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Vorübergehend verschossen von Maiberg, Anke (eBook)

  • Erschienen: 01.07.2017
  • Verlag: Medion AG
Vorübergehend verschossen
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Vorübergehend verschossen

Nelli ringt ums richtige Braut-Outfit - ihr Bräutigam Tim ringt um Fassung.

Er ist auf Junggesellentour in Las Vegas versackt. Nun muss sein Zwillingsbruder einspringen. Felix gibt sich als Tim aus. Er heiratet Nelli und fliegt mit ihr in die Flitterwochen. Tim muss solange in Las Vegas die versehentliche Spaß-Hochzeit mit einer alten Jugendfreundin annullieren lassen. In Nizza entdeckt Nelli so viele tolle neue Seiten an ihrem Ehemann, dass sie ihrer Hochzeitsnacht erst recht entgegenfiebert. Die versucht Felix zunächst mit allen Tricks zu verhindern. Aber dann erkennt er, dass er sich verliebt hat. Und auch in Las Vegas spitzt sich die Katastrophe noch zu …

Produktinformationen

    Herausgeber: Medion AG
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 317
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783947177035
    Erschienen: 01.07.2017
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Vorübergehend verschossen

Husum, Nordsee


NELLI


»Diesen Schleier habe ich seinerzeit bei meiner Hochzeit getragen. Damit wirst du wie eine Märchenprinzessin aussehen!«, versprach Oma Ilse. Nelli hielt still, während Tims Großmutter ihr den alten Brautschleier auf den Haaren drapierte. Sie stand mit der Oma ihres Bräutigams auf dem Dachboden, wo Ilse schon seit Ewigkeiten ihre Hochzeitssachen aufbewahrte. Als Ilse fertig war, betrachtete sich Nelli im Spiegel.

Sie schluckte. ›Märchenprinzessin‹ war leider nicht das Wort, das ihr zu dem Anblick einfiel. Eher ›explodierter Wäschesack‹. Der störrische Berg aus Tüll stand weit von ihrem Kopf ab, hatte bei genauerem Hinsehen auch noch eine Garnitur aus angegilbten Stoffröschen am Scheitel und kratzte, als habe man ihr einen Topfschwamm aufs Haupt gepinnt. Sie holte tief Luft. Es half nichts. So wollte sie nicht heiraten. Sie setzte zu einem Nein an, da sprach Ilse mit leiser, brüchiger Stimme weiter. »Du würdest mir armer alter Frau eine so unendliche Freude damit machen …«

Oje. Nelli konnte Tims Oma, sie war schon seit vielen Jahren verwitwet, diesen Gefallen nicht verwehren. Und übermorgen war so oder so der schönste Tag in ihrem Leben. Sie würde heiraten, endlich ein richtiges Zuhause haben, für immer und ewig glücklich sein – fiel es da ins Gewicht, was sie für einen Kopfputz trug? Nelli öffnete schon den Mund, um einzuwilligen – aber dann sah sie das berechnende Funkeln in Ilses Augen.

Nelli hielt inne. Ihr kamen die Momente in den Sinn, in denen diese Augen ihr in den vergangenen Monaten strenge Tadel verpasst hatten – weil Ilse sie mit etwas Süßem in der Hand erwischt hatte. Nelli fand zwar, dass es auch einer Braut nicht versagt sein durfte, Busen, Hüfte und einen gesunden Appetit zu haben. Aber Ilse hatte dann stets so einen Fräulein-Rottenmeier-Blick drauf gehabt, als würde Nelli wirklich jedes bisschen Selbstbeherrschung fehlen. So konnte Ilse nämlich auch! Ilse Sattler war klug, willensstark … und offenbar bereit zu emotionaler Erpressung. »Wenn du einmal Enkelkinder hast, dann wirst du mich verstehen«, seufzte sie nun auch noch ergriffen und presste sich ihre runzlige Hand aufs Herz.

