text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Handbuch der Runenkunde von Arntz, Helmut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2012
  • Verlag: Edition Lempertz
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Handbuch der Runenkunde

Heilung von Krankheit, Schutz vor dem Bösen und Weissagen der Zukunft - immer schon wurde den Runen eine unheimliche Kraft zugeschrieben. Und noch heute wenden sich Ratsuchende an Runenpriester in der Hoffnung, mehr Klarheit zu erlangen... Runen sind die ältesten Schriftzeichen der Germanen, überliefert vor allem durch Inschriften auf Steinen und Gegenständen. Ihre größte Verbreitung fanden sie im Skandinavien der Wikingerzeit, aber auch in Mitteleuropa wurden sie verwendet. Mit der Ausbreitung des Christentums verloren sie an Bedeutung, aber Anfang des 20. Jahrhunderts hauchten deutsche Magier und Mystiker der alten Tradition neues Leben ein. Die Edition Lempertz legt mit diesem E-Book ein Standardwerk neu auf. Aus dem Inhalt: Die Runen, Die Herkunft der Runen, Runen und Magie, Geheimrunen und viele weitere Kapitel für alle, die mehr über das Thema erfahren wollen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 314
    Erscheinungsdatum: 11.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783939284475
    Verlag: Edition Lempertz
    Größe: 8228 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Handbuch der Runenkunde

II. Kultschrift, Bild und Sinnbild.

Nah ist und schwer zu fassen der Gott.

H ÖLDERLIN.

Kein Staatswesen gewinnt mit einem Mal äußere Ausdehnung und innere Blüte; sondern ein Staat und seine Wirtschaft wachsen aus keimhaften Anfängen (oder sie übernehmen ein vorhandenes Gefüge mit seinen Inhalten, dann aber auch seiner Schrift). So stellt sich auch die Notwendigkeit einer Gebrauchsschrift nicht von einem Tag zum andern heraus, sondern ihr liegen Vorstufen und Ansätze zugrunde, die in der Folge schrittweise entwickelt und den gesteigerten Bedürfnissen angepaßt werden.

Eine Gebrauchsschrift erkennen wir daran, daß ihr Zweck die Erinnerung (für den Schreiber selbst) und die Mitteilung (an andere Menschen) ist. Dieses Bedürfnis ist sehr alt. Schon völlig schriftlose Völker können Mitteilungen machen, indem sie etwa einen Pfeil als Aufgebotszeichen bei Feindgefahr umhersenden, und etwas in der Erinnerung festhalten, indem sie durch aufgetürmte Steine große Ereignisse verewigen. Wenn sie durch Kerben in einem Stab Schuldbeträge ausdrücken, schreiben sie bereits eine "Rechnung"; in andern Fällen werden Zahlen durch greifbare Gegenstände dargestellt. In solchen Fällen sprechen wir von Gegenstandsschrift und sehen darin Ansätze zu der von uns behandelten Gebrauchsschrift.

Anläufe zur Schriftbildung scheinen nach neueren Forschungen 1 ) bis in die Eiszeit zurückzureichen und verlieren sich dort beinahe im gleichen Dunkel wie die Urstufen unserer Sprachen. Es wäre aber verfehlt, darin gemeinhin Vorstufen der Gebrauchsschrift zu suchen. Älter als das organisierte Staatswesen sind Glaube und Kult, und älter als das Schriftzeichen zum Zweck der Mitteilung an Menschen ist das Zeichen, das sich an Überirdische wendet, also kultisch wirksam ist. Es kann, das halten wir von vornherein fest, genau wie in der Gebrauchsschrift das Bild oder Abbild eines Dinges, ein Sinnbild oder ein daraus entwickeltes Zeichen gleich welcher Form sein. Sein Zweck aber liegt in der sakralen Handlung selbst begründet: gleich andern kultischen Mitteln soll es Fruchtbarkeit oder Sieg erflehen, Tote ans Grab bannen, feindlichem Zauber wehren, im Losorakel die Zukunft enthüllen u. dgl. mehr. Es soll der göttlichen Macht, die zaubern kann, wiederum mit Zauber entgegentreten.

Am wirksamsten geschieht das, indem das Übernatürliche nachgeahmt, nachgebildet wird: "Frühes Denken unterscheidet noch nicht zwischen Gebärde und Geist. Wer die äußere Form innehält, hat sich auch der Macht bemächtigt 1 )". Die gemäße Form ist also das Bild; aber aus Gründen, die uns noch beschäftigen werden, bleibt diese Schriftform nicht beim Bild stehen. Ihre Ausdrucksmittel sind greifbare Wiedergabe aller Gewalten und Gegenstände, die im Kult eine Rolle spielen. Sie sind zweifellos eine Schrift, haben aber mit der Gebrauchsschrift zu praktischen Zwecken nichts gemein. Wir nennen sie Kultschrift.

Es soll gleich betont werden, daß die Gebrauchsschrift, wie wir sie geschildert haben, sich im Dienst von Wirtschaft und Politik nicht erschöpft. Die Dichtung, die mit ihr aufgezeichnet wird, umfaßt auch religiöse Texte, und heilige Lieder und Sprüche werden zur Gedächtnisstütze für den Priesterstand schriftlich niedergelegt. Ehe Schriftkenntnis allgemein verbreitet ist, muß die Fähigkeit, einen Gedanken auch über Raum und Zeit dem Auge sichtbar zu machen, dem Schriftunkundigen wunderbar und übernatürlich erscheinen. Daher liegt bei der Niederschrift eines Zauberspruchs die Einbeziehung der Schriftzeichen in den Zauber nahe, und sie können sogar als seine eigentlichen Träger angesehen werden. Wir wissen, daß dieser "Alphabetzauber" neben der Zahlenmystik und zusammen mit ihr bei allen Völkern des Altertums, die im Besitz von Gebrauchsschriften waren, lebendig gewesen ist. Zumal wenn eine Gebrauchssch

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen