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Zwischen mir und mir Sommerferien in der Psychiatrie von Fritsch, Charlotte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2013
  • Verlag: Periplaneta
eBook (ePUB)
6,99 €
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Zwischen mir und mir

Die sechzehnjährige Christin freut sich auf ihre Sommerferien. Doch nach einem kurzen Gespräch mit einer Psychologin ist plötzlich alles anders. Christin wird als manisch-depressiv diagnostiziert und statt Strandurlaub mit Freunden heißt es: Jugendpsychiatrie. In einer sehr persönlichen Erzählung wird der Lesende mit der Frage konfrontiert, wo Individualität aufhört und Krankheit anfängt. Und ob nicht hinter den meisten Persönlichkeitsstörungen eher ein Trauma steckt, das mit Pillen gar nicht therapierbar ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943876222
    Verlag: Periplaneta
    Größe: 711kBytes
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Zwischen mir und mir

Kapitel 1:
Die Diagnose

"Ich war zehnmal in der Psychiatrie. Viermal in der Geschlossenen. Und das in neun Jahren. Eigentlich war ich meistens weg, als Christin klein war." Mama räusperte sich. "Jedes Mal andere Medikamente, jedes Mal andere Nebenwirkungen, dann Elektroschocks. Jahrelang hat nichts geholfen. Aber Christins neunter Geburtstag war der letzte, den sie mit mir in der Psychiatrie feiern musste. Seitdem habe ich die richtigen Medikamente und bin weitgehend stabil, nicht?"

Mama schaute mich an. Ich nickte, lächelte und schwieg.

"Und jetzt? Jetzt macht Christin die gleichen Stimmungsschwankungen durch wie ich." Meine Mutter schob ihre Brille zurecht. "Erst wollte ich das nicht wahrhaben. Habe immer gehofft, dass ich ihr die Krankheit nicht vererbt habe. Aber die Gene sind einfach zu stark. Ich bin manisch-depressiv, mein Vater ist es, sein Vater war es und es gibt noch mindestens drei andere Fälle in unserer Familie."

Die Psychotante, sie hieß Frau Kant, nickte. "Diese familiäre Vorbelastung ist tatsächlich nicht zu unterschätzen. Auch die Symptomatik nicht, die Sie geschildert haben. Es spricht leider wirklich alles dafür, dass Christin manisch-depressiv ist."

Ich wischte mir durchs Gesicht. Was geschah hier? Diese Tante kannte mich gerade mal eine halbe Stunde und konnte sich schon ein Urteil über mich bilden? Und dann fing sie an, von Medikamenten zu sprechen und Mama hörte nicht auf, ihre beschissene Krankengeschichte zu erzählen. Dass sie schon mit zwölf Jahren depressive und manische Phasen hatte. Dass die Krankheit aber erst mit siebenundzwanzig festgestellt wurde, kurz vor meiner Geburt. Dass ihr viel erspart geblieben wäre, hätte man die Krankheit so früh entdeckt wie bei mir. Dass sie zeitweise mit ihrer Rolle als Mutter überfordert war, unfähig, sich richtig um ihre Kinder zu kümmern - wegen der Krankheit. Dass sie mit dreiunddreißig für drei Monate in die Geschlossene kam - wegen der Krankheit. Dass sie danach aus ihrem geliebten Beruf als Krankenschwester rausgemobbt wurde - wegen der Krankheit. Dass sie gezwungen war, eine Abfindung zu unterschreiben, mit Anfang dreißig in Frührente zu gehen - wegen der Krankheit. Dass ihre Freunde nichts mehr von ihr wissen wollten - wegen der Krankheit. Dass andere Kinder nicht mit ihren Kindern spielen durften - wegen der Krankheit. Dass sie -

Die Psychotante wollte mit mir allein sprechen. Mama verließ nur sehr widerwillig den Raum, fragte mich mehrfach, ob das für mich auch in Ordnung sei.

Frau Kant lächelte müde. "Wie geht es dir, wenn du von den Sachen hörst, die deine Mutter erlebt hat?"

"Scheiße." Ich starrte an die Uhr über der Topfpalme. "Ich will nicht, dass mein Leben genau so wird wie ihres. Aber es wird doch eh alles so kommen."

"Ich verstehe, dass ihre Krankengeschichte dir Angst macht. Aber wenn du jetzt schon die richtigen Medikamente bekommst und die richtige Therapie, dann muss dein Leben nicht so werden."

"Was denn bitte für Medikamente?"

"Das kann ich ambulant leider nicht entscheiden."

"Was heißt das?"

"Dass du um eine stationäre Behandlung nicht herumkommen wirst. Die Stimmungsschwankungen, die du beschreibst, sind sehr stark. Und wir müssen da dringend eingreifen, bevor alles noch viel schlimmer wird. Ich werde nachher gleich auf einer Station anrufen und versuchen, so schnell wie möglich einen Platz für dich zu bekommen."

"Das geht nicht. Ich habe Sommerferien. Ich fahre nächste Woche mit meinen Freunden in den Urlaub. Die Zugkarten sind schon gekauft."

"Das ist ja eine schöne Idee, aber deine Gesundheit geht vor. Du bist zurzeit sehr durcheinander, Christin, und das wird immer schlimmer werden, wenn wir nicht schnellstens etwas dagegen unternehmen. Dich in deinem Zustand allein mit deinen Freunden wegfahren zu lassen ... Nein. Das ist viel zu gefährlich."

Gefährlich. Was? Ich?

"Es ist nun mal eine psych

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