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Die Freimaurer Geschichte, Mythos und Symbole von Binder, Dieter A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.03.2015
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
eBook (ePUB)
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Die Freimaurer

Mit der Freimaurerei im 18. Jahrhundert entstand ein Freundschaftsbund, der nicht nur jüngere Männerbünde und Zusammenschlüsse direkt oder indirekt beeinflusste, sondern auch zum erklärten Ziel sinistrer Verschwörungstheorien geworden ist. Was als kleinbürgerlicher und zünftischer Zusammenschluss in London 1717 begann, wurde rasch ein Sammelpunkt der alten Eliten und des aufstrebenden Bürgertums und war damit stets ein Spiegel der Gesellschaft, innerhalb der die bunte Vielfalt der Logen existierten und existieren durften. Verfolgt von Inquisition, linken und rechten Diktaturen und totalitären Regimen, angegriffen von völkischen Kreisen als Internationalisten und vaterlandslosen Gesellen, abgelehnt von linken Puristen als Ausdruck der bourgeoisen Gesellschaft, überlebte diese Gesellschaftsform mannigfache Widrigkeiten. In der Schweiz der 1930er Jahre legitimierte eine Volksabstimmung die Existenz, nach der Rückkehr der Demokratie in Europa 1945 und nach 1989 entstanden die Logen wiederum neu. Von den einen als Speerspitze der Aufklärung gefeiert, von den anderen als gutbürgerliche Notablenversammlung abgetan, vom Freimaurer Kurt Tucholsky als 'lendenlahmer Synagogenersatz' ironisiert, blieben sie in aller Formenvielfalt das, was sie immer waren: ein Ausdruck des Privaten am Rande der Öffentlichkeit und Informationsgesellschaft. Prof. Dieter A. Binder; geboren 1953, lehrt an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Andrassy-Universität Budapest Geschichte. Autor zahlreicher Publikationen zur Österreichischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und zur Kulturgeschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 24.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843800228
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 518 kBytes
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Die Freimaurer

Freimaurerei und der Spieltrieb des 18. Jahrhunderts

Ein Exkurs über die Vielfalt freimaurerischer Formen

Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, dass die Freimaurerei sehr rasch eine "Modebeschäftigung" geworden sei, hält Bernhard BEYER fest, wie sehr die männliche Exklusivität der englischen Maurerei auf dem Kontinent in Frage gestellt wurde. Überdies hätte die französische Maurerei "schon frühzeitig die edle Einfachheit der englischen Rituale und der alten Tradition durch verschiedene neue Muster und Anhängsel übertüncht und zum glänzenden, mit großen Zeremonien ausgestatteten Amüsement verbildet". 93 In diesem Umfeld, das von einer "reinen Lehre" ausgeht, siedelt BEYER das Entstehen androgyner Logen, insbesondere des "Mops-Ordens" an, dessen vermutlichen deutschen Ursprung er zwar referiert, um dann apodiktisch als Gralshüter der "regulären" Freimaurerei denunziatorisch festzuhalten: "In Wirklichkeit ist aber wohl anzunehmen, dass dieser Orden um 1740 herum in Frankreich entstanden, dann über die Rheingrenze hinaus in Deutschland verbreitet worden ist." 94

Es ist hier nicht der Platz und das Anliegen, den Ursprung des Mops-Ordens zu klären, der in der Literatur immer wieder mit der ersten päpstlichen Verurteilung der Freimaurerei in Zusammenhang gebracht wird, da man im Mops-Orden gleichsam eine neue Gesellschaft außerhalb des Odiums der Freimaurerei zu schaffen beabsichtigt habe. Dieses Erklärungsmodell geht aber an der Tatsache vorbei, dass die frühen päpstlichen Verurteilungen außerhalb des Kirchenstaates und Spaniens nicht rezipiert worden sind. 95 Auffallend ist aber, wie sehr BEYER bemüht ist, einen französischen Ursprung zu konstatieren, während SCHUSTER die französische Ursprungsthese "unkontrollierbaren, des romantischen Beigeschmacks nicht entbehrenden Gerüchten" zuordnet. 96 Damit deckt sich die ältere deutsche Darstellung mit den Ansichten etwa der amerikanischen 97 und der französischen freimaurerischen Forschung. 98 BEYERs Mutmaßungen entspringen vielleicht der auch in anderen Bereichen zu beobachtenden Tendenz, dass man scheinbar anrüchige Bereiche gerne aus dem eigenen Kontext löst und dem Nachbarn im Westen zuordnet. 99

Den Forschungsstand im Hinblick auf die regionale Entstehung im deutschsprachigen Raum 100 fasst bereits das Internationale Freimaurerlexikon 1932 gültig zusammen, wobei ausdrücklich die Rolle der "kleinen" Höfe der deutschen Fürsten und Universitäten in diesem Raum genannt werden. 101 Dabei vermerken die Autoren dieses Lexikons die sogenannten Verräterschriften, die sich auf den Mops-Orden beziehen, 102 und verweisen auf das "reichlich läppische Ritual des Ordens". Diese Charakterisierung basiert auf einem Wertungsrahmen, der vom traditionellen, englisch geprägten Ritual ausgeht.

Ein knapper Vergleich soll diese Charakterisierung verständlich machen, ohne auf den gesamten Initiationsritus des Mops-Ordens einzugehen, der analoge Schritte zum traditionellen Ritual besitzt, 103 auch wenn er diese ironisch verfremdet. FRICK spricht die Analogie als "eine Art Persiflage" 104 an, in der der/die Suchende gefragt wird, ob er/sie den "Hintern des Mopses [oder: des Teufels] oder den des Großmeisters zu küssen gewillt ist." Der (Stoff- oder Keramik- oder Wachs-) Mops steht während des gesamten Initiationsritus auf dem Tisch des Meisters vom Stuhl, auf dem auch ein Degen und ein Spiegel ruht. Dem androgynen Charakter der Loge entsprechend leisten die suchenden Frauen auf den Spiegel und die Männer auf den Degen den Eid, der sie zur Verschwiegenheit über die Logeninterna verpflichtet, nachdem sie dem "Hintern des Mopses" die "respektvolle Huldigung" dargebracht haben. Danach fällt die Augenbinde und d

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