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Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit

  • Erscheinungsdatum: 26.01.2016
  • Verlag: Studienverlag
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Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit

Dieser Band der renommierten Reihe 'Quellen und Darstellungen zur europäischen Freimaurerei', herausgegeben vom Historiker Univ.-Prof. Helmut Reinalter, beschäftigt sich in wegweisenden Beiträgen mit den Geheimgesellschaften zur Zeit Mozarts. Erstmals werden in einer wissenschaftlich fundierten Zusammenschau sowohl freimaurerische als auch andere Geheimgesellschaften analysiert. Weit über den biografischen Ansatz hinausgehend, dokumentieren die Beiträge die umfassenden kultur- und sozialgeschichtlichen Einflussnahmen der Geheimbünde im josephinischen Österreich. Basis des Bandes bildete eine im Sommer 2006 stattgefundene Tagung der Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich, die in Kooperation mit dem Privatinstitut für Ideengeschichte in Innsbruck und dem Da Ponte-Institut in Wien durchgeführt wurde.

Der Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Helmut Reinalter, geboren in Innsbruck 1943, Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck, Dr. phil. 1971, Habilitation aus Geschichte der Neuzeit 1978, Forschungsaufenthalte in Frankreich, England, Italien, Deutschland, Tschechien, Russland und Polen, Gastprofessor in Aix-en-Provence, Salzburg und Luxembourg, Univ.-Prof. an der Universität Innsbruck seit 1981, Leiter der Internationalen Forschungsstelle 'Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770-1850' an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck, Vorsitzender des Senatsarbeitskreises Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Mitglied der 'Commission Internationale d'Histoire de la Révolution francaise' an der Sorbonne in Paris, des Akademischen Rates der Humboldt-Gesellschaft sowie der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Produktinformationen

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Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit

Helmut Reinalter

Einführung

Die Aufklärung wird in der neueren Forschung häufig als bürgerliche Emanzipations- und Bildungsbewegung mit der höfisch-aristokratischen Kultur des Barock verglichen und davon abgegrenzt. Dabei wird offenbar übersehen, dass im 18. Jahrhundert noch die Aristokratie politisch und kulturell dominierte. Allerdings erhöhte sich die Zahl der bürgerlichen Gelehrten, Schriftsteller und Künstler, die alle von einer spezifischen Welt- und Lebensanschauung geprägt waren, die als bürgerliche Mentalität bezeichnet wurde. Darunter verstand man vor allem die Betonung der Persönlichkeit, die nicht durch Geburt und Zugehörigkeit zu einem Stand und Verband, sondern durch die unveräußerliche Menschenwürde, durch Leistung und Verdienst bestimmt war. Die sozialen Beziehungen der Menschen untereinander unterlagen einem Rationalisierungs- und Funktionalisierungsprozess. Sie wurden nicht mehr als gegeben hingenommen, sondern als Aufgabe und Chance der Gestaltung im Interesse der Menschen aufgefasst.

Die bürgerliche Welt- und Lebensanschauung manifestierte sich auch in neuen Geselligkeits- und Vergesellschaftungsformen. Zu ihnen gehörte eine Vielzahl unterschiedlicher Sozietäten, wie Akademien, Gelehrten- und Lesegesellschaften, ökonomische und patriotische Sozietäten und die Freimaurerlogen, die sozial von der höfischen Welt bis in das gebildete und besitzende Bürgertum hineinreichten. Allen diesen Gesellschaften war auf ähnliche oder unterschiedliche Weise das Bekenntnis zur Aufklärung, die Verwirklichung des Gemeinwohls und die Förderung der Bildung und Wissenschaften gemeinsam. Innerhalb der bürgerlichen Emanzipationsbewegung bildeten sie eine eigene Entwicklungsstufe zwischen feudaler Kooperation und bürgerlicher Assoziation und trugen - mit Ausnahme der Geheimgesellschaften - wesentlich zur Entstehung der Öffentlichkeit bei. Die Aufklärungsgesellschaften müssen als Erscheinungsform eines tief greifenden Transformationsprozesses gesehen werden, der die Entstehung der modernen bürgerlichen Gesellschaft beeinflusst hat. Nur auf der Grundlage des sich langsam herausbildenden modernen Staates mit seiner Bürokratie und mit der Emanzipation des Bürgertums konnten sich die aufklärerischen Sozietäten konstituieren, in denen erstmals über konfessionelle, staatliche und ständische Interessen hinweg für die ganze Gesellschaft verbindliche, gemeinsame Anliegen vertreten wurden. Die Sozietäten der Aufklärung bildeten einen besonderen sozialen Kristallisationspunkt und ein wichtiges Forum für aufklärerische Diskurse. Ihre Zahl und Bedeutung nahmen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu, sodass bald in ihnen ein erheblicher Teil des Bürgertums neben dem Adel organisiert war.

Die Freimaurerei hat als gesellschaftliche Formation die Aufklärung mitgeprägt und im Josephinismus eine nicht unwichtige Rolle gespielt. Sie stellte mit ihren z.T. strukturellen Gemeinsamkeiten eine spezifische Antwort auf das politische System des Aufgeklärten Absolutismus dar. Verschiedene Gruppen, die sozial anerkannt, aber z.T. ohne politischen Einfluss waren und in den bestehenden Einrichtungen des Staates keinen adäquaten Raum fanden, trafen sich in Kaffeehäusern, Akademien, Klubs und Salons, in Bibliotheken und literarischen Gesellschaften, um Kunst, Kultur und Wissenschaft zu betreiben. Versuche dieser Gruppen, eine selbstständige politische Tätigkeit zu entwickeln, scheiterten größtenteils am Staat, der seine Ordnung in Frage gestellt sah.

Die Freimaurerei übte einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die "Erosion der höfisch-aristokratischen Standeskulturen" und auf die Entstehung einer neuen bürgerlichen Oberschichtenkultur aus. Aufklärung und Geheimnis waren im freimaurerischen Verständnis kein Widerspruch. Das Geheimnis enthielt als organisatorische und symbolisch-kulturelle Kraft bestimmte sozio-kulturelle Transformationsmöglichkeiten, die im Zuge des Strukturwandels von der

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