Jetzt trug sie eindeutig zu dick auf. Kein Tüll-Wischmopp!, entschied Nelli und wappnete sich innerlich. »Danke, Ilse, aber ich kann das nicht annehmen«, sagte sie. »So ein Schleier ist für eine standesamtliche Hochzeit vielleicht doch etwas übertrieben. Und ich hab mein Outfit ja auch schon. Es geht wirklich nur noch um etwas kleines ›Geliehenes‹ für den Hochzeitsbrauch.« Und darum, hier fertig zu werden. Nelli nahm den Schleier ab, um ihn wieder in Ilses alte Hochzeitstruhe zurücklegen zu können. In knapp einer Stunde war ihr Maniküre-Termin. Normalerweise nahm sie es mit der Optik ihrer Hände nicht so genau; ihre tägliche Arbeit im Gärtnereibetrieb hinterließ nun mal ihre Spuren. Aber Tim sollte am Samstag schließlich nicht das Gefühl haben, einer Maulwurfspfote den Ehering überzustreifen. Bevor sie zur Kosmetikerin fuhr, musste sie außerdem noch im Gasthof nachfragen, ob laktosefreie Milch und Sahne vorhanden waren, denn eine ihrer Brautjungfern hatte neuerdings eine Unverträglichkeit. Zwei Unverträglichkeiten, besser gesagt. Die Brautjungfer hatte sich frisch von ihrem Freund getrennt, und nun musste Nelli auch noch die Sitzordnung anpassen. Sie heiratete in einen großen Freundeskreis ein; der Ex, über den sie ihre Brautjungfer kennengelernt hatte, war Tims Fußballkumpel und blieb natürlich ebenfalls eingeladen. Nun musste sie die beiden an unterschiedlichen Tischen unterbringen. Und überhaupt … Es war noch so viel zu tun und so wenig Zeit. Nelli fühlte schon ein nervöses Ziehen in ihrem Bauch.

Tims Oma dagegen hatte komplett die Ruhe weg. Sie nahm Nelli den Schleier aus der Hand, setzte ihn sich selbst auf und betrachtete sich ausgiebig im Spiegel. Dann wandte sie sich um, nahm den Schleier ab und streckte ihn Nelli mit einem strahlenden Lächeln hin. »Aber er ist doch so entzückend. Keine Widerrede, Nelli. Ich borge ihn dir. Du musst nicht so bescheiden sein.«

Nelli nahm all ihren Mut zusammen. Sie wünschte sich, sie wäre mehr wie ihre beste Freundin Erika. Die brachte es bei Konflikten fertig, einfach nur ›Ich will aber nicht‹ zu sagen und sich wegzudrehen. Das lag wahrscheinlich daran, dass Erika in einer Großfamilie aufgewachsen war und bestimmt immer jemanden gefunden hatte, dem sie sich dann zuwenden konnte. Nelli dagegen, dem Einzelkind einer alleinerziehenden Mutter, hatte sich der Sinn für harmonieförderndes Nachgeben tief eingebrannt. Aber nicht jetzt!, ermahnte sie sich. Sie räusperte sich und versuchte, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben. »Ilse, das meinte ich anders. Dein Schleier passt leider nicht zu meinem Kleid.«

Tims Oma lächelte. »Vielleicht sollte ich dir mein Kleid noch dazu leihen, so als Ensemble. Dann wärst du schick. Das Problem ist nur, du bist kräftiger als ich.« Nelli biss die Zähne zusammen, als Oma Ilse jetzt mit den Händen an ihrer Taille Maß nahm. »Vielleicht, wenn man an den Nähten viel auslässt …«

Nelli atmete tief durch. »Ist schon gut, Ilse«, sagte sie ruhig und kniete sich rasch vor die Truhe, um möglichst schnell ein unauffälliges Accessoire zu finden. Sie tat das hier Tim zuliebe. Natürlich hatte sie ihre gesamte Brautausstattung längst zusammen. Auf diesen Brauch mit dem ›Geliehenen‹ war Nelli nur gekommen, weil Tim sie gebeten hatte, Ilse doch mit einzubeziehen. Oma hatte ihn wissen lassen, dass sie sich ausgeschlossen fühlte.

Wetten, sie hatte dabei auch das ›Arme alte Frau‹-Argument benutzt? Trotz ihrer Anspannung musste Nelli schmunzeln, als sie sich die Szene zwischen Tim und seiner Oma vorstellte. Tim, der baumgroße, sportgestählte Mann und die zierliche Oma. Aber seine Großmutter wusste genau, dass Tims allergrößter Muskel sein Herz war. Und seine Willensstärke dafür in Ilses Pillendose noch mehr als reichlich Platz fände. Von daher konnte Nelli von Glück sagen, dass Tim heute Nachmittag keine Zeit hatte. Ihm hätte Ilse den Schleier garantiert angedreht.

