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Die diskrete Gesellschaft Geschichte und Symbolik der Freimaurer von Binder, Dieter A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.04.2016
  • Verlag: Studienverlag
eBook (ePUB)
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Die diskrete Gesellschaft

Der Zeithistoriker Dieter Binder hat als Nicht-Freimaurer einen wertfreien Zugang zum Thema Freimaurerei. Historisch penibel werden Stärken und Schwächen dieses weltumspannenden Bundes dargestellt. Geschichte und Rituale werden eingehend kommentiert. Philosophische und psychologische Hintergründe der Bruderschaft werden ausführlich dokumentiert, Systeme und Lehrarten charakterisiert. Ein wertvoller Beitrag zum besseren Verständnis dieser 'diskreten Gesellschaft'. Professor Dieter A. Binder; geb. 1953, lehrt an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Andrassy-Universität Budapest Geschichte. Autor zahlreicher Publikationen zur Österreichischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, zu geschlossenen Gesellschaften, u.a. Mitautor des 'Internationalen Freimaurerlexikons' (2000) und zur Kulturgeschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 13.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783706557610
    Verlag: Studienverlag
    Größe: 5616 kBytes
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Die diskrete Gesellschaft

Die Mobilisierung der Gegner

Die angesprochene doppelte Frontstellung mußte mit dem raschen Ansteigen des freimaurerischen Ansehens, ihrem Einbruch in die gesellschaftlich aktivsten Gruppen virulent werden, wenn auch die Freimaurerei durchaus bereit war, wie in England nicht nur eine Stütze der herrschenden Gesellschaft, sondern auch ein Instrument deren Politik zu werden.

So wurden die Freimaurer erstmals 1735 in Holland und Friesland verboten 55 ; 1736 wurde im calvinischen Genf die von den Engländern gestiftete Loge vorerst als "eine Hochschule des Unglaubens" für gebürtige Genfer verboten, bis sie schließlich 1744 wegen der Gefährdung des Staates durch das "Geheimnis" endgültig geschlossen wurde. Dieser Gegensatz zwischen Calvinisten und Freimaurerei in den Niederlanden bestand im 19. Jahrhundert weiter; so schreibt Faubel: "Der Calvinismus lehnt die freimaurerischen Lehren grundsätzlich ab. Viel von dem, was in unserer Grundsatzerklärung enthalten ist, wird von den Calvinisten verworfen, weil nach ihrer Auffassung der 'bessere Mensch' nur durch die Allmacht Gottes geschaffen werden kann, durch Gott, zu Gott. Unsere Auffassung von der stufenweisen geistigen Entwicklung des Menschen widerspricht der calvinistischen Überzeugung, daß erneuernde und bessernde Eigenschaften im Menschen nicht vorhanden sind."

Ebenfalls unter Berufung auf das staatsgefährdende Geheimnis ging 1737 die Polizei gegen eine Pariser Loge vor, während man in Mannheim den Staatsdienern den Eintritt generell untersagte und in der Toskana die Inquisition gegen die Maurer in Gang gesetzt wurde. Im Jahr darauf löste der Senat die Hamburger Loge auf, und das protestantische Schweden verhängte über die Freimaurer die Todesstrafe. Polizeimäßiges Sicherheitsdenken veranlaßte 1743 auch die Hohe Pforte, die Tätigkeit einer Diplomatenloge auf ihrem Territorium zu untersagen.

In diesem Klima entstand schließlich die päpstliche Bulle "In eminenti" vom 28. April 1738, in der erstmals ein striktes Verbot seitens der katholischen Kirche ausgesprochen wurde. Es ist dabei rechtlich irrelevant, ob nun die Bulle auf Wunsch des Papstes, Clemens XII., mit dessen vollem Wissen und in Absprache mit ihm redigiert worden ist oder nicht; es ist zwar für die Entstehungsgeschichte von großem Interesse zu sehen, wie hier eine Gruppe von Kardinälen - Neri Corsini, Pietro Ottoboni, Antonio-Felice Zondadari und Giovanni Battista Spinola II. - und der oberste Inquisitor der Toskana, Ambrosio Ambrogi, die Arbeit für einen hilflosen Greis erledigt haben, aber für die rechtliche Konsequenz ist dies bedeutungslos, selbst wenn man Charles von Bokor 56 folgt: "Der altersschwache Blinde, der kaum noch lichte Momente hatte und bereits ein Kind des Todes war, der Greis ... wußte sicherlich nichts über die Hintergründe, die zur Verurteilung der Freimaurerei führten. Er nahm an den Diskussionen der Kongregation keinen Anteil und wurde über die in seinem Namen veröffentlichte Bulle 57 wahrscheinlich gar nicht informiert."

Faßt man die einzelnen Beschuldigungen zusammen, ergeben sich folgende Schwerpunkte:

- Die Freimaurerei stelle eine Vereinigung von Menschen "aller Religionen und Sekten, die mit einer gewissen Art von natürlicher Rechtschaffenheit zufrieden sind", dar.

- Ihr Zusammenleben werde durch "ein enges und geheimnisvolles Bündnis nach festgelegten Gesetzen und Statuten" geregelt und vor der Öffentlichkeit geheimgehalten, wozu sie sowohl "durch einen auf die Heilige Schrift abgelegten Eid als auch durch die Androhung schwerer Strafen" verpflichtet seien.

- Derartige Zusammenschlüsse verursachen "schwere Schäden" an "der Ruhe des Staates", weshalb "die erwähnten Gesellschaften von den weltlichen Obrigkeiten als für die Sicherheit des Staates gefährlich geächtet" worden sind.

- Diese "schweren Schäden" würden auch dem Seel

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