigt zwei Menschen voller beruflicher Entschlossenheit und innerer Einsamkeit, verbunden durch dieselbe Sehnsucht, die Sehnsucht nach dem jeweils anderen.

Sarah Moss, 1975 geboren in Schottland, studierte und promovierte an der Oxford University. Heute unterrichtet sie an der University of Warwick. Sie ist die Autorin der Romane "Schlaflos" (2013) und "Wo Licht ist" (2015) sowie des erzählenden Sachbuchs "Sommerhelle Nächte: Unser Jahr in Island" (2014).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 01.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783866483286
    Verlag: mareverlag
    Übersetzt von: Übersetzung: Seifert, Nicole
    Originaltitel: Signs for Lost Children
    Größe: 717kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Zwischen den Meeren

Schwarze Haarnadeln

D as weiße Cottage fühlt sich anders an, wenn Ally nicht da ist. Wie eine Fabrik, in der die Maschinen stillstehen, wie ein Segelboot auf windstiller See. Die Papiere auf seinem Schreibtisch tun einen Atemzug, als vom Fluss eine Brise herüberweht, und er bewegt die Finger in der Sonne, um seine Schattenhand auf der halb beschriebenen Seite größer und länger werden zu lassen. Es ist nichts Schlechtes, wenn ein Haus ausruht, wenn außer dem Summen seiner Gedanken und dem Kratzen seines Stifts auf dem Papier nichts geschieht. So war es, ehe sie geheiratet haben, ehe er sie mit hierherbrachte. Mit all meinem irdischen Gut beschenke ich dich . Die Schatten auf dem Rasen werden länger, der Vormittag kühlt auf einmal ab, als die Wolke an der Sonne vorbei und aufs Wasser in Richtung St. Mawes zieht. Er hält die Hand ins Licht, das stark genug ist, um durch seine Fingerspitzen zu leuchten, die Grenzen seines Ichs zu durchdringen. Er wendet die Hand und sieht zu, wie das Gewebe zwischen seinen Fingern durchscheinend wird. Vogelfüße, denkt er. Vielleicht geht er am Nachmittag an den Strand, baden. Kann Ally schwimmen, besitzt sie einen Badeanzug? Er stellt sie sich nass vor, im kurzen Kleid, das an ihren Beinen klebt, weiße Arme unter durchnässter dunkler Baumwolle. Los jetzt, wenn er nichts tut, hätte er sie genauso gut zu den Booten begleiten können. Er wendet sich seiner Arbeit zu.

Er liest etwas über Leuchttürme in Japan. Er stellt das Buch aufrecht hin und lehnt sich im Sessel zurück. Man sollte meinen, dass Leuchttürme bei Erdbeben besonders gefährdet sind. Vor seinem geistigen Auge sieht er einen Turm schwanken, sieht Risse im Mauerwerk entstehen, als das Gebäude sich verdreht wie ein gewrungenes Handtuch. Etwas Gläsernes fliegt in hohem Bogen durch die Luft, die Reflektorlampe in perfektem, glitzerndem Flug, bis sie unten auf den Felsen zerspringt und der Turm erzittert und fällt, das Land die Gebäude abschüttelt wie ein Schlafender seine Bettdecke. Die Wellen unten haben kehrtgemacht, laufen in die falsche Richtung, weil sogar der Pazifische Ozean aufgestört wird von den Umwälzungen des Grundes, auf dem er ruht.

Aber da täuscht man sich. Wenn sie ordnungsgemäß gebaut werden, halten hohe, säulenartige Gebäude einem Erdbeben stand. Türme kann man - im Gegensatz zu länglichen, niedrigen Häusern, in denen zumeist Menschen leben - so bauen, dass sie eher biegen, als zu brechen. Und man weiß heute, dass die besten Leuchttürme die sind, die stärker auf Wind und Wellen reagieren. Das Fundament muss sich mit dem Boden bewegen, auf dem es steht, aber wenn die Maurer gute Arbeit leisten, ist die Spitze, das Licht selbst, ein Ruhepol, Achse und Fixpunkt.

Die Sonne verschwindet erneut, und eine Möwe schreit, als wolle sie protestieren. Er schlägt Die Berichte der Asiatischen Gesellschaft Japans zu. Der Verfasser dieses Artikels, ein schottischer Ingenieur, mag die Japaner nicht. Sie lügen, schreibt er, weil sie so am leichtesten bekommen, was sie wollen, und manchmal auch ohne ersichtlichen Grund. Er beschreibt ihre "vollständige Gleichgültigkeit gegenüber den Anforderungen der Zeit und der Lebensumstände". Sie sperren ihre Frauen ein und unterjochen sie und wissen mit einem Essig-und-Öl-Ständer nichts anzufangen. Womöglich wüsste dieser Verfasser aber mit dem japanischen Gegenstück genauso wenig anzufangen, was auch immer das sein mag. Wie unergründlich die Einheimischen sein mögen, das gehört zu den Dingen, die man doch lernen können müsste. Zu den Dingen, die er versuchen wird zu lernen.

Er hört die Pforte ins Schloss fallen, steht auf und reckt sich, um Ally durch den Garten gehen zu sehen. Von hier oben wirkt sie perspektivisch verkürzt, ist auf Hut, Rock und Korb reduziert. Der Korb zieht ihren Arm nach unten; die Boote müssen eingelaufen sein. Eine Möwe, die auf dem Dach von Greenbank House Wache hält, verkündet Allys Rückkehr und

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.