Nelli ertastete Schuhe. Bloß nicht. Auf einen Spruch à la »Du hast klobigere Füße als ich. Wobei vielleicht, wenn du die Schmerzen ignorierst« konnte sie gut verzichten. Sie suchte weiter.

Im nächsten Moment fühlte sie einen weichen Gegenstand mit einem Bügel und einer Schnalle. Offenbar ein Täschchen. Egal, wie du aussiehst. Notfalls vergesse ich dich im Taxi, dachte sich Nelli und zog es hervor. Es war eine kleine Tasche aus goldfarbenem Brokatstoff. »Die ist ja zauberhaft!«, rief sie erleichtert. »Hattest du die zum Standesamt mit?«

Neben Nelli fiel der Schleier zu Boden. Sie hörte das Rascheln des Tafts und dazu ein zischendes Geräusch, das offenbar aus Ilses Mund drang. Erschrocken blickte Nelli zu ihr auf.

Tims Oma hielt die Hände vor den Mund gepresst, ihre Augen waren weit aufgerissen. Für ihre mehr als achtzig Jahre war sie immer noch in sehr guter Verfassung, aber in diesem Moment wirkte sie furchtbar zerbrechlich. Nelli ließ die Tasche fallen, sprang auf und ergriff Ilses Arm. »Ist alles in Ordnung?«, frage sie besorgt und sah sich auf dem Dachboden nach einer Sitzgelegenheit um. »Soll ich dir ein Glas Wasser holen?«

»Nein, nein.« Ilse blinzelte noch einmal. Dann entzog sie Nelli ihren Arm und wandte sich mit einem Ruck von der Hochzeitstruhe ab. »Alles in Ordnung. Man muss hier oben einfach mal lüften.« Sie straffte die Schultern und strich mit den Fingern damenhaft über ihre stets tadellos aufgesteckte Chignon-Frisur. »Ich habe unten in meiner Schmuckschatulle hübsche Ringe. Davon leihe ich dir einen.« Aufrechten Ganges stieg sie vor Nelli die Treppe hinab und schlug in der Diele den Weg in Richtung Schlafzimmer ein. Aber Nelli hielt sie zurück. Sie hatte das alte Handtäschchen heimlich mitgenommen. »Ilse, darf ich einfach das hier leihen?«, bat sie.

Ilse schüttelte energisch den Kopf.

»Nur leihen«, versicherte Nelli und inspizierte die Tasche noch einmal. War sie vielleicht beschädigt? Sie ließ den filigranen Verschluss aufschnappen. Cremefarbenes Seidenfutter kam zum Vorschein. Und ein vergilbter Zettel. Ohne ihn auffalten zu müssen, konnte man die Schrift darauf lesen: ›Für Ilse in Liebe von Helmut‹.

»Helmut?« Nelli runzelte die Stirn. Tims Opa hatte doch nicht Helmut geheißen, sondern Werner. »Wer ist Helmut?«

»Der Grund, warum ich dir die Tasche nicht leihe.«

Zehn Minuten später saß Nelli in Ilses Wohnzimmer und bekam am helllichten Tag Eierlikör kredenzt. Nachdem das Geheimnis um diesen Helmut nun einmal gelüftet war, sprudelten die Worte nur so aus Ilse heraus. Ilse Gesichtszüge waren ganz weich geworden, als sie von ihrer Jugendliebe erzählte. Ihre Augen glänzten. Sie blickten weniger Nelli an als durch sie hindurch in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit mit Petticoats, Rock and Roll und einem schmissigen Kerl mit pomadigem Haar.

Nelli hatte die Maniküre abgesagt, wozu gab es schließlich beste Freundinnen, jetzt hörte sie der alten Dame geduldig zu. Ilse musste sich ganz offensichtlich ihre Geschichte vom Herzen reden. Und wieder einmal zeigte sich: Jeder Mensch hat einen weichen Kern. Bei Oma Ilse war das Kern-Schale-Verhältnis zwar vielleicht etwas ungewöhnlich, aber in diesem Moment war sie zumindest einmal richtig sentimental. »Er hat mich auf Händen getragen«, schwärmte sie. »Mich angebetet und mir Liebesbriefe geschrieben. Eines Tages hat er mich dann gefragt, ob ich ihn heiraten will.« Nelli, die statt zum Eierlikör lieber zu...